22.06.2020 - 15:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Fahrerflucht endet vor Gericht

Weil ein 32-Jähriger den Verkehr auf der B22 bei Erbendorf stark gefährdete und vor der Polizei flüchtete, muss er sich vor dem Amtsgericht Tirschenreuth verantworten. Der Angeklagte streitet alles ab.

Das Amtsgericht Tirschenreuth verhandelte am Donnerstag im Fall von Straßenverkehrsgefährdung.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Über dreieinhalb Stunden zog sich die Verhandlung am Donnerstag am Amtsgericht Tirschenreuth. Ein 32-Jähriger aus dem östlichen Landkreis war angeklagt, weil er vorsätzlich ohne Führerschein hinter den Steuer gesessen und zudem einen anderen Autofahrer auf der B22 bei Erbendorf genötigt haben soll.

Zwei Stunden Verspätung

Bis das Hauptverfahren eröffnet wurde, dauerte es. Zunächst verspätete sich die Staatsanwältin, die aus Nürnberg kam. Sie wurde wegen eines Unfalls auf der Autobahn über die Bundesstraße geleitet. Dass sie mit 20 Minuten Verspätung ankam, machte aber nichts, denn auch der Angeklagte und keiner der Zeugen war bis zu diesem Zeitpunkt da. Weil um 9.45 Uhr zur Eröffnung des Verfahrens, das eigentlich um 9 Uhr beginnen hätte sollen, vom Angeklagten jede Spur fehlte, beantragte die Staatsanwältin die sofortige Vorführung des 32-Jährigen. Amtsgerichtsdirektor Thomas Weiß rief bei der Polizei an, die versuchen sollte, den Mann aufzutreiben.

Um 10.32 Uhr meldet der Richter: "Die Polizei hat den Angeklagten und bringt ihn her. Er hat noch geschlafen." Mittlerweile fanden sich auch einige Zeugen ein. Um 10.46 wurde der vierfache Vater vorgeführt. Laut Anklage soll er an einem Abend im Oktober 2029 ohne Führerschein hinter dem Steuer des BMWs seiner Frau gesessen haben.

"Er ist immer wieder ganz nah aufgefahren, hat uns überholt, abgebremst wieder stark beschleunigt, Lichthupe und Warnblinker, als ob er ein Rennen fahren wollte", sagt der 30-jährige Berufskraftfahrer, der das andere Auto steuerte. Das Auffahren, Überholen, Abbremsen und Geblinke wieder holte sich mehrere Male, während die beiden Fahrzeuge auf der B 22 von Bayreuth Richtung Süden fuhren.

Der BMW-Fahrer zwang den 30-Jährigen durch seine Aktionen oft zum starken Abbremsen, um einen Zusammenstoß zu verhindern. Die Beifahrerin des Berufskraftfahrers, eine 20-jährige Betriebshelferin, erinnert sich an ein riskantes Überholmanöver des BMW trotz Gegenverkehrs. "Wir mussten ins Bankett ausweichen", schildert sie. Ein weiterer Insasse auf der Rücksitzbank kontaktierte aus dem Auto die Polizei, gab das Kennzeichen durch.

Auf der Strecke von Kemnath bis Erbendorf verfolgten die Bedrängten den Autorowdy. Dann übernahm die Polizeistreife. Die Beamten versuchten, das Auto zu stoppen, was ihnen trotz Anhaltezeichen, Blaulicht und Martinshorn nicht gelang. Als die Streife den BMW überholt hatte und abbremste - die Polizisten hatten sich schon abgeschnallt und wollten aussteigen - brauste der Fahrer davon. Die Beamten nahmen die Verfolgung wieder auf, forderten Verstärkung an. Dann hielt der Lenker, sprang aus dem Auto und lief in den Wald.

Der Schwager und drei der insgesamt vier Kinder des Angeklagten stiegen aus dem BMW. Die Kinder sagten der Polizei: "Der Papa ist gefahren." Sie hätten sich Sorgen gemacht, ob er jetzt Ärger bekomme, weil er davongelaufen sei, erinnert sich die Polizistin. Der Schwager war betrunken, zwei Promille hatte er im Blut, wie eine spätere Untersuchung ergab. Die Suche nach dem Fahrer mit Wärmebildkamera und Suchhund blieb erfolglos.

Bei Mutter in Bayreuth

"Ich war das nicht", sagt der Arbeitssuchende auf der Anklagebank. "Ich war an dem Wochenende gar nicht daheim. Ich war bei meiner Mutter in Bayreuth." Er sei seit Jahren nicht mehr Auto gefahren, behauptet er. Erst von seiner Frau habe er erfahren, dass die Polizei ihn zu dieser Sache befragen will. Seinen Schwager, der am Abend auf dem Beifahrersitz des BMW saß, stellte er zur Rede. Dieser konnte sich an nichts erinnern.

Um 11.20 Uhr wurde die Verhandlung erneut unterbrochen. Die Ehefrau und der Schwager des Angeklagten waren nicht als Zeugen erschienen. Amtsgerichtsdirektor Weiß verhängte gegen sie ein Bußgeld von je 100 Euro und vertagte die Verhandlung auf 7. Juli.

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