17.02.2021 - 12:38 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Zum Corona-Test andere Personen vorgeschickt?

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Haben sich Personen im Corona-Testzentrum in Tirschenreuth für andere Personen testen lassen? Das Rote Kreuz kann dies nach Anfrage von Oberpfalz-Medien nicht ausschließen und reagiert umgehend.

Möglicherweise haben sich Personen im Corona-Testzentrum in Tirschenreuth für andere Personen testen lassen.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Von Holger Stiegler und Michaela Kraus

Kam es im Corona-Testzentrum in Tirschenreuth zu Unregelmäßigkeiten? Beobachtungen von zwei Landkreisbürgerinnen lassen dies vermuten. A.S. (Name der Redaktion bekannt), eine Krankenschwester aus dem westlichen Teil des Landkreises, hat sich an Oberpfalz-Medien gewandt. Nach zwei Besuchen in den vergangenen drei Wochen im Corona-Testzentrum Tirschenreuth spricht sie von einem "fahrlässigen" Prozedere. Leute hätten sich nach dem Testen gleich wieder in die Schlange eingereiht – offenbar, um auf den Namen von weiteren Personen, die gar nicht anwesend waren, einen Abstrich abzugeben und so einen falschen Negativ-Test zu erhalten.

„Das erste Mal war ich nach dem Urlaub Anfang September mit meiner ganzen Familie dort beim Testen“, berichtet die Krankenschwester. Damals wollte man den QR-Code, den Personalausweis und sogar den Kinderausweis sehen, erinnert sie sich. Am letzten Januarwochenende war sie erneut dort: Zwar mache sie in der Arbeit täglich einen Schnelltest, zur Sicherheit habe sie sich aber auch dafür entschieden, einen PCR-Test zu machen. Die Situation sei nun völlig anders gewesen.

Bekannte mit gleicher Beobachtung

„Man benötigte nur den QR-Code der Registrierung, niemand wollte einen Personalausweis sehen oder ein sonstiges Dokument“, berichtet sie. Dies an sich schon ungewöhnliche Vorgehen sei allerdings noch „getoppt“ worden: „Zwei Personen – augenscheinlich Arbeitnehmer aus Tschechien – kamen aus der Teststation heraus und stellten sich in der Reihe erneut zum Test an“, sagt die Krankenschwester. Im ersten Moment habe sie gar nicht „geschnallt“, was hier gerade passiere. „Aber logisch, wenn niemand den Ausweis sehen will, man den QR-Code hat und man sich dann auch noch aussuchen kann, ob man den Test im Zelt oder im Gebäude machen lässt, dann geht so manches, was es nicht geben darf“, so die Krankenschwester.

Völlig aufgebracht habe sie die Geschichte einer Bekannten erzählt, die als Altenpflegerin arbeitet und ebenfalls zum Testen in Tirschenreuth gewesen sei: „Und die hat mir bestätigt, dass es bei ihr genauso lief – ebenfalls keine Ausweiskontrolle und auch das mehrfache Reihe-Anstellen von anderen Personen.“

"Gezielt aufgepasst"

Vor einigen Tagen war A.S. nun erneut zum vorsorglichen PCR-Test in Tirschenreuth. Dieses Mal habe sie gezielt aufgepasst, ob es erneut ohne Ausweiskontrolle ablaufe und ob andere wieder „Mehrfach-Testungen“ vornehmen. „Es war dasselbe Spiel wieder“, so die Krankenschwester. Aus ihrer Sicht sollte man das Prozedere der Testung hinterfragen. „In meinen Augen ist das, was ich in Tirschenreuth erlebt habe, extrem fahrlässig“, so A.S.

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien äußert sich das Rote Kreuz, der Betreiber der beiden Corona-Teststationen in Tirschenreuth und Waldsassen, zu den Vorgängen. Pressesprecher Sven Lehner und Kreisgeschäftsführer Holger Schedl beantworteten die Fragen:

Ist jeder QR-Code einmalig vergeben und an eine Person gebunden?

"Jeder QR-Code gehört zu einer separaten Anmeldung, ist damit an eine Person gebunden und kann nur einmal verwendet werden. Lediglich bei einem nicht auswertbaren Schnelltest kann die Registrierung zurückgesetzt werden und damit der QR-Code nochmals verwendet werden."

Gibt es eine Ausweisvorlagenpflicht oder andere Vorgaben, um die jeweilige Testperson zu identifizieren?

"Nein. Im Herbst haben wir uns allerdings tatsächlich noch von jeder Person den Ausweis vorlegen lassen und gegebenenfalls den Arbeitgeber kontrolliert. Inzwischen wird bei der Registrierung nur der Name und die Adresse zum Abgleich abgefragt. Sollte dabei etwas auffällig sein, lassen wir uns den Ausweis vorlegen."

Wie geht das BRK in seinen Testzentren konkret vor, hat sich das mit erhöhtem Testaufkommen geändert ?

"Das Vorgehen bei der Registrierung im Testzentrum ist wie bei vorstehender Frage bereits beschrieben. Um mit dem steigenden Testaufkommen möglichst längere Warteschlangen zu vermeiden, wurde von der Ausweisvorlage auf die Plausibilitätsabfrage umgestellt."

Wie beurteilt das BRK die Missbrauchsmöglichkeiten?

"Die beschriebene ‚Missbrauchsmöglichkeit‘ können wir grundsätzlich nicht ausschließen. Wenn bei einer normalen Frequenz der Testzentren jedoch in kurzer Zeit eine Person mehrfach zum Test erscheint, wäre dies unseren Mitarbeiter*innen höchstwahrscheinlich aufgefallen und hätte zu Nachfragen geführt. Bekannt ist uns ein solcher Fall nicht. Gleichmaßen können wir aber nicht ausschließen, dass gerade an hochfrequentierten Tagen, wenn mehrere Hundert Menschen pro Zentrum registriert und getestet werden, jemand mehrfach unter verschiedenen Namen durchlaufen kann, solange er seine Daten unauffällig nennen kann."

Werden Maßnahmen dagegen erwogen?

"Um die Missbrauchsmöglichkeit möglichst ausschließen zu können, werden wir uns ab morgen (Anmerkungen der Redaktion: Mittwoch, 17. Februar) vorerst wieder den Ausweis bei der Registrierung vorlegen lassen. Eine Anweisung an unsere Mitarbeiter*innen in beiden Testzentren ist bereits erfolgt. Dies kann leider zu gegebenenfalls längeren Wartezeiten führen."

Weitere regionale Corona-Meldungen im Newsblog

Oberpfalz

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.