23.04.2021 - 12:23 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Baustoff Holz heiß begehrt: Preise explodieren und teilweise lange Lieferzeiten

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Die Preise für Möbel- und Bauholz steigen und steigen. Es gibt lange Lieferzeiten und Verzögerungen bei vielen Holzprodukten, manches ist momentan gar nicht lieferbar. Woran liegt es? Ein Blick in den Landkreis Tirschenreuth.

Wer ein Haus baut, muss in diesem Jahr mit deutlichen Preissteigerungen rechnen. Der Holzpreis hat kräftig angezogen und es kommt auch im Landkreis Tirschenreuth bereits schon zu Lieferengpässen.
von Armin Eger Kontakt Profil

Wer Holz braucht für einen Dachstuhl, ein Gartenhaus oder einen Carport merkt schnell, dass es nicht einfach ist, auf die Schnelle etwas zu bekommen. Wenn, dann gibt es kräftige Preisaufschläge. Alle Baumaterialien, Holz-Möbel oder komplette Fertighäuser steigen ebenfalls im Preis. "Innerhalb von drei Monaten sind die Häuser um 15 Prozent teuerer geworden", sagt Katja Scharnagl von der Zimmerei Scharnagl aus Großkonreuth. Das Hauptgeschäft der Firma sind Holzhäuser.

Allein seit Februar sei der Preis für Konstruktionsvollholz enorm gestiegen. Auch alle anderen Baumaterialien wie Beton, Stahl oder Dämmmaterial legten preislich kräftig zu. "Wir sind ständig am kämpfen, damit wir genügend Holz bekommen", sagt Katja Scharnagl. Momentan sei das Unternehmen jedoch noch gut eingedeckt.

"Unsere Auftragsbücher sind voll und die Nachfrage an Holzhäusern ist trotz Corona weiter steigend," bestätigt die Bauzeichnerin. Derzeit belaufe sich die Wartezeit bei einem Holzhaus der Firma Scharnagl auf eineinhalb Jahre.

Ökologisch wenig Sinn

Die Lieferanten würden ständig irgendwelche Erklärungsversuche abgeben, warum sie nicht liefern könnten. Für Scharnagl ist aber klar: "Es ist vor allem der Holzexport in die USA, die zahlen doppelt so viel und die großen Sägewerke liefern natürlich gerne dorthin." Aber das mache ökologisch keinen Sinn, wenn deutsches Holz durch die gesamt Welt transportiert werde und man dann wieder aus anderen Teilen der Welt Holz importieren müsse. Die Holzknappheit ist für Chef Jürgen Scharnagl ein Problem: "Wir müssen schauen, dass wir die Preise halten, die wir mit den Kunden ausgemacht haben." Er bedauert, dass die Waldbauern von den Preissteigerungen nicht profitieren.

Alles aus der Region

Das Ziel für den Unternehmer ist, auf Regionalität zu setzen. Bisher sei es nicht möglich gewesen, dass die kleinen Sägewerke Konstruktionsvollholz herstellen. "Aber wir probieren das jetzt mit unserem Sägewerk im Dorf", sagt Scharnagl optimistisch. Holz aus der Gegend, Verarbeitung vor Ort und die Häuser in einem Umkreis von 50 Kilometern aufzustellen - das sorge für eine gute Ökobilanz.

Dass der Lieferengpass auch zu Verzögerungen beim Hausbau führen werde, davor warnt Alexander Kirst vom Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks kürzlich in einem Interview von BR24. Je höher der Holzanteil, desto größer sei die Gefahr. Ein weiteres Problem, so Kirst, sei der steigende Preis für industriell verarbeitetes Holz. So hätten Handwerker vor einem Jahr etwa 250 Euro für einen Kubikmeter Konstruktionsvollholz bezahlt, jetzt liege der Preis bei etwa 450 Euro. Allein im vergangenen Monat sei der Preis um 30 Prozent angestiegen.

"So etwas wie momentan kenne ich nicht, obwohl ich seit 1990 im Job bin", sagt Helmut Weiß, von der Schreinerei Weiß in Mitterteich. Die Problematik "ist nicht lieferbar" hätte bereits im November/Dezember begonnen. "Ich kaufe alles was ich brauche inzwischen palettenweise und in Vorleistung", sagt Weiß, dessen Schreinerei in der Woche zwei bis drei Küchen baut. "Nach den Preisen frage ich gar nicht mehr, Hauptsache ich bekomme Material." Wie er die Preissteigerung von derzeit 15 Prozent umlegen will, wisse er noch nicht. Nachverhandlungen mit dem Lieferanten, und mit dem Kunden dann halbe-halbe machen, sei eine Möglichkeit.

Es fehlt an Klebstoff

Spannplatten, die er für die Möbelschreinerei brauche, beziehe er hauptsächlich aus Österreich. "Die haben aber eine 60 Prozent höhere Auftragslage und es fehlt an einem bestimmten Klebestoff. Die kommen da momentan nicht ran, weil der in Asien hergestellt wird. Derzeit was zu bekommen, ist schwierig und oft nur möglich durch langjährige Geschäftsbeziehungen."

