22.04.2021 - 19:11 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Gurgel-Pooltests im Kreis Tirschenreuth ab kommender Woche

Im Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth haben die Projektbeteiligten Details zu den Gurgel-Pooltests erfahren. Dr. Michael Kabesch aus Regensburg erklärte in einem Vortag, was dahinter steckt und präsentierte anschaulich den Ablauf.

Facharzt Dr. Michael Kabesch zeigt die Gurgel-Teststation an den Schulen. Ein Plastikbecher wird in ein Aluminumgestell mit Spritzschutz gestellt. Das Röhrchen mit der Flüssigkeit kann einfach darüber abgegossen werden.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Nach zwei Wochen Testpflicht gab es bereits wieder erste positive Coronafälle in den Schulen. Ein neues Testmodell soll mehr Sicherheit bringen. Am Freitag wird die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis noch unter 100 sein. "Wir gehen deshalb davon aus, dass nächste Woche wieder Unterricht in den Schulen stattfindet", erklärt Landrat Roland Grillmeier am Donnerstag im Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth. Im Mehrzweckraum wurden Details zum Gurgel-Pooltest vorgestellt.

Der Landrat war dankbar, dass sich acht Schulen an dem Modellprojekt beteiligen. Obwohl auch mit den Stäbchen-Schnelltests positive Erfahrungen gesammelt werden konnten, halte er das Pooling für die einfachere und bessere Methode. Aktuell stecken alle Beteiligten noch mitten in den Vorbereitungen: "Schauen wir mal, ob wir es am Montag schon hinbekommen", sagte Grillmeier. Zuvor erhalten Eltern von den Schulen noch ein Informationsblatt mit Einverständniserklärung, das unterschrieben werden muss.

So funktioniert der Gurgel-Pooltest nach dem Modellprojekt

18 Landkreis in dem Modellprojekt

Dr. Michael Kabesch betreut das Forschungsprojekt WICOVIR (Wo ist das Coronavirus?) als wissenschaftlicher Leiter. Der Mediziner und Klinikleiter der Pädiatrischen Pneumologie und Allergologie am Krankenhaus Barmherzige Brüder und Klinik St. Hedwig in Regensburg präsentierte Schulleitern und Projektbeteiligten im Landkreis die Methode anschaulich. Erste positive Erfahrungen konnten damit schon vor den Osterferien im Raum Regensburg und Erlangen/Nürnberg gemacht werden. Der Clou: "Gurgeln ist etwas, das jeder kann." Bei dem Modellprojekt machen 18 Landkreise mit: Vom Grundschüler bis zum Abiturienten sei jede Altersgruppe dabei.

Ein Vorteil sei, dass Schulen wieder mehr Zeit für das Lernen mit den Kindern und Jugendlichen zurückerhalten. "Zudem sind die Test deutlich genauer", betonte Kabesch. "Schon sehr früh, wenn noch keine Symptome sichtbar sind, schlägt der Gurgeltest an", erklärt er. Somit erziele das Pooling bereits Treffer, wenn ein herkömmlicher Antigen-Schnelltest noch nicht anschlagen kann. "Auf diese Weise bekommt man Infizierte viel schneller aus den Schulen raus." Im Regensburger Bereich werden über 7000 Personen pro Woche über das Pooling getestet. "Die Personen, die positiv sind, hatten durch die frühzeitige Entdeckung noch keine Chance, andere anzustecken." Infektionsketten werden so durchbrochen.

Doch was ist, wenn jemand versucht, seinen Test zu manipulieren? Kabesch hat hier großes Vertrauen, dass Schüler verantwortungsvoll mitmachen. Sollte jemand versuchen, einen gefälschten Test abzugeben, würde es auffallen, sobald weitere Ansteckungen in der Klasse auftauchen.

Aufwand von einer Minute für Schüler

Zwei Mal pro Woche muss aktuell in den Schulen getestet werden. Aber was ist, wenn es in der Schule Wechselunterricht gibt? "Am besten ist es, jeden Tag zu testen", so der Mediziner. So könnten Lücken gefüllt werden. Vergisst ein Schüler seine Probe, muss ein Schnelltest gemacht werden.

Für die Kinder und Jugendlichen bedeute der Test einen Aufwand von einer Minute. Sie erhalten zwei Testpakete mit Informationen und jeweils zwei Plastikröhrchen, die mit fünf Milliliter Leitungswasser gefüllt werden. Die Flüssigkeit wird nach dem Aufstehen am Morgen und noch vor dem Zähneputzen für jeweils 30 Sekunden gegurgelt. "Man muss nicht die volle Zeit durchgurgeln, sondern kann zwischendurch Luft holen", so Kabesch.

In den Schulen werden die Proben an einer Teststation gesammelt. "Das kann an einem Tisch vor dem Klassenzimmer sein." Ein Becher wird in ein speziell entwickeltes Aluminiumgestell mit Spritzschutz gestellt. "Noch vor dem Unterricht können die Schüler ihre Proben in den Becher abgießen."

BRK übernimmt Logistik

Der Lehrer hakt in einer Liste ab, welche und wie viele Schüler in dem Pool sind. Am Ende nehmen die Lehrer den Becher aus dem Gestell und verschließen ihn. "Auf den Deckel kommt ein QR-Code und die Anzahl der Testeilnehmer." Die Schule sammelt die Proben aller Klassen ein. Mehr Arbeit mache die Logistik und Auswertung. Der BRK-Kreisverband übernimmt im Landkreis die Abholung und fährt die Tests zum Labor Bio-Variance nach Waldsassen. In drei bis vier Stunden wird das Ergebnis an die Schulen über eine Software übermittelt.

Was passiert, wenn ein positiver Fall auftritt? Dann würden laut Grillmeier alle Schüler nach Hause geschickt. Es müsste dann abgewartet werden, bis die Auswertung der Einzelproben erfolgt ist. In diesem Fall wird auch das Gesundheitsamt kontaktiert. Das zweite Röhrchen, mit dem die Schüler gurgeln, wird gesammelt in der Klasse behalten. Sie werden bei einem positiven Befund ebenfalls gekennzeichnet und einzeln an das Labor gebracht, das wiederum alles auswertet. Die Plastikröhrchen zum gurgeln können zudem wiederverwendet werden und es entsteht weniger Müll. Die Schüler erhalten sie nach der Testauswertung zurück. "Es reicht, wenn sie zu Hause sauber durchgespült werden", sagt Kabesch.

Acht Schulen aus dem Landkreis Tirschenreuth beteiligen sich beim Pooling

Tirschenreuth

Der Landkreis Tirschenreuth hat grünes Licht für Gurgeltests bekommen

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Hier finden Sie weitere Informationen zu dem Modellprojekt "WICOVIR"

 

 

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