04.08.2021 - 16:01 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Tagespflege in Sulzbach-Rosenberg: Entlastung für Angehörige, Gewinn für Betroffene

Am Tag in guten Händen, am Abend daheim! Das ist das Motto der neuen Einrichtung Tagespflege der Ökumenischen Sozialstation Sulzbach-Rosenberg. Sie entlastet Angehörige bis zu acht Stunden am Tag, auch die Betroffenen selbst profitieren.

Die Aufgabe in der Tagespflege der Ökumenischen Sozialstation lautet: eine Eistüte basteln. Schwester Elisabeth hilft den Seniorinnen dabei.
von Helga KammProfil

Es ist später Vormittag. Sonnenlicht fällt durch die Fenster in die hellen Räume der Tagespflege an der Asamstraße. Alles ist freundlich und bunt: die Wände, die Möbel, die Gardinen, die Bilder. An den Tischen wird gearbeitet, mit dem Kopf und den Fingern. Gedächtnistraining und Basteln, eine Rätselrunde oder Sitzgymnastik sind Angebote, die von den Gästen des Hauses gern angenommen werden.

Nach einer Bauzeit von nur neun Monaten wurde die Tagespflege im Dezember vorigen Jahres in Betrieb genommen. Die Einrichtung bietet 23 Tagespflegeplätze, alle sind belegt. Für Katharina Morgenstern, die Pflegedienstleiterin, ein Beweis dafür, dass es höchste Zeit war für eine Tagespflege, die erste in der Stadt. „Unsere Gäste, übrigens mehr Männer als Frauen, kommen meist aus der Stadt und dem Landkreis“, schildert sie die aktuelle Situation. Sie seien zwischen 70 und bis über 90 Jahre alt und zu einem großen Teil dement. „Der Aufenthalt bei uns, gebucht für einen oder mehrere Tage, bedeutet für die pflegenden Angehörigen daheim eine große Entlastung“, weiß sie, „ist aber natürlich auch ein Gewinn für die Betroffenen selbst“.

Außer Morgenstern und ihrer Stellvertreterin Theresia Freisinger kümmern sich weitere 15 Mitarbeiterinnen und Fahrer von halb acht bis halb fünf täglich um die Pflegebedürftigen, ausgenommen am Wochenende. „Unsere Gäste werden überwiegend mit zwei Fahrzeugen am Morgen abgeholt und am Nachmittag wieder heimgefahren, auch Rollstuhl- und Rollatorfahrer“, schildert Theresia Freisinger den Fahrdienst. Sie beschreibt ihre Gäste als meist sehr gesellige Leute. „Viele der Männer kennen sich, waren in der Maxhütte oder in Vereinen. Hier bilden sie eine Art Stammtisch, spielen Karten, Mensch-ärgere-dich-nicht oder Schach.“ In der morgendlichen Zeitungsrunde werde über aktuelle Themen gesprochen, von der Tagespolitik bis hin zu den ihnen vertrauten lokalen Ereignissen.

Besondere Themen

Darüber hinaus seien wöchentlich besondere Themen in den Tagesablauf eingebaut, erzählt Katharina, die Chefin. „Nordsee, Sommer, Kirchweih, Hochzeit, das weckt Erinnerungen bei den Gästen, sie können mitreden, bringen teilweise alte Fotos mit.“ Die weiblichen Gäste, so ergänzt ihre Stellvertreterin Theresia, helfen gern beim Kochen, Backen und Tischdecken oder Waschen. „Sie wollen selber etwas tun, und wir unterstützen sie natürlich dabei“. Der Star im Küchenreich aber ist männlich. Michael Hölge (71), Konditor aus dem Schwarzwald, zaubert beinahe täglich das, was er besonders gut kann: feines Gebäck und wunderbare Torten für die nachmittägliche Kaffeerunde .

Das gemeinsame Mittagessen besteht aus regionaler Hausmannskost, spezielle Wünsche oder Abneigungen werden berücksichtigt. Ein Ruheraum oder der Wintergarten mit bequemen Liegesesseln, mit Decken und Kissen laden die Gäste zu einer Siesta ein, sogar ein Bett steht dafür bereit. Der kleine Garten in der Nähe des Bachlaufs wird bei schönem Wetter gern zum Aufenthalt im Freien genutzt, später soll auch ein Gemüsebeet angelegt werden für die „Gartler“ unter den Gästen. Auch eine „Bushaltestelle“ gibt es im Garten: „Sie dient zur Beruhigung der Gäste, die es drängt, unterwegs zu sein“, erklärt Katharina Morgenstern diese ungewöhnliche Hilfe.

Corona-Einschränkungen

Sie und alle Mitarbeiterinnen gehen nach Kräften auf die Bedürfnisse der ihnen Anvertrauten ein. Ihre Gäste sind vollständig geimpft, bei Auffälligkeiten wird sofort getestet. Corona-bedingte Einschränkungen müssen beachtet werden, auch wenn es oft schwer fällt. „Selbst nahe beieinander sitzen dürfen die alten Leute nicht“, bedauert Katharina, „obwohl viele schlecht sehen und hören.“ Ihr größter Wunsch und der vieler ihrer Gäste: „Dass wir wieder singen dürfen!“ Wenn im Radio alte Lieder erklingen, dann werde manchmal mitgesungen oder geschunkelt, „und dann müssen wir leider dazwischengehen“.

Trotzdem ist die Tagespflege ein Wohlfühl-Haus, das sehen die Gastgeber und das bestätigen die Seniorinnen und Senioren. Ihnen wird ein buntes Programm geboten, das zu Hause so oft nicht möglich wäre, und sie sind nicht allein. „Manche wollen gar nicht mehr heim“, beschreibt Theresia Freisinger das „Aufleben“ ihrer Schützlinge. Sie und ihre Chefin wissen aber auch, wie gut es den Angehörigen tut, ein wenig Abstand von der Rundum-Pflege von Vater oder Mutter zu haben: „Bringt der Fahrdienst die Tagesgäste nach Hause, hat man sich vermisst – und freut sich wieder auf die gemeinsame Zeit“.

Mehr zum Bau der Tagespflege in Sulzbach-Rosenberg

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Mehr zum Start der Tagespflege in Sulzbach-Rosenberg

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Hintergrund:

Tagespflege der Sozialstation

  • Voraussetzung: Der Aufenthalt in der Tagespflege wird ab Pflegestufe zwei von den Pflegekassen finanziert.
  • Unterschied: Tagespflege ist etwas anderes als Kurzzeitpflege.
  • Kapazität: Bei der Tagespflege der Ökumenischen Sozialstation gibt es bereits eine Warteliste für die Aufnahme, innerhalb eines Monats aber erscheint eine Aufnahme als realistisch.

Der Aufenthalt bei uns bedeutet für die pflegenden Angehörigen daheim eine große Entlastung, ist aber auch ein Gewinn für die Betroffenen selbst.



Katharina Morgenstern, Pflegedienstleiterin

 

 

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