06.04.2021 - 17:49 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Corona-Impfungen beim Hausarzt: So läuft es im Kreis Tirschenreuth

Das flächendeckende Impfen in Hausarztpraxen soll den Durchbruch für die Impfkampagne bringen. Im Landkreis Tirschenreuth macht eine große Mehrheit der 46 Ärzte und Ärztinnen mit. Aber noch ist der Impfstoff knapp.

In dieser Woche starteten die Hausarztpraxen mit den Corona-Impfungen. Im Landkreis Tirschenreuth sind fast alle der 46 Praxen dabei.
von Armin Eger Kontakt Profil

Nach dem schleppenden Start der Corona-Impfungen in den vergangenen drei Monaten hat die zweite Stufe der Impfkampagne in Deutschland begonnen. In dieser Woche legen bundesweit 35 000 Hausärzte mit den Impfungen los, nachdem der Wirkstoff bisher nur in den 430 Impfzentren verabreicht wurde.

Allerdings erhalten zunächst alle Praxen zusammen lediglich 940 000 Impfdosen. Rein rechnerisch sind das 26 Dosen pro Praxis. In der Woche vom 26. April gibt es einen kräftigen Schub. Die Praxen können mit mehr als drei Millionen Dosen rechnen. Das wären erstmals mehr als für die Impfzentren.

18 bis 48 Dosen pro Woche

"Ich habe eine Umfrage gemacht, wie viele der Hausärzte im Landkreis mitmachen", sagt Dr. Peter Deinlein aus Kemnath. Er ist zugleich stellvertretender Bezirksvorsitzender im bayerischen Hausärzteverband. "Die große Mehrheit der 46 im Landkreis hausärztlich tätigen Kolleginnen und Kollegen ist dabei." Derzeit gebe es pro Arzt 18 bis 48 Impfdosen pro Woche. Jeden Dienstag müssen die Praxen den Impfstoff in den Apotheken vor Ort bestellen, genau eine Woche später wird die Garantiemenge ausgeliefert. Nach Verfügbarkeit auch mehr, schätzt der Mediziner, denn es gibt große Gemeinschaftspraxen, die bereit wären, wesentlich mehr zu verimpfen. Der erste Eindruck von Dr. Deinlein über die Logistik von Bestellung bis zur Auslieferung durch die Apotheken ist sehr positiv: "Das funktioniert wirklich gut."

Vorerst nur Biontech

Welchen Impfstoff es gibt, ist von der Verfügbarkeit abhängig. "In dieser Woche haben wir Biontech bekommen", erklärt der Mediziner. In den ersten beiden Aprilwochen soll sowieso nur der Impfstoff von Biontech/Pfizer eingesetzt werden, bestätigte kürzlich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Ab der Woche vom 19. April soll zusätzlich Astrazeneca an die Praxen gehen, danach das Vakzin von Johnson & Johnson.

"Bei uns können sich die Patienten, die geimpft werden wollen, anmelden. Aber es ist nicht zwingend so, dass jemand, der sich zuerst meldet, auch zuerst drankommt", sagt Deinlein. Für die Hausarztpraxen gilt ebenfalls die Corona-Impfverordnung. Inzwischen haben schon Personen aus der Prioritätsgruppe 3, das heißt 60 bis 70-Jährige, die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, erklärt der Kemnather Arzt, in dessen Gemeinschaftspraxis trotz Urlaubs am Mittwoch und Donnerstag 50 Leute geimpft werden.

Vorteile bei den Hausärzten

Für den Patienten fallen bei einer Impfung keine Kosten an. Inklusive Aufklärung und Beratung ist eine Vergütung von 20 Euro für den Arzt vorgesehen. Diese Kosten können die Praxen jedoch sowohl bei gesetzlich wie bei privat Versicherten über die Kassenärztlichen Vereinigungen abrechnen. Für die Kosten will der Bund aufkommen.

Die Vorteile von Impfungen in den Hausarztpraxen beschreibt Dr. Deinlein so: "Viele organisatorische Schritte können dadurch entfallen. Es ist weder Security noch eine Ausweiskontrolle notwendig, ein Impf-Attest entfällt ebenfalls. Die Daten sind ja alle vorhanden, da es sich meist um langjährig bekannte Personen handelt." Vor allem bei gehbehinderten und immobilen Patienten sei die Impfung im Rahmen eines Routinehausbesuchs vorteilhaft und für den Patienten und dessen Angehörige eine Erleichterung. Optimal sei auch, dass derselbe Arzt, der für die Impfung aufgeklärt hat, auch für die Betreuung bei ausgeprägten Impfreaktionen und die Abklärung von potenziellen Nebenwirkungen danach zuständig ist. "Aufgrund der Kenntnis über die Gesundheitsrisiken, das private und berufliche Umfeld ist es möglich, dem Patienten eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung der Impfung zu ermöglichen. Die Nachbeobachtungszeit kann zusätzlich genutzt werden, um verschiedene andere Beratungsanlässe, wie die Durchsicht des Impfausweises zur Planung weiterer notwendiger Impfungen oder die Durchsicht der aktuellen Medikation genutzt werden", erläutert Deinlein.

„Die große Mehrheit der 46 im Landkreis hausärztlich tätigen Kolleginnen und Kollegen ist dabei.“

Dr. Peter Deinlein

Dr. Peter Deinlein

Eine intensive Beratung sei vor allem nötig, wenn es um den Impfstoff von Astrazeneca gehe. "Vor 14 Tagen gab es hierzu einen enormen telefonischen Beratungsbedarf, da die Patienten vor ihrem Termin im Impfzentrum noch einmal die Meinung des Arztes ihres Vertrauens wissen wollten. Hierbei gab es keine pauschalen Antworten, sondern meine persönliche Einschätzung, die teilweise recht unterschiedlich ausfiel", so der Mediziner. Wenn sich ein Patient nach einer ausführlichen Aufklärung gegen die Impfung entscheidet, dann sei dies in dieser Situation gut und richtig. Außerdem ermögliche es einem Anderen, früher geimpft zu werden.

"Am vergangenen Donnerstag haben wir erstmalig in unserer Praxis den Impfstoff von Astrazeneca angewendet und die infrage kommenden Personen sorgsam ausgewählt. Somit hatte ich ein gutes Bauchgefühl und die Patienten waren froh, endlich geschützt zu sein", sagt Deinlein.

Er schätzt, dass bis zum Sommer genügend Impfstoff zur Verfügung steht, so dass alle Impfwilligen geimpft werden können. "Es ist ein machbares Ziel", blickt der Kemnather Mediziner optimistisch voraus.

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Kemnath

 

 

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