27.05.2020 - 17:15 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Bäder bereiten Bauchschmerzen

Die Kommunen beraten weiterhin über eine Öffnung der Freibäder. Gern tun sie das nicht. Eine Freigabe der beliebten Freizeitanlagen bereitet den Bürgermeistern große Bauchschmerzen.

Bisher ist auf der Kipp bei den Waldseen in Wiesau lediglich ins Wasser springen vom Steg aus verboten, aus nicht von Corona abhängigen, normalen Sicherheitsgründen. Schwimmen sei weiterhin erlaubt, sagt Bürgemeister Toni Dutz. Einen normalen Badebetrieb mit geöffnetem Kiosk und Nutzung der Liegewiese stimmt er vorerst nicht zu. Er wolle den Kollegendamit nicht in den Rücken fallen damit, sagt Dutz.
von Ulla Britta BaumerProfil

Der Schwarze Peter bei der Eröffnung der Freibäder liegt nun bei den Städten und Gemeinden. Ministerpräsident Markus Söder hat im Zuge der Lockerungen ab 8. Juni grünes Licht für die Freibäder im Freistaat gegeben. Beifallsstürme erntet er dafür von den Bürgermeistern im Landkreis Tirschenreuth nicht. Sie klagen vielmehr über unzumutbare, teils unsinnige Auflagen. Einig sind sich nahezu alle Bürgermeister in einem Punkt: Wird geöffnet, sollte das gleichzeitig geschehen. Sonst könnte der Ansturm auf einige wenige geöffnete Anlagen gewaltig sein.

Franz Stahl nicht begeistert

Der Tirschenreuther Bürgermeister Franz Stahl ist alles andere als begeistert von der Möglichkeit, das Bad zu öffnen. Ihm geht die Lockerung der Einschränkungen, die viel Positives bewirkt hätten, viel zu schnell. "Die Kommunen werden mit den Auflagen im Regen stehen gelassen", wettert der Bürgermeister der Kreisstadt. Stahl hätte sich von Söder eine vorherige Absprache mit den Kommunen gewünscht. "Wir vor Ort wissen, was auf uns zukommt und ob das überhaupt machbar ist." Was da auf die Gemeinden zu rolle, sei teils undurchführbar.

Im Tirschenreuther Freibad ist die Hygiene die größte Hürde

Tirschenreuth

Stahl nennt hier eingeschränkte Besucherzahlen, zusätzliche Hygienemaßnahmen, unter anderem in Duschen und Toiletten, Kontrollen, Abstandsregelungen und eine eventuelle Voranmeldungen der Badegäste. Um all dies zu gewährleisten, müsse er am Ende einen Sicherheitsdienst engagieren. "Was mache ich, wenn 150 rein dürfen, aber 1000 vor der Tür stehen?", fragt Stahl. Einzig dem Mundschutz kann Stahl Humor abgewinnen. Das ergebe in der Sonne zweifarbige Gesichtsbräunungen - unten hell, oben dunkel - scherzt er. Es klingt nach Galgenhumor, dem Bürgermeister ist nicht zum Lachen zumute. "Schwimmbad-Feeling wie zu normalen Zeiten wird es nicht geben", lässt er falsche Hoffnungen gar nicht erst aufkeimen. Höchstens geregelten Schwimmbetrieb kann sich Stahl vorstellen. Dabei seien unvermeidliche Zusatzkosten sekundär. Eine Freibadöffnung zum jetzigen Zeitpunkt ist ihm schlichtweg zu früh. "Wir könnten Ende Juni aufsperren", sinniert Stahl. Jedoch habe er ganz große Bauchschmerzen, auch wegen der Verantwortung. "Die Gesundheit unserer Bürger ist vorrangig." Stahl strebt eine gemeinsame Landkreislösung an. Nur eine Ausnahme gibt es in Tirschenreuth, für den Schwimmclub. Dem Verein werde eine Trainingsnutzung erlaubt, erklärt Stahl. "Am Donnerstag wird das Freibad-Thema erneut im Stadtrat diskutiert", kündigt Stahl an.

Dreieinhalb Monate täglich zehn Stunden im Mitterteicher Freibad

Mitterteich

Auch in Friedenfels beraten die Entscheidungsträger am Donnerstag über das Freibad-Thema. Lisa Rauh, Vorsitzende des Fördervereins Schwimmbad, würde eine Öffnung begrüßen. Sie denkt, die Sicherheitsvorkehrungen seien durchaus machbar. "Die Leute haben sich an die Regeln gewöhnt", meint sie. Entscheidend seien letztlich aber die Einschätzungen des Bürgermeisters, des Bademeisters und des Gemeinderats. "Ich hoffe, dass die positiv ausfallen", wünscht sich Lisa Rauh. Sie hat dabei auch die Kinder und Jugendlichen im Blick, die bald Ferien haben. Auch sie plädiert auf eine enge Absprache unter den Freibad-Kommunen. "Damit kein einzelner überrannt wird."

