18.07.2021 - 17:17 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sulzbach-Rosenbergs Partnerstadt Eschweiler schwer von den Überschwemmungen getroffen

Auch die Sulzbach-Rosenberger Partnerstadt Eschweiler wurde schwer vom Unwetter heimgesucht. Das Krankenhaus musste evakuiert werden, es gibt große Verwüstungen, aber auch viel Solidarität.

Ein Feuerwehrwagen steht am Seiteneingang des Krankenhauses. Wegen der Hochwasserlage musste am Donnerstag das Krankenhaus in Eschweiler bei Aachen evakuiert werden. Intensivpatienten wurden per Rettungshubschrauber vom Dach abgeholt und in andere Kliniken gebracht,
von Heidi FranitzaProfil

„Die Katastrophenmeldungen aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz waren erschreckend. Auch unsere Partnerstadt Eschweiler war vom Starkregen betroffen.“ Erst am Samstag konnte Bürgermeister Michael Göth seine Amtskollegin Nadine Leonhardt in der verwüsteten Stadt erreichen. „Ich drückte unser aller Mitgefühl aus. Wir als Partnerstadt stünden an ihrer Seite und wünschten viel Kraft, diese schwere Situation zu meistern. Sie bedankte sich für die Anteilnahme der Stadt und versprach, die Grüße an die Bevölkerung weiterzugeben.“

Wie Göth weiter gegenüber Oberpfalz-Medien erklärte, habe er auch mit dem Kommandanten der Feuerwehr Sulzbach-Rosenberg über die Situation gesprochen. Armin Buchwald signalisierte dabei die Einsatzbereitschaft der Wehr, sollte eine Anforderung über das Innenministerium eingehen.

Wie die Stadtverwaltung von Eschweiler in ihrem Live-Blog beschreibt, begann die Katastrophe in der Partnerstadt am Mittwoch. Starkregen zog über Eschweiler. Die Pegelstände des Flüsschens Inde waren kritisch und standen unter stetiger Beobachtung. Straßen wurden gesperrt. Am Donnerstag in den frühen Morgenstunden wurde Gesamtwehr-Alarm ausgelöst. Immer mehr Straßen und Brücken mussten gesperrt werden. Wie dem Online-Auftritt der Kommune weiter zu entnehmen ist, spitzte sich gegen Abend die Lage weiter zu. Im Stadtgebiet kam es zu großflächigen Überschwemmungen. Der Strom fiel aus, die Bürger-Hotline war nicht mehr erreichbar. Das Wasser stieg weiter bis zum nächsten Morgen. Die Städteregion Aachen, zu der Eschweiler gehört, hatte in der vergangenen Nacht den Katastrophenfall für Eschweiler ausgerufen. Am Freitagvormittag kam es zum Ausfall der Wasserversorgung. Erst ab Mittag sank der Pegelstand. Langsam wurde das Ausmaß der Katastrophe sichtbar.

Kein Trinkwasser

Die Stadt Eschweiler richtete auch Trinkwasserversorgungsstellen ein, stellte Container zur Sperrgutentsorgung auf. Bürgermeisterin Nadine Leonhardt wandte sich am Freitag in den sozialen Netzwerken an die Bürger der Stadt, sprach über aktuelle Maßnahmen, aber auch die Probleme bei der Trinkwasserversorgung, gleichzeitig bat sie um Verständnis, dass in dieser Lage auch Wartezeiten für Hilfsmaßnahmen entstehen können.