An Aufträgen mangelt es der Schreinerei nicht. "Es sind genügend Aufträge da, wir können arbeiten bis zum Umfallen", sagt Helmut Weiß, der 18 Leute beschäftigt. Die drastische Preissteigerung nicht nur bei Holzartikeln, sondern auch bei den Elektrogeräten, die er in den Küchen verbaut, alleine auf Corona zu schieben, akzeptiere er nicht. "Das wird oft nur dafür missbraucht."

Von Lieferengpässen weiß auch Frank Sperling, Leiter des Sägewerks Friedenfels. Es liege vor allem an der Großindustrie, die viel Holz zu hohen Preisen ins Ausland schicken, weiß auch er. Habe das Sägewerk sonst Holz für etwa acht Häuser in der Woche geschnitten und geliefert, so seien das momentan nur zwei bis drei.

Auch die Preissteigerung beim Rundholz von etwa 30 bis 35 Prozent müsse das Sägewerk weitergeben. "Und es ist noch Luft nach oben", befürchtet Sperling. "Das ist alles verrückt und einmalig. In den 30 Jahren in denen ich im Geschäft bin, habe ich so etwas noch nicht erlebt." Aber so wie der Holzpreis vor Jahren schon einmal abgestürzt ist, kann es nach dem derzeitigen Hoch auch wieder in die andere Richtung gehen. Wer jetzt bei ihm bestelle, müsse sich auf eine Lieferzeit bis September/Oktober einstellen.

„Viel Holz wird in die USA geliefert, weil die unglaubliche Preise zahlen.“

Norbert Zintl, Forstbetriebsleiter der bayerischen Staatsforsten in Waldsassen

Norbert Zintl, Forstbetriebsleiter der bayerischen Staatsforsten in Waldsassen

"An der Kapazitätsgrenze"

Trotz Pandemie: Alles unverändert meldet das Sägewerk der Ziegler-Group auf der Betzenmühle. So ist geplant, auch in diesem Jahr - so wie schon 2020 - 2,2 Millionen Festmeter Holz zu verarbeiten. Ziegler ist mit sechs Säge- und Hobellinien der größte Einzelstandort in Europa. "Wir produzieren an der Kapazitätsgrenze. Eine Steigerung wäre lediglich um fünf Prozent möglich, was aber wegen der Auslastung der Maschinen keinen Sinn machen würde", sagt Pressesprecher René Oertel. "Wir kaufen immer was zu, um die Produktion zu halten."

Das Holz komme fast ausschließlich aus einem Umkreis von 150 Kilometern, also aus der Oberpfalz, aus Oberfranken und aus Tschechien. Es sei genügend da. "Wir haben hier den größten Holzvorrat in Mitteleuropa. Es wächst mehr nach, als wir wegsägen können."

Auch Oertel bestätigt, dass die Preise nach dem Tief wieder kräftig anziehen. "Der Marktpreis wird stark von der Pandemie beeinflusst." Die Gründe, warum Holz knapp wird, habe vielerlei Gründe, so Oertel. Sicher spiele auch der Export eine Rolle, der bei Ziegler 65 Prozent betrage.

OSB-Platten-Markt leer gefegt

Aber der Pressesprecher unterstreicht: "Wir liefern nicht in die USA, sondern nach Nordafrika, in den Nahen Osten, nach Japan, China und nach Australien. Am USA-Geschäft habe Ziegler kein Interesse: "Die zahlen momentan zwar jeden Preis, weil es dort einen Bauboom gibt. Aber das kann schnell wieder vorbei sein. Man muss langfristig denken und wir arbeiten nur mit unseren langjährigen Kunden zusammen."

Oertel weiß, dass es zu Engpässen im Bauhandwerk und bei Möbelschreinereien kommt. "Der OSB-Platten-Markt ist leer gefegt. Der Preis ist um das neun- bis zehnfache gestiegen. Die Firmen haben keinen Leim mehr, da der wieder ein Nebenprodukt von Kerosin ist und das wird momentan wenig hergestellt."

Holzmarkt ein komplexes Thema

Als ein komplexes Thema bezeichnet der Leiter der bayerischen Staatsforsten in Waldsassen, Norbert Zintl, den Holzmarkt. Für ihn sind verschiedene Gründe für die derzeitige Situation verantwortlich: "Nachdem wir durch Schadholz voriges Jahr große Mengen hatten, ist heuer weniger da, da es nicht so viel Käferholz gibt. Auch wird viel Holz in die USA geliefert, weil die unglaubliche Preise zahlen." Zudem sei die enorme Bautätigkeit aufgrund der attraktiven Zinsen dafür verantwortlich, dass Holz oft knapp sei.

Vor einigen Jahren lag der Holzpreis pro Festmeter Fichte ab Forststraße bei 105 Euro. Durch die enormen Borkenkäfer-Schäden stürzte der Preis auf 20 bis 25 Euro ab. "Die Sägewerke haben billig gekauft und große Gewinne gemacht", weiß der Forstbetriebsleiter. Aber der Holzpreis steige und bewege sich wieder in Richtung dreistellig.

Der Borkenkäfer sorgte voriges Jahr für viel Schadholz

Tirschenreuth
Holz ist derzeit enorm gefragt, allerdings offenbar auch in den USA. So gehen große Mengen in den Export und verknappen hier den Rohstoff.

 

 

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