22.10.2020 - 13:49 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Vom Bockl- zum Vizinalbahn-Radweg

Einen Vorteil hat der weitgehende Rückzug der Bahn aus der Region: Auf manchen Trassen sind gut befahrbare Radwege entstanden. Nun sollen zwei beliebte Strecken enger verbunden werden.

Der Vizinalbahnradweg von Wiesau über Tirschenreuth (im Bild die Himmelsleiter) bis Bärnau soll bald eine Verknüpfung zum Bocklradweg im Landkreis Neustadt erhalten.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Der Vizinalbahnradweg und der Bocklradweg werden von Einheimischen wie Touristen gerne genutzt. Der eine führt von Wiesau nach Bärnau, der andere von Neustadt/WN bis Eslarn. Eine Verbindung zwischen den beiden Routen plant jetzt die Ikom Stiftland.

"Wir haben eine schöne Trasse gefunden", verkündete Wolfgang Kaiser in der Sitzung des Ausschusses für Demografie, ländlicher Raum, Landkreisentwicklung und Digitales. Der Geschäftsführer des Zweckverbandes Ikom, in dem seit 2015 zehn Kommunen zusammengeschlossen sind, sprach von einem "tollen Projekt". Der geplante Lückenschluss zwischen den beiden Radwegen führe weitgehend durch Waldgebiet.

Landkreise arbeiten zusammen

Weitere Details zum Verlauf wollte Kaiser noch nicht nennen. Er hob jedoch die gute Kooperation zwischen den Landkreisen Tirschenreuth und Neustadt sowie der Einbindung des Fördervereins Simultankirchen hervor, der bereits ein Radwegenetz zwischen vielen Gotteshäusern in der Oberpfalz ausgeschildert hat: "So stelle ich mir interkommunale Zusammenarbeit vor."

Öko-Rinder und Stiftland-Strom

Bei der Darstellung der Ikom-Aktivitäten verwies der Geschäftsführer unter anderem auf das abgeschlossene Beschilderungskonzept in den Mitgliedsgemeinden, die Ausweisung von Themenwanderwegen und die Einrichtung der Museumsfachstelle. An Zukunftsthemen nannte er die gemeinsame Klärschlammverwertung und das Management von Kompensationsflächen sowie die dezentrale Stromversorgung: "Wie könnte man Stiftland-Strom anbieten?"

In ein paar Jahren gebe es in ganz Bayern interkommunale Zusammenarbeit, prophezeite Kaiser. "Nur wenn wir uns bündeln, haben wir Chancen." Das unterstrich auch Martin Schmid. Er ist Geschäftsführer der Steinwald-Allianz, des zweiten und bereits seit 2004 aktiven Zweckverbands im Landkreis Tirschenreuth. 17 Gemeinden mit rund 42.000 Einwohnern sind dort Mitglied.

Steinwald und Stiftland verstärken die Zusammenarbeit

Falkenberg

Besonders stolz ist man im Steinwald auf die frühzeitige ökologische Ausrichtung in der Modellregion. "Dazu gehört die komplette Kette vom Anbau bis zur Vermarktung", betonte Schmid. Inzwischen gehörten 63 Bio-Betriebe dem streng zertifizierten Netzwerk an. Als Vorzeigebeispiele nannte der Sprecher den Anbau von Bio-Mohn und die Erzeugergemeinschaft Öko-Rinder aus dem Steinwald. "Demnächst gibt es auch Bio-Kaffee aus dem Steinwald", kündigte Schmid an.

Ein touristische Beschilderung hat die Ikom im Stiftland verwirklicht

Bad Neualbenreuth

In touristischer Hinsicht habe die Allianz schon viel bewegt, merkte der Geschäftsführer an. Am gefragtesten auf der Homepage seien die Top-Sehenswürdigkeiten und das Tourenportal sowie die Bestellung von Radwegekarten. Der Naturpark Steinwald sei auch in den sozialen Medien sehr verbreitet: "Wir haben mehr Follower als die Naturparke Altmühltal und Fichtelgebirge."

Hintergrund:

Insgesamt 75 Kilometer Radvergnügen

Rund 25 Kilometer lang ist der Vizinalbahnradweg, 50 Kilometer der Bocklradweg. Beide verlaufen ohne größere Steigungen durch die nördliche Oberpfalz.

  • Vizinalbahnen erschlossen als den Hauptstrecken untergeordnete Bahnen einst den ländlichen Raum in Bayern. Die 1872 eröffnete, 11 Kilometer lange Strecke von Wiesau nach Tirschenreuth war die erste dieser Art in Ostbayern. 1903 folgte der Ausbau um 13 Kilometer bis Bärnau.
  • Eingestellt wurde der Personenverkehr zwischen Tirschenreuth und Bärnau schon 1975, zwischen Wiesau und Tirschenreuth dann 1989.
  • Die Pläne für einen Radweg auf der Vizinalbahntrasse wurden ab 2006 verwirklicht. 2008 war die Strecke von Wiesau bis Liebenstein fertig, 2011 folgte der Lückenschluss bis zur Grenze bei Bärnau.
  • Die 25 Kilometer lange Strecke für Radler ist größtenteils asphaltiert, lediglich im Naturschutzgebiet Waldnaabaue und zwischen Tirschenreuth und Bärnau sind einige Kilometer mit einer wassergebundenen Oberfläche versehen.
  • Seinen Namen verdankt der Bocklradweg dem Volksmund, der die Eisenbahn liebevoll "Eslarner Bockl" nannte.
  • Die Verbindung zwischen Neustadt/WN und Eslarn war einst die längste Lokalbahn Bayerns. 1886 wurde der erste Abschnitt bis Vohenstrauß eröffnet, 1908 war der Endpunkt Eslarn angeschlossen.
  • Zugverkehr auf der gesamten Strecke gab es bis 1975, danach war in Floß Endstation. 1992 endete die Geschichte der Lokalbahn endgültig.
  • Die Idee für einen Radweg wurde bis 2000 zunächst zwischen Vohenstrauß und Eslarn verwirklicht. Das Stück von Neustadt bis Floß folgte 2003, die Lücke bis Albersrieth schloss sich 2005.

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