Die Städtepartnerschaft zu Eschweiler entstand durch die seit rund 30 Jahre andauernden Beziehungen der FG Knappnesia zur Karnevalsgesellschaft Narrenzunft Eschweiler Pumpe-Stich und der historischen Verbindung in der Eisen- und Stahlerzeugung. Im April 2019 wurde dann offiziell die Städtepartnerschaft Sulzbach-Rosenbergs mit Eschweiler besiegelt. Christian Kellner, Präsident und Vorsitzender der Knappnesia, hatte sich schon auf den Besuch seines Eschweiler Karnevalskollegen Stephan Lenzen gefreut: „Die Familie Lenzen ist in dieser Zeit immer auf Urlaub in Bayern und hatte sich auch bei uns angemeldet. Den Besuch sagten sie jedoch nach Bekanntwerden der katastrophalen Zustände in ihrer Heimatstadt ab.“ Kellner fuhr fort: „Die Hiobsbotschaften aus Eschweiler und auch aus ganz NRW und Rheinland-Pfalz haben uns betroffen gemacht. .“

Die Bilder aus den Unwetter-Regionen waren erschütternd. Einsatzkräfte wurden in die Katastrophengebiete beordert. Vom THW Amberg fuhr in der Nacht von Freitag auf Samstag eine „Fachgruppe Elektroversorgung“ und von der Ortsgruppe Sulzbach-Rosenberg eine „Fachgruppe Notversorgung“ nach Stolberg südlich von Eschweiler. Das BRK Bayern schickte am Samstag ein sogenanntes Hilfsleistungskontingent Standard, bestehend aus 125 Einsatzkräften und 50 Einsatzfahrzeugen, in die Hochwassergebiete.

Massive Schäden

René Costantini, der das Büro der Bürgermeisterin und die Pressestelle von Eschweiler leitet, beschrieb in einem telefonischen Situationsbericht gegenüber Oberpfalz-Medien die Trinkwasser- und Stromversorgung weiterhin als sehr kritisch. „Mehrere 10 000 Menschen sind noch nicht mit Wasser oder Strom versorgt. Einige Trafostationen sind vollgelaufen. Deswegen kommt es auch immer wieder zu Bränden, wenn der Strom vorzeitig hochgeschaltet wird. Massive Schäden gab es in der Fußgängerzone. Einzelhandelsgeschäfte sind verwüstet und Wohnungen zerstört. Das Krankenhaus musste evakuiert werden. Zwei gerade erst fertiggestellte Kitas sind schwer betroffen. Noch kein einziges Kind war in den Häusern. Jetzt müssen sie erneuert werden.“ Die Betroffenheit war in seiner Stimme zu hören.

Am Samstag konnten Ladestationen für Smartphones eingerichtet werden, so dass wenigstens die mobile Erreichbarkeit gewährleistet war. Andererseits war der Pressesprecher beeindruckt von der Solidarität innerhalb der Bevölkerung, aber auch bei den Einsatzkräften, die manchmal auch einen weiteren Weg hinter sich hatten: „Da baut schon mal ein Einwohner den Grill auf und grillt für die Helfer! Ein kleiner Lichtblick. Heute ist noch nicht absehbar, wie groß die Zerstörungen tatsächlich sind.“

Die Aufräumarbeiten seien nun in vollem Gange. Es werde jedoch noch lange dauern, bis die sichtbaren Wunden der Stadt verheilt sein würden.

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Das Krankenhaus in Eschweiler musste wegen der Unwetter-Katastrophe evakuiert werden
Hintergrund:

Spenden für Eschweiler

Die Sulzbach-Rosenberger Partnerstadt Eschweiler hat ein Spendenkonto für Hochwasser-Geschädigte eingerichtet.

  • Spendenkonto-Inhaber: Stadt Eschweiler, Sparkasse Aachen
  • IBAN: DE82 3905 0000 1073 7963 83
  • Kennwort: „Eschweiler hält zusammen – Hochwasserhilfe 2021“.

„Mehrere 10 000 Menschen sind noch nicht mit Wasser oder Strom versorgt. Einige Trafostationen sind vollgelaufen. Deswegen kommt es auch immer wieder zu Bränden, wenn der Strom vorzeitig hochgeschaltet wird. “

Eschweilers Pressesprecher René Costantini

Eschweilers Pressesprecher René Costantini

 

 

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