15.11.2020 - 10:54 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Amtsgericht Tirschenreuth: Bewährung für Ebay-Betrug

Eine 22-Jährige gab bei Ebay-Kleinanzeigen vor, mehrere Smartphones und Spielekonsolen zu verkaufen. Wegen erwerbsmäßigen Betrug stand sie vor dem Schöffengericht in Tirschenreuth.

Eine 22-Jährige muss sich wegen 17 Betrugsfällen vor dem Amtsgericht Tirschenreuth verantworten.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Ebay-Betrug in 17 Fällen und eine Schadenssumme von knapp über 6000 Euro: Die Liste, die Staatsanwalt Richard Caja vor dem Schöffengericht Tirschenreuth kürzlich verlas, war lang. Eine 22-Jährige hatte laut Anklageschrift zwischen Juli und November 2019 mehrere Smartphones, Spielekonsolen und eine Babytrage über die Internetplattform Ebay-Kleinanzeigen angeboten. Das Geld der Käufer ist geflossen, aber keiner von ihnen erhielt je die Ware.

Richter Thomas Weiß regte ein Rechtsgespräch mit den Schöffen, Staatsanwalt und Verteidiger an. Unter den Parteien wurde vereinbart, dass im Fall eines Geständnisses sich der Rahmen des Urteils bei einer Gesamtfreiheitsstrafe zwischen 1,8 bis 2 Jahren auf Bewährung und einer Arbeitsauflage bewege. Zudem falle einer der Anklagepunkte weg.

Angeklagte geständig

Verteidiger Franz Schlama erklärte, dass seine Mandantin alles eingeräumt habe. "Warum haben Sie das gemacht?", fragte der Richter die Angeklagte. "Mein Lebensgefährte kam auf die Idee", sagte die 22-Jährige. Finanzielle Probleme hätten sie dazu getrieben. "Warum war dann Schluss?", wollte Weiß wissen. "Ich hatte Angst und ein schlechtes Gewissen. Ich wollte das nicht mehr", erklärte sie und hat Tränen in den Augen. Rückzahlungen habe es bislang keine gegeben. Der Richter ging auf die persönlichen Verhältnisse der Angeklagten ein. Die junge Frau kam mit acht Jahren in die Oberpfalz. Sie lebte erst im Landkreis Neustadt/WN später im Landkreis Tirschenreuth. Zudem ist sie Mutter von drei Kindern, 2019 wurde das letzte geboren, zu dem Zeitpunkt als die verhandelten Betrugsfälle passierten. Inzwischen ist die 22-Jährige zurück in ihre alte Heimat nach Hessen gezogen.

"Schaden in Vielzahl an Fällen"

In seinem Plädoyer sah Staatsanwalt Caja die Vorwürfe in 16 Fällen bestätigt. Da die Angeklagte keine Vorstrafen hatte, forderte er eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Zusätzlich sollten die von den Geschädigten gezahlten 6000 Euro als Wertersatz entrichtet werden. Der Verteidiger betonte in seinen Schlussworten, dass sich die Angeklagte geständig zeigte. "Gegen Sie spricht der Schaden in der Vielzahl der Fälle", räumte er ein. Jedoch habe die 22-Jährige selbst mit den Straftaten aufgehört, da sie eingesehen habe, dass das nicht richtig war. "Sie kam aus der Not in die Bredouille." Er fordert eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.

Bewährungshelfer als Unterstützer

Diesen Zeitraum wählte auch Richter Weiß in seinem Urteil. Er sprach die Angeklagte wegen erwerbsmäßigen Betrugs schuldig. Die Bewährungszeit legte er auf drei Jahre fest. Zusätzlich muss die 22-Jährige 80 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten und einen Wertersatz von 5980 Euro entrichten. Der Richter erkannte an, dass sich die Angeklagte in einer schwierigen Situation befunden habe. Zudem hielt er ihr zugute, dass der Gesamtschaden nicht so hoch war und sich die Taten in einem zeitlich begrenzten Rahmen abgespielt haben. "Versuchen Sie, ihr Leben zu ändern", forderte er. Ein Bewährungshelfer soll die Frau dabei unterstützen.

Reue und Geständnis bringen Bewährung für Altenpfleger aus dem Landkreis Tirschenreuth

Weiden in der Oberpfalz
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.