21.10.2021 - 13:51 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Waldbad-Sanierung in Sulzbach-Rosenberg hinter Zeitplan

Orangefarbene Wände, Strömungskanal, Wärmehalle mit 20 Duschen und Ruheraum: Die Generalsanierung des Sulzbach-Rosenberger Waldbads bringt viele Neuerungen. Doch schon jetzt ist klar: Die Schwimmsaison 2022 wird verspätet beginnen.

Im angehobenen 50-Meter-Sportbecken sind inzwischen seitlich die Edelstahlwände als Ersatz für den Fliesenbelag montiert. Der Kies wird in den nächsten Tagen verteilt.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Für Waldbad-Fans ist der 1. Mai ein heiliges Datum, eine feste Größe im Kalender der begeisterten Schwimmer. Seit vielen Jahren öffnet an diesem Tag das Sulzbach-Rosenberger Freibad seine Pforten. Dass es in der kommenden Saison 2022 auch so sein wird, daran hegen wegen der laufenden Arbeiten zur Generalsanierung etliche Anwohner und Spaziergänger, die vom Straßenrand einen Blick in die Baustelle geworfen haben, Zweifel: "Es schaut schlecht aus." "Da liegt noch überall Schutt rum." "Das wird nichts mit dem 1. Mai."

Ist die Skepsis berechtigt? Wie weit die Arbeiten vorangeschritten sind, was sich im Bad ändert und ob Preise und Bauzeiten gleich bleiben – Oberpfalz-Medien hat sich bei einem Besuch auf der Baustelle kundig gemacht. Neben Bürgermeister Michael Göth waren Architekt Markus Pichler, stellvertretender Bauamtsleiter Markus Hofmann, Wolfgang Weiß vom Ingenieurbüro Reitberger und Thomas Albert als Waldbad-Betriebsleiter dabei.

Drei Wochen im Verzug

Bei der entscheidenden Terminfrage redet der auf Bädersanierung spezialisierte Pichler Klartext: „Momentan liegen wir etwas hinten, es sind circa zweieinhalb bis drei Wochen Verzug.“ Als Hauptgründe nennt der Österreicher eine lange Schlechtwetterphase im Sommer und Baustoffmangel. „Es gab wochenlangen Regen, das hat die Kanalarbeiten massiv erschwert.“ Der matschige Boden habe die schweren Baumaschinen ausgebremst. Zudem seien Dämmstoffe momentan kaum zu kriegen und auch beim Rohrleitungsbau habe es Lieferschwierigkeiten gegeben, ergänzt Markus Hofmann.

Die Badesaison werde deshalb – aller Voraussicht nach – erst Ende Mai 2022 beginnen. Der Bauamts-Mitarbeiter macht aber klar: „Ende Mai war im Bauzeitenplan schon immer vorgesehen. Zudem hätte es uns mit Blick auf den Baustoffmangel viel schlimmer treffen können. Wir liegen noch im grünen Bereich.“ Eine exakte Aussage zum Öffnungstermin lasse sich momentan sowieso nicht machen. „Das hängt alles von der Witterung im Winter ab, aber der Zeitplan bleibt sportlich“, erklärt Architekt Pichler.

Abgesehen davon, herrscht auf der Baustelle in diesen Herbsttagen Hochbetrieb. Die alte Wärmehalle ist abgerissen, die Firma Mickan hat den Keller darunter um ein Drittel erweitert – dort ist die Bädertechnik angesiedelt. Die neue, ebenfalls vergrößerte, Wärmehalle darüber erhält gerade ihre Seitenwände, kommende Woche folgt die Decke im Erdgeschoss. Weil die Fernwärmeleitung schon steht, wird die Halle bereits im Winter für die Innenarbeiten beheizt.

Neue Wärmehalle mit Glasfront

Der Neubau unterscheidet sich deutlich von seinem Vorgänger. Die langen Warteschlangen vor den bislang nur zwei Duschen werden künftig Vergangenheit sein. „Es wird je zehn Duschen für Männer und Frauen geben. Neun davon sind Gemeinschaftsduschen, eine ist abgetrennt“, sagt Pichler. Außerdem gibt es Umkleiden und einen separaten Ruheraum mit Liegen. „Von dort blicken die Gäste durch eine Glasfront auf das Sportbecken.“

Die vergrößerte Wärmehalle ermöglicht auch, die Badesaison künftig zu verlängern. „Wir können schon jetzt sagen, dass wir das Bad bis Ende September oder Anfang Oktober geöffnet lassen“, kündigt Bürgermeister Göth an. Auch ein vorgezogener Saisonstart sei in den Folgejahren möglich.

Im Schwimmerbecken wiederum sind inzwischen die Wände aus Edelstahl inklusive der Überlaufrinnen montiert. Der Edelstahl sei zwar teuer, aber Stand der Technik, der die Wartungskosten erheblich verringere: „Was wir bislang jedes Frühjahr an Fließen ausbessern mussten, das war unglaublich“, sagt Hofmann. Das 50-Meter-Becken ist mittlerweile auf das Niveau des Nichtschwimmer-Bereichs angehoben, um Barrierefreiheit zu schaffen. Nach der Sanierung wird es auch circa fünf Zentimeter weniger Wassertiefe haben und ebenflächig sein – bislang hatte das Becken am Boden ein Gefälle. Auch ein behindertengerechter Einstieg ist in Planung. Und Betriebsleiter Thomas Albert kündigt erfreut eine weitere Neuerung an: „Es wird künftig unter Wasser Beleuchtung geben. Das zaubert eine tolle Atmosphäre.“

Orange anstatt Blau-Gelb

Weil zum Wohlfühlen auch harmonische Farben gehören, soll die Nordfassade der Wärmehalle mit orangenen Teilflächen aufgewertet werden. Das restliche Gebäude erhält eine Fassade mit warmen Grauton, sagt Pichler. Im gesamten Badegelände sind derzeit noch viele Flächen mit einem kräftigen Blau und Gelb gestrichen. „Das Blau-Gelb kommt weg. Wir bevorzugen eine schlichtere, naturnähere Farbgestaltung.“

In der neuen Saison werden Besucher einen gänzlich neuen Nichtschwimmerbereich kennenlernen. Zwar bleibt das Becken in seiner Grundform erhalten, doch es wird in ein Lehrschwimm- und ein Aquafitbecken aufgeteilt. Zudem kommen eine Whirl-Liegefläche, ein Strömungskanal, Massagedüsen und Schwallbrausen hinzu. Auch die Breitwellenrutsche wird noch im derzeitigen Bauabschnitt 1a realisiert. Für den Abschnitt 1b ist der Bau weiterer Rutschen, die Sanierung von Springerbecken, Bademeisterhaus und der Laufwege vorgesehen.

Künftig Online-Tickets

Um lange Schlangen an der Kasse zu vermeiden, soll ein Online-Ticket eingeführt und das Dauerkarten-System modernisiert werden. „Die Digitalisierung hält auch im Waldbad Einzug“, freut sich Bürgermeister Göth.

Auch wenn sich Waldbadfans also voraussichtlich ein paar Wochen länger gedulden müssen, bis die Tore im Frühjahr 2022 öffnen – dem Stadtoberhaupt zufolge lohnt sich die Wartezeit: „Die Nutzer dürfen sich auf ein komplett anderes, auf ein attraktiveres Bad freuen, das ganz andere Möglichkeiten für alle Generationen bietet.“

Warum sich Waldbadfans nicht ärgern, sondern freuen sollten. Ein Kommentar.

Sulzbach-Rosenberg

Kosten, Zeitplan, Veränderungen: Die Waldbad-Sanierung im Überblick

Sulzbach-Rosenberg
Info:

Waldbad-Sanierung: Kosten- und Zeitplan

  • Abschnitt 1a: Erneuerung 50-Meter-Sportbecken und Anheben auf Höhe des Nichtschwimmerbeckens, um Barrierefreiheit zu erreichen; Neubau und Vergrößerung der Wärmehalle; Unterteilung des Nichtschwimmerareals in ein Lehrschwimm- und ein Aquafit-Becken und Bau einer Breitwellenrutsche
  • Abschnitt 1b: Sanierung Springerbecken und Bademeister-Häuschen, Neubau eines Rutschenhügels mit Röhren- und Turbo-Slide-Rutsche, Erneuerung Wasserentsorgung (Kanal)
  • Bauabschnitt 2: Bau einer Schwimmhalle als Anschluss an die Wärmehalle in nördlicher Richtung
  • Zeitplanung: Abschnitt 1a bis Mai 2022. Abschnitt 2b im Anschluss (kein konkreter Zeitplan). Der Abschnitt 2 (Anbau Hallenbad an Wärmehalle) ist eine perspektivische Planung, für den aktuell weder ein konkreter Zeitplan noch die Finanzierung gesichert sind.
  • Kostenplanung des Stadtrates bis 2024: 2020: 738 700 Euro; 2021: 3 200 000 Euro; 2022: 2 200 000 Euro; 2023: 2 000 000 Euro; 2024: 450 000 Euro – gesamt rund 8,5 Millionen Euro. Davon 1,7 Millionen Euro Förderung durch den Freistaat

 

 

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