28.07.2021 - 16:44 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sulzbach-Rosenberg: Ärger über "Saustall" am Annaberg

Bierkästen, Schnapsflaschen, Müllbeutel: Immer öfter bleibt Müll als Hinterlassenschaft von Trinkgelagen am Annaberg liegen und verschandelt die idyllische Aussichtsplattform. Heike Graf und Jörg Beer haben aufgeräumt – und sind wütend.

Drei Bierkästen, Plastikbecher und Verpackungsreste, Flaschen von Wodka, Jägermeister und Wein haben Jörg Beer und Heike Graf am vergangenen Sonntag am Annaberg eingesammelt: Weil der weltliche Teil des Bergfestes ausfällt, feiern dort offenbar einige privat – und hinterlassen ihren Müll in der Natur.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Heike Graf und Jörg Beer haben Peinliches erlebt. Als sie am vergangenen Samstag Freunde aus dem Nürnberger Raum zu Gast hatten, wollten sie diesen bei einem Spaziergang den schönen Annaberg zeigen. Beim Aufstieg von der Hugo-Geiger-Straße aus über den Erzweg bekamen die Besucher dort tatsächlich einiges zu sehen – doch anders als gedacht. In einem Brief an Oberpfalz-Medien schildern die beiden Sulzbach-Rosenberger, dass sie sich angesichts von Müllbergen vor ihren Freunden „wirklich sehr schämen“ mussten.

„Müll, als ob es keinen Morgen mehr gäbe“, schreiben die beiden Freunde verärgert im Brief. Graf und Beer wollten das nicht hinnehmen – und haben sich kurzerhand selbst engagiert. Am nächsten Tag, dem Sonntagmorgen, sind sie mit ihren Rädern auf den Berg gefahren, „um den Saustall zu entsorgen“. Schon beim Anfahren haben beide einen leeren Bierkasten gefunden. Am Aussichtspunkt dann der nächste Schock: „In der Nacht waren auch Vandalen unterwegs.“ Die Infotafel über den Erzweg habe schräg in der Verankerung gehängt. „Der Müll vom Tag zuvor war zwar weg, aber neuer Müll war da.“

Scherben am Aussichtspunkt

Dutzende leere Flaschen von Bier, Wodka und Jägermeister, zudem Plastikbecher und Verpackungen hätten zertrümmert am Boden und auf den Bänken gelegen. Auf dem Weg nach Hause wollen die Freunde noch zwei weitere Bierkästen aus dem Wald gezogen haben. „Den Müll haben wir in unserer privaten Mülltonne, die Flaschen im Altglas-Container entsorgt und das Leergut beim Netto zurückgegeben, um es den Opfern der Flutkatastrophe spenden zu können“, schreiben sie in ihrem Brief.

Bei der spontanen Aufräumaktion haben die beiden viel Zuspruch erfahren. So soll eine 75-Jährige, die gerade beim Nordic-Walking war, mit angepackt haben. Weil gerade der Sonntagsgottesdienst in der Annaberg-Kirche zu Ende ging, seien viele Kirchgänger vorbeigekommen. „Einige Teilnehmer bedankten sich für unser Engagement.“

„Asoziales Verhalten“

Doch zufrieden sind sie deshalb nicht. „Wir freuen uns, dass unser Rama-Dama so viel Zuspruch erhielt, doch eigentlich darf es dazu überhaupt keinen Anlass geben“, schreiben sie. Und weiter: „Es kann doch nicht sein, dass immer mehr asoziales Verhalten gezeigt wird.“ Im Gespräch mit der Sulzbach-Rosenberger Zeitung erinnert Beer auch die erst vor kurzem verwüsteten Buden am Annaberg, Bänke, die vor dem Gottesdienst umgeschmissen oder in den Wald geworfen werden oder auch die illegale Entsorgung von Hausmüll an den Altglas- und Altkleider-Containern am Waldbad. Zudem hätten ihn Anwohner über „massive Schreiereien“, informiert, die am Wochenende nachts von der Aussichtsplattform zu hören gewesen seien.

Stadtrat soll handeln

Der 49-Jährige IT-Systemelektroniker vermutet, dass es sich bei den Übeltätern vorwiegend um Jugendliche handelt, die hier Party machen. Heike Graf sagt, der Brandbrief sei bewusst auch an Bürgermeister Michael Göth adressiert worden, mit der Bitte, die Müllproblematik im Stadtrat anzusprechen. „Mir liegt die Stadt wirklich am Herzen. Wir wünschen uns deshalb, dass es hier eine Lösung gibt“, sagt die 42-jährige frühere Stadträtin und Mitarbeiterin bei IG-Metall.

Beer ergänzt: „Eine Anzeige bei der Polizei halte ich für falsch, das bringt nichts. Aber es müsste gerade abends mehr Präsenz am Annaberg gezeigt werden“, sagt der 49-Jährige und bringt zum Beispiel Streifen der Sicherheitswacht ins Spiel.

Allein jeden Morgen den städtischen Bauhof anrücken zu lassen, dessen Mitarbeiter dann aufräumen, würde sich letztlich auf die Abfallentsorgungskosten aller niederschlagen. Graf und Beer hoffen, dass alle Mitbürger mehr auf den Annaberg und die Sauberkeit im restlichen Stadtgebiet Rücksicht nehmen.

Müll sammeln beim Radfahren

Die beiden wollen nicht ausgenutzt werden und unentgeltlich zur „privaten Müllabfuhr werden“, und dennoch sind sie entschlossen, sich bei ihren gemeinsamen Radtouren weiter für die Umwelt in und um Sulzbach-Rosenberg zu engagieren. Ihr Brief endet mit den Worten: „Wir für unseren Teil werden weiterhin mit Mülltüten Radfahren und versuchen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, um ihnen auf vernünftige Weise zu erklären, warum wir so agieren.“

Randalierer haben Buden am Annaberg beschädigt

Sulzbach-Rosenberg

„Wir haben das Leergut beim Netto zurückgegeben, um es den Opfern der Flutkatastrophe spenden zu können“

Heike Graf

Heike Graf

 

 

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