Stadtrat soll entscheiden

Anfang Juni steht das Thema Freibad auf der Agenda des Stadtrats von Erbendorf. "Wir können sofort öffnen, alles ist vorbereitet", erklärt Johannes Reger. Der neue Erbendorfer Bürgermeister will diese Entscheidung dem gesamten Stadtrat überlassen. Begeistert ist er allerdings nicht von der Möglichkeit zu öffnen. Mitterteich schiebt das Thema ebenfalls auf die lange Bank. Man werde nichts ohne Absprache mit den Nachbarn Waldsassen und Tirschenreuth entscheiden, lässt der neue Bürgermeister Stefan Grillmeier wissen. Seine Überlegungen drehen sich um Folgekosten, Sicherheitsvorkehrungen und das Personal.

Vergangene Saison hatte Erbendorf einen Bademeister aus Ägypten

Erbendorf

Noch viele Fragen offen

Der Waldsassener Bürgermeister Bernd Sommer möchte das Bad auf jeden Fall öffnen. "Wir bemühen uns", verspricht er. Er hat sich bereits mit Kollegen ausgetauscht, wie das zu bewerkstelligen sei. Aber derzeit seien einfach noch zu viele Fragen offen. "Wir warten jetzt sehnsüchtig auf genaue Regelungen", sagt er. Für die Vorbereitungen und die Umsetzung der Vorgaben sei auf jeden Fall ein gewisser Vorlauf notwendig. Sommer hofft, dass die Bürger dies den Kommunen zugestehen und nicht gleich am ersten Tag wettern, warum nicht offen sei. Wichtig sei auch zu wissen, ob die Bäder nur für Sportbetrieb oder für alle Wasserratten und Sonnenanbeter geöffnet werden dürften. Letzteres sei bei der Planung schon eine anspruchsvolle Herausforderung.

Die Badesaison ist bereits seit Ende April in der Warteschleife

Tirschenreuth

Auf jeden Fall geschlossen bleibt das Freibad Altglashütte, das von einem Förderverein betrieben wird. Nach Auskunft von Vorsitzendem Engelbert Träger vom Förderverein hat der Stadtrat diese Entscheidung gefällt. Mit entscheidend für das Votum waren die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Bad. Die vielen Vorschriften und Vorgaben seien von Ehrenamtlichen einfach nicht zu stemmen, erläutert Siegfried Walter, technischer Leiter des Fördervereins.

Noch in der Schwebe ist die Öffnung des Naturerlebnisbades in Immenreuth. Laut Bademeister Kai Wolf gibt es dazu noch keine Entscheidung. Auch hier ist das Problem,dass es keine konkreten Handlungsanweisungen für die Umsetzung der Hygienevorschriften gibt.

Die Öffnung des Naturerlebnisbad ist in der Schwebe

Immenreuth

Kein enges Gedränge

Die ungeklärte Freibäder-Frage wirkt sich auch auf andere Gemeinden aus, die Badeseen in ihrem Gebiet haben, wie zum Beispiel Wiesau. Bürgermeister Toni Dutz weiß sehr wohl, dass die Antwort Auswirkungen auf den Badebetrieb auf der Kipp (Wiesauer Waldseen) haben wird. "Wir betreiben auf der Kipp allerdings nur die Liegewiese und den Kiosk", stellt Dutz die Nutzungsregelung der Waldseen klar.

Enges Gedränge auf der Liegewiese werde er heuer nicht zulassen. Die Seen selbst seien im Besitz des Forstes. "Nimmt man es genau, stehen sogar die Wasserwachthütte und unser Spielplatz bereits auf Staatsforstgebiet." Einem voraussichtlichen Run von Badelustigen auf die Waldseen bei weiterhin geschlossenen Freibädern begegnet Dutz mit den geltenden Kontaktbeschränkungen. "Die müssen weiter eingehalten werden." Keiner werde aber etwas einzuwenden haben, wenn die Leute nur zum Schwimmen in die Waldseen springen.

Ob Bademeister Erwin Haselbauer in Tirschenreuth in diesem Jahr ein einziges Mal die Wassertemperatur im Becken messen wird, steht noch in den Sternen. Geht es nach Bürgermeister Franz Stahl, eher nicht.
Freibäder wie die Mitterteicher Anlage "in Quarantäne" hinter Gitter und zugesperrt: Diese traurige Schlagzeile könnte im Landkreis Tirschenreuth in diesem Sommer nun tatsächlich Wirklichkeit werden.
In Mitterteich wartet der "Freibad Franz" (im Bild beim Schwimmen im Rekordsommer 2018), Franz Schmid sehnsüchtig auf eine Öffnung des Freibades. Der Mitterteicher Rentner Franz Schmid ist einer der treusten Stammbadegäste (wir berichteten).
Im Freibad Erbendorf kümmert sich Bademeister Mohamed Naeim um den täglichen Ablauf. Momentan hat der gebürtige Ägypter in dieser Hinsicht wenig zu tun. Auch die Erbendorfer Freizeitanlage bleibt bis mindestens 8. Juni geschlossen.

 

 

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