28.06.2020 - 16:23 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg tauscht Raritäten gegen Süßigkeiten ein

Wenn Dachböden aufgeräumt werden, kommt nicht immer nur Gerümpel zum Vorschein. Der evangelische Kindergarten An der Allee fördert Objekte ans Licht, die jetzt im Stadtmuseum Geschichte sichtbar machen.

Vier Pflege-Hilfsmittel aus vergangener Zeit , gefunden im ehemaligen Diakonissenhaus an der Allee.
von Helga KammProfil

Auch das gibt es: "Corona sei Dank!", sagt Edith Zimmermann, als ihr die Fundstücke ins Haus gebracht werden. Es sind Utensilien aus dem Pflegebereich