14.05.2021 - 18:28 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Amtsgericht Tirschenreuth: Markus Fillinger neuer Direktor - der jüngste Bayerns

Vor 20 Jahren zog er sich hier als Proberichter erstmals die Robe an. Jetzt kehrt Markus Fillinger zurück nach Tirschenreuth - als Direktor. Der 47-Jährige dürfte damit der jüngste Amtsgerichtsdirektor Bayern sein.

Markus Fillinger, derzeit Richter am Landgericht Amberg, wird neuer Amtsgerichtsdirektor Tirschenreuth.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Am Amtsgericht Tirschenreuth gibt es bald einen neuen Direktor: Markus Fillinger folgt nach aktuellem Stand am 1. September auf Thomas Weiß, der das Amtsgericht Tirschenreuth seit 2010 leitet. Weiß verabschiedet sich schon Ende Mai in den Ruhestand.

Der neue Leiter stammt aus Weiherhammer im Landkreis Neustadt/WN, hat 1993 am Kepler-Gymnasium in Weiden Abitur gemacht und in Regensburg Jura studiert. Seit 2002 steht er im Dienst der bayerischen Justiz. 2002 bis 2009 war er - bis auf ein kurzes Intermezzo bei der Staatsanwaltschaft Weiden - als Richter im Amtsgerichtsbezirk Tirschenreuth eingesetzt. Er übernahm damals die frühere Zweigestelle Kemnath. Eine gute Schule für das Richterleben: Der Amtsrichter erledigte dort - bis auf Familiensachen - alles selbst.

Viele Jahre in Strafkammer

Sein Beruf ist seine Leidenschaft, daraus hat Fillinger nie einen Hehl gemacht. Seine Richter-Generation war geprägt vom im Januar verstorbenen Günter Pietrucha, Urgestein der Weidener Justiz.

2009 wechselte Fillinger an das Landgericht Weiden und gehörte von da an der 1. großen Strafkammer an, erst unter Vorsitz des Landgerichtspräsidenten Bernhard Ring, ab 2011 von Walter Leupold. Eine "unglaublich spannende Zeit", so Fillinger, in die etliche schwere Kriminalfälle fielen: der Stalker-Mord in Vohenstrauß, der Armbrust-Mord auf der Weidener Konradshöhe, der Hammer-Mord in Erbendorf.

Fillinger war auch Richter im aufwändigen Prozess gegen den Millionenbetrüger Wolfgang Schalk, der kürzlich in Portugal verstorben ist. Videovernehmungen waren damals noch nicht üblich. Leupolds Strafkammer kam in der Welt herum: Die Weidener Richter vernahmen Zeugen in den Niederlande, Ungarn, den USA.

Jetzt also Tirschenreuth: "Ich freue mich auf die Herausforderung, in relativ jungen Jahren eine Behördenleitung zu übernehmen", sagt Fillinger. "Es ist schön zurückzukommen." Etliche Mitarbeiter kennt er noch aus früheren Zeiten, dazu käme das "wunderschöne Gericht" im historischen Fischhof. Dritter Pluspunkt: Fillinger "darf" wieder Strafsachen machen. Als Amtsgerichtsdirektor wird er den Vorsitz des Schöffengerichts Tirschenreuth übernehmen. Die letzten zwei Jahre verhandelte der 47-Jährige als Richter am Landgericht Amberg Zivilsachen mit Schwerpunkt Arzthaftung, Versicherung, Kapitalanlagen.

Kein Geheimnis: Sein Herz gehört dem Landgerichtsbezirk Weiden. Der Vater von zwei Söhnen wohnt mit seiner Frau im südlichen Landkreis Neustadt/WN. Wenn es Corona wieder erlaubt und "die Füße dann noch tragen", spielt er nicht nur Tennis, sondern auch wieder Fußball bei der TSG Weiherhammer. Fillinger ist zudem großer Fan des FC Bayern.

Die Christbaum-Affäre

Und er hat einen guten Humor: Legendär ist sein Strafbefehl gegen zwei Wachtmeister der Weidener Justiz, die eine gelbe BVB-Dortmund-Kugel an den Justiz-Christbaum im Foyer gehängt hatten. Delikt: "Störung des bayerischen Weihnachtsfriedens in einem besonders schweren Fall".

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Jahrelang Seite an Seite: Markus Fillinger (Zweiter von links) gehörte mit Marco Heß (Zweiter von rechts) jahrelang der 1. großen Strafkammer unter Vorsitz von Walter Leupold (Mitte) an. Hier im Totschlagsprozess gegen eine junge Mutter.
Hintergrund:

Das Amtsgericht Tirschenreuth

  • Das Amtsgericht Tirschenreuth ist verantwortlich für den Landkreis Tirschenreuth mit rund 72 500 Einwohnern.
  • Es zählt fünf Richter. Amtsgerichtsdirektor ist Thomas Weiß. Sein Stellvertreter ist Peter Neuner. Weitere Richter: Tanja Lugert, Janina Leinhäupl und Sebastian Goldmann.
  • Insgesamt arbeiten am Amtsgericht 39 Mitarbeiter.

 

 

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