10.05.2021 - 17:49 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Städtebauliche Missstände: Storg-Gebäude als größte Verfehlung

Die Eingangssituation zur Sulzbach-Rosenberger Altstadt soll attraktiver werden. Experten haben dazu klare Vorstellungen.

Markante Punkte im neuen Sanierungsgebiet „Altstadt Sulzbach I“ sind das Storggebäude, der Kreuzungsbereich und verschiedene Grünflächen.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Bei der Ausweisung von Sanierungsgebieten spricht der Stadtrat auch in Sulzbach-Rosenberg ein wichtiges Wörtchen mit, gibt de facto grünes Licht für deren Umsetzung. Im jüngst festgelegten Gebiet „Altstadt Sulzbach I“ liegen nach Auffassung des Baureferats städtebauliche Missstände vor. „Dieser Bereich soll durch Sanierungsmaßnahmen wesentlich verbessert oder umgestaltet werden“, informierte Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn das Gremium.

Wie aus dem Bauamt zu erfahren war, ging der Umsetzung eine Eigentümerbefragung voraus, um Grundlagen zu schaffen, die es ermöglichen, die Notwendigkeit von Sanierungen abzuschätzen, städtebauliche Missstände zu erkennen sowie die Zufriedenheit der Gebäudeeigentümer mit der Wohn- und Versorgungssituation zu ermitteln. „Die Ergebnisse fließen in die vorbereitende Untersuchung ein und sind maßgeblich für die Entwicklung von Maßnahmen bei der Aufstellung des Sanierungsgebietes“, erklärte die Leiterin des Baureferats.

Im Sanierungsgebiet hätten Eigentümer die Möglichkeit, einen Zuschuss für Modernisierung und Instandhaltungsmaßnahmen zu stellen oder könnten bauliche Veränderungen im Sinne der Sanierungssatzung beantragen. Zudem könnten sie die Kosten der Gebäudesanierung steuerlich abschreiben. Die vorbereitende Untersuchung für „Altstadt Sulzbach I“ übernahm die ums GmbH Stadtstrategien aus Leipzig, die in Sulzbach-Rosenberg auch durch die Ausarbeitung des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (Isek) bekannt wurde. Letzteres diente als Grundlage für die aktuelle Untersuchung.

Kein Bezug zur Altstadt

Wie ums informierte, betrachtete die Fachstelle für das neue Sanierungsgebiet eine Fläche von etwa 7000 Quadratmeter, an deren östlichen Rand sich das ehemalige Kaufhaus Storg und der Sparkassenplatz befinden. Im Norden und Nordosten wird es von der Rosenberger Straße, im Westen von der Adolph-Kolpingstraße sowie dem Sparkassenplatz und im Süden von der Flurstücksgrenze zwischen Flurstück 1259 und 600 begrenzt.

Den größten städtebaulichen Missstand machen die Stadtstrategen in ihrer Untersuchung in der Storg-Immobilie aus: „Die wahrscheinlich wichtigste Blickachse der Altstadt von der Rosenberger Straße in Richtung Rosenberg wurde in den 1970er Jahren mit dem Bau des Kaufhauses Storg verstellt.“ Die Einzelhandelsarchitektur nehme in ihrer Maßstäblichkeit, Fassadenstruktur und Materialität keinerlei Bezug zum historischen Kontext auf. Die unbehandelte, stark verschmutzte Betonfassade stelle nach Ansicht der Leipziger Experten eine hochgradig unbefriedigende Stadteingangssituation dar. Eine Fassadensanierung sei hier dringend geboten.

Rückbau oder Sanierung

In die Untersuchung flossen auch Aspekte des Denkmalschutzes in der nähren Altstadt-Umgebung ein, darunter Bastei 1 (ehemalige Realschule) oder Bayreuther Straße 8 (früheres Offiziersgebäude). Ein weiteres Augenmerk galt dem Verkehr und dem Straßenzustand. Hier wird unter anderem ein Umbau der Storg-Kreuzung von Grund auf favorisiert, um die unstrukturierte Wirkung zu beheben und die Fußgängerführung zu erleichtern. Sollte die Rinkenburger-Pläne zum Storg-Umbau realisiert werden, könnte der Komplex künftig über eine Zufahrt aus Richtung der Oberpfalz-Arkaden erreicht werden. In der Nähe befindliche Grünflächen sollten wenn möglich geschützt und die Aufenthaltsqualität dort gesteigert werden. „Die wirtschaftliche Situation und Entwicklungsfähigkeit des Gebietes wird durch den Sanierungsstau des ehemaligen Kaufhauses und die aufgegebene Einzelhandlungsnutzung stärker beeinträchtigt“, resümiert die ums-Studie.

Als Sanierungsziele formulieren die Experten barrierefreie Appartementwohnungen, Rückbau des Storggebäudes (Variante 1) oder dessen Sanierung (Variante 2) mit Bezügen zur historischen Altstadt und zum öffentlichen Raum. Außerdem eine Neuordnung des Kreuzungsbereiches zugunsten des Fuß- und Radverkehrs sowie ein Aufwertung der Grünfläche im südlichen Anschluss an das Storg-Kaufhaus sowie Realisierung der Fußwegachse von der Altstadt zu den Oberpfalz-Arkaden.

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„Dieser Bereich soll durch Sanierungsmaßnahmen wesentlich verbessert oder umgestaltet werden.“

Petra Schöllhorn, Stadtbaumeisterin

Das Sanierungsgebiet „Altstadt Sulzbach I“ mit den Hauptarealen Kreuzungsbereich (blau), Gebäude ehemaliges Kaufhaus Storg (rot) sowie verschiedene Grünflächen (gelb).

 

 

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