16.06.2021 - 17:19 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Erstimpfungen gehen im Landkreis Tirschenreuth langsam wieder los

Fast 7800 Menschen warten auf eine Erstimpfung im Impfzentrum. Die Verantwortlichen hoffen, dass die Impfstoffmenge für den Landkreis nun wieder ansteigt. Auch in Betrieben und bei Hausärzten warten Menschen auf den Schutz vor Corona.

Am Dienstag wurde in der Firma IGZ das erste Mal geimpft. Betriebsarzt Dr. Stefan Erhart setzt die Spritze bei einer Mitarbeiterin.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Von Lucia Seebauer und Werner Robl

Seit Mittwoch steht dem Impfzentrum Waldsassen wieder Corona-Impfstoff für Erstimpfungen zur Verfügung. "Es fanden 162 Erstimpfungen statt", berichtet Pressesprecher Fabian Polster vom Landratsamt. Am Donnerstag sollen 82 Personen geimpft werden. "Die Impfdosen für nächste Woche sind noch unklar. Wir hoffen aber, dass der Trend nun positiv bleibt und nach und nach mehr Impfdosen geliefert werden", erklärt Polster. Momentan warten noch 7797 registrierte Personen auf eine Erstimpfung.

"Wir möchten darum bitten: Alle Personen, die geimpft werden möchten, registrieren Sie sich jetzt, damit wir unseren Bedarf planen können", betont der Pressesprecher auch in Rücksprache mit dem Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands Holger Schedl. Es sei davon auszugehen, dass die Impfstoffmenge nun Schritt für Schritt wieder ansteige.

Code nach der Impfung

In den vergangenen Wochen wurden vor allem Zweitimpfungen gemacht. In dieser Zeit haben sich rund 100 Personen aus der Prioritätsgruppe 2 nachgemeldet. In der Prioritätsgruppe 3 warten noch etwa 3300 Personen auf die Erstimpfung. Seit einer Woche ist es möglich, dass für die Corona-Impfung auch ein digitales Impfzertifikat ausgestellt werden kann.

Fabian Polster gibt noch den Hinweis, dass alle Personen, die jetzt ihre Zweitimpfung im Impfzentrum erhalten, einen Code bekommen. "Derzeit treten hier noch vereinzelt technische Schwierigkeiten auf, diese werden aber nach und nach behoben." Menschen, die bereits durchgeimpft sind, sollen ab Mitte Juli einen automatisierten Brief zugesendet bekommen. Hier seien aber noch viele Details zu klären. In der Zwischenzeit ist es möglich, ein digitales Impfzertifikat über Apotheken zu erhalten. Welche Apotheken diesen Service anbieten, lässt sich auf der Webseite www.mein-apothekenmanager.de einsehen.

Betriebsarzt impft bei IGZ

Ebenfalls sind die Impfungen in den Betrieben gestartet. Am Dienstag war der erste von drei Terminen in der Firma IGZ in Falkenberg über den Betriebsarzt Dr. Stefan Erhart, der von einem Team unterstützt wurde. Geimpft wird mit "Biontech" und "Johnson und Johnson". Nach Angaben von Geschäftsführer Christian Mattes wurden die rund 500 Mitarbeiter zuvor befragt, ob sie das Angebot wahrnehmen möchten. Dabei stellte sich heraus, dass 40 Prozent schon geimpft sind. Von den restlichen 60 Prozent zeigten wiederum 40 Prozent Interesse, sich eine Spritze geben zu lassen. Der nächste Termin stehe Anfang Juli an, der dritte Termin müsse noch abgestimmt werden, damit alle, die möchten, eine Impfung erhalten.

Bei den Hausärzten ist die Situation bislang noch angespannt. Das bestätigt auch die Impfbeauftragte Claudia Friedrich von der Gemeinschaftspraxis im Ärztehaus in Kemnath. "Wir könnten die Leute schnell impfen, aber der Impfstoff fehlt. Das ist traurig." 841 Personen wurden durch die Hausarztpraxis schon geimpft. "Die Nachfrage ist immens, weshalb wir noch immer eine lange Warteliste haben", berichtet auch Dr. Stephanie Mackensen. Auf der Liste stünden hauptsächlich Patienten, die jünger als 70 Jahre sind. Claudia Friedrich erklärt weiter: "Wir haben 980 Patienten, die nicht geimpft sind (Stand: 11. Juni)." Laut Dr. Mackensen waren es vor den Pfingstferien 1000 Namen auf der Liste. Am Tag würden zwischen 75 bis 100 Anfragen auf die Praxis einprasseln.

Arbeitsaufwand immens

Der Arbeitsaufwand, der mit der Corona-Impfung einhergehe, sei groß. "Eine medizinische Fachangestellte ist in Vollzeit ausgelastet." Zu den Aufgaben gehöre die Aktualisierung der Anmeldeliste und die Bestellung an die Apotheke müsse termingerecht erfolgen. Sobald klar ist, wie viel Impfstoff der Praxis zugeteilt wird, müsse ein Terminplan erstellt werden. "Die Patienten werden einzeln angerufen und in den Terminplan verteilt", weiß Mackensen. Gleichzeitig müssten aber wiederum die Termine für die Zweitimpfungen vergeben werden. Am Impftag selbst werden der Imfpstoff entnommen, die Spritzen aufgezogen und exakt kontrolliert. Das alles sei deutlich aufwendiger, als bei herkömmlichen Impfungen.

In der Praxis arbeiten drei Ärzte vor Ort. Sie planen pro Stunde 18 Impfungen ein. In der Woche werden 70 bis 100 Personen geimpft. "Je nachdem, was wir an Impfstoff geliefert bekommen", erklärt die Ärztin. Geimpft wird mit "Biontech", "Astrazeneca" sowie "Johnson und Johnson". "Der größte Zeitaufwand für uns Ärzte sind die zahllosen Gespräche mit verunsicherten Patienten", so Mackensen. Gerade die Impfung mit Astrazeneca und Kreuzimpfungen mit dem Vakzin verursache viel Verunsicherung. "Aber auch der Informationsbedarf ist immens, da es sich teilweise um völlig neue Impfstoffe handelt."

In der Praxis wird die Impfsprechstunde außerhalb der regulären Sprechzeiten durchgeführt, ist also für Ärzte und medizinische Fachangestellte zusätzliche Arbeitszeit. "Wir nehmen den Aufwand gerne in Kauf, da die Impfung essenziell ist, um die Pandemie bekämpfen zu können." Vor diesem Hintergrund sei es aber umso ärgerlicher, wenn ohne Rücksicht kurzfristig Impfstoffe storniert werden und Termine von Patienten wieder gestrichen werden müssten.

Die Menschen buchen wieder ihren Urlaub bei den Reisbüros im Landkreis Tirschenreuth

Tirschenreuth
Hintergrund:

Aktuelle Impfzahlen im Landkreis Tirschenreuth

  • Impfungen gesamt: 54.766
  • Erstimpfungen (Impfzentrum): 25.504
  • Zweitimpfungen (Impfzentrum): 18.646
  • Erstimpfungen (Hausärzte): 7295
  • Zweitimpfungen: (Hausärzte): 3321
  • Impfquote (Erstimpfungen): 45,68 Prozent
  • Impfquote (Zweitimpfungen): 30,59 Prozent (Stand: 15. Juni)

 

 

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