06.07.2021 - 10:18 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Stromtrasse für Bahn: Gegner sind zuversichtlich

Beim Online-Themenabend der Bahn hat sich Gutachter Arnd Stephan den Fragen der Bürger gestellt. Die Gegner von der IG „Bahnstrom so nicht!“ aus Amberg-Sulzbach hoffen auf politische Hilfe für eine dezentrale Lösung – trotz hoher Kosten.

Ein Diesel-Regionalexpress fährt durch das Lehental bei Weigendorf. Um die Züge mit Strom zu betreiben, will die Bahn eine Stromtrasse in die teils geschützte, naturbelassene Landschaft bauen. Die IG „Bahnstrom - so nicht!“ kämpft für eine dezentrale Stromeinspeisung aus dem öffentlichen Netz - um so Masten zu verhindern.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Bei einem „digitalen Themenabend“ im Internet zum geplanten Bau der Stromtrasse für die Elektrifizierung der Bahnstrecke von Hohenstadt/Nürnberg nach Irrenlohe/Schwandorf stellten sich am Donnerstag Vertreter der Bahn und Prof. Arnd Stephan den Fragen der Bürger. Schon in der vergangenen Woche präsentierte der als Gutachter beauftragte Bahn-Experte von der TU Dresden in Hersbruck die Ergebnisse seiner Untersuchungen vor der Presse.

Nun wurde ein separater Info-Abend für die Bevölkerung nachgeholt. Wer sich nicht durch das wissenschaftliche Gutachten mit über 40 möglichen Varianten der Bahnstromversorgung auf über 100 Seiten kämpfen wollte, hatte die Möglichkeit, sich einen zusammenfassenden Vortrag von Prof. Stephan anzuhören und über die Chatfunktion Fragen zu stellen. Circa 80 Bürger und Lokalpolitiker, darunter etliche aus den betroffenen Gemeinden im westlichen Landkreis Amberg-Sulzbach, nutzten die Gelegenheit. Bahn-Pressesprecherin Marion Fink moderierte die Veranstaltung. Auch Achim Saßmannshausen, Leiter Bahnstromleitungen/Erzeugung bei DB Energie, und sein Kollege Matthias Trykowski, Technik-Portfolio-Leiter Nordbayern, waren dabei.

Dezentrale Lösung zu teuer

Inhaltlich hatte sich seit der Vorstellung des Gutachtens in Hersbruck nichts Neues ergeben. Stephan verglich in dem Gutachten eine zentrale Energieeinspeisung mit Masten über das Bahnnetz, eine dezentrale Lösung mit Umrichterstationen, bei der der Strom aus dem bestehenden, öffentlichen Netz kommt und keine Freileitungen nötig werden, und Mischkonzepte miteinander. Das Ergebnis der Untersuchung ist klar: Eine von der Interessengemeinschaft (IG) präferierte dezentrale Lösung sei zwar technisch möglich, aber unverhältnismäßig teuer und somit nicht wirtschaftlich. Die Leitung auch nur teilweise in der Erde zu verkabeln, wäre sogar noch kostspieliger. Die deutlich höheren Gesamtkosten müssten letztlich vom Steuerzahler getragen werden.

Illschwangs Bürgermeister und IG-Vertreter Dieter Dehling sieht das Ergebnis dennoch positiv. „Am Anfang wurde von Seiten der Bahn und Herrn Trykowski gesagt, dass unsere Alternative unmöglich sei. Nun zeigt das Gutachten ganz deutlich: Eine dezentrale Lösung ist definitiv machbar. Deshalb sehen wir uns positiv bestärkt.“

Ökologische Kosten bedenken

Welche Wahl am Ende getroffen wird, sei nun keine technische Frage, sondern eine politische. „Wir werden weiter mit unseren Politikern in Kontakt bleiben, um eine dezentrale Lösung zu erreichen“, sagt Dehling auf die Frage, wie es weitergehen soll. „Wir sind mit dem Gutachten zufrieden, weil unsere Alternativen als machbar klassifiziert wurden. Der Bund muss nun entscheiden, wie wichtig ihm der Schutz unseres Landschaftsbildes ist, auch, wenn es etwas mehr kostet.“ Es dürfe nämlich nicht nur wirtschaftlich argumentiert werden, sondern auch die ökologischen Kosten seien zu beachten. Werde der Flächenverbrauch und die Naturzerstörung mit einberechnet, falle die Rechnung positiv für eine dezentrale Lösung aus, glaubt Dehling.

Gutachter ist „nicht gekauft“

Dehling lobt die Atmosphäre in der Online-Veranstaltung als „im Großen und Ganzen sachlich“, die Fragen der Bürger seien gut beantwortet worden. Den Vorwurf eines Teilnehmers am Themenabend, Gutachter Arnd Stephan spreche der Bahn nach dem Mund, teilt der Illschwanger Bürgermeister nicht. „Professor Stephan ist nicht gekauft, dem würde ich widersprechen.“ Dehling war selbst Teil des Begleitgremiums, das gemeinsam mit den Experten von der TU an der Erstellung des Gutachtens beratend mitgewirkt hat. Das Gremium war mit Vertretern aus dem Landkreis und von der IG „Bahnstrom so nicht!“ besetzt und sollte die nötige Transparenz gewährleisten.

Was im Gutachten steht und wie die Gegner reagieren erfahren Sie hier

Amberg
Überirdische Stromleitungen durch den Landkreis Amberg-Sulzbach will die IG "Bahnstrom so nicht!" möglichst verhindern.
Hintergrund:

Ergebnisse des Gutachtens zur Bahnstromtrasse

  • Umsetzung einer vollständig zentralen Bahnenergieversorgung mit
  • Unterwerken in Bodenwöhr, Hohenstadt, Irrenlohe, Schnabelwaid, Wiesau
  • einer 110-Kilovolt-Bahnstromleitung von Burgweinting über Irrenlohe nach Wiesau
  • einer 110-Kilovolt-Leitung nach Bodenwöhr von Irrenlohe
  • Schaltwerk in Ottensoos mit Leitung nach Hohenstadt
  • entweder eine 110-Kilovolt-Bahnstromleitung von Hohenstadt nach Irrenlohe sowie von Hohenstadt nach Schnabelwaid (südlicher Ringschluss, bisher von DB bevorzugt)
  • oder 110-Kilovolt-Leitung von Hohenstadt über Schnabelwaid nach Wiesau (nördlicher Ringschluss)
  • Geprüft werden sollen zwei weitere Optionen: Verlängerung der Bahnstromleitung vom Unterwerk Wiesau nach Werdau (Richtung Hof)
  • und Unterwerks-Standorte in Weiden und Marktredwitz statt Wiesau, Verzicht auf Schaltposten Marktredwitz.

„Wir sind mit dem Gutachten zufrieden, weil unsere Alternativen als machbar klassifiziert wurden. Der Bund muss nun entscheiden, wie wichtig ihm der Schutz unseres Landschaftsbildes ist.“

Dieter Dehling, Bürgermeister von Illschwang

Dieter Dehling, Bürgermeister von Illschwang

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.