21.05.2021 - 10:22 Uhr
TeublitzOberpfalz

Vogelschützer klagen gegen Gewerbegebiet bei Teublitz

Das geplante Gewerbegebiet an der A93 bei Teublitz ist dem Landesbund für Vogelschutz ein Dorn im Auge. Nun zieht er vor Gericht.

Bereits im vergangenen Jahr regte sich großer Widerstand gegen das geplante Gewerbegebiet an der A93 bei Teublitz. Jetzt zieht der Landesbund für Vogelschutz vor Gericht.

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) sieht im ungezügelten Flächenfraß eines der drängendsten Umweltprobleme in Bayern. Besonders gravierend ist für ihn das geplante 21 Hektar große Gewerbegebiet an der A93 bei Teublitz. Wie es in einer Mitteilung des LBV heißt, gehöre die Staatswald-Fläche dem Freistaat Bayern. Der Verband sehe in dem Vorhaben einen bayernweiten Präzedenzfall und habe deshalb am Freitag Klage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingereicht.

Konkret kritisiert der LBV die unzureichende Berücksichtigung des landesplanerischen Anbindegebots, die Zersiedelung und den Flächenfraß, den mangelhaften Nachweis von Ausgleichsmaßnahmen sowie die Rodung eines gesunden artenreichen Mischwalds. „Wir lassen nicht zu, dass immer mehr Staatswald für großflächige Gewerbeansiedlungen verramscht wird. Der Wald aller Bürgerinnen und Bürger ist keine kommunale Verfügungsmasse“, wird der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer in der Mitteilung zitiert.

Das Vorhaben in Teublitz zeige beispielhaft die Fehlentwicklungen in der Landesplanung auf. Bisher sei das größte Waldgebiet am Westrand des Bayerischen Waldes frei von Siedlungsflächen und auch deshalb als Landschaftliches Vorbehaltsgebiet auswiesen. Eine Lockerung des gesetzlich vorgeschriebenen Anbindegebots habediese Planung erleichtert. Die Staatsregierung habe die Lockerungen bereits im Juli 2019 zurückgenommen, jedoch sei dieser Beschluss rechtlich noch immer nicht umgesetzt worden.

"Die Oberpfalz ist bayernweiter Spitzenreiter beim Flächenverbrauch", heißt es weiter in der Mitteilung. Im landesweiten Durchschnitt würden derzeit täglich über zehn Hektar Land verbaut. Im neuen Landesplanungsgesetz sei ein Zielwert von fünf Hektar pro Tag vorgesehen, was jedoch eine unverbindliche Vorgabe sei. „In Sonntagsreden wird das Flächensparen immer wieder gebetsmühlenartig beteuert – wenn es aber konkret wird, versteckt sich die Politik hinter der kommunalen Selbstverwaltung. So kann es nicht weitergehen: Wir brauchen verbindliche interkommunale Zusammenarbeit statt Kirchturmpolitik“, betont Christoph Bauer LBV-Bezirksgeschäftsführer in der Oberpfalz.

Der Freistaat sei Eigentümer dieser Fläche und habe insbesondere in Zeiten des Klimawandels eine große Verantwortung für den Erhalt seiner Wälder, betont der LBV. „Es gibt hier Quellen und Sumpfwaldbereiche sowie große Flächen mit hoch anstehendem Grundwasser. Das sind wertvollste Lebensräume. Diese können nicht ausgeglichen werden“, sagt Christian Stierstorfer, LBV-Waldreferent und Gebietskenner.

Der Waldbestand in Teublitz sei sehr artenreich und gut strukturiert – genau diese Wälder würden derzeit mit Millionenaufwand vom Staat gefördert. Der Wald müsste erst einmal großflächig trockengelegt werden, um ihn zu bebauen. Aufgrund der unklaren hydrologischen Verhältnisse in diesem Quellgebiet warnt der LBV auch vor negativen Auswirkungen auf das Teublitzer Weihergebiet und die Teichwirtschaft.

Protest gegen Gewerbegebiet

Teublitz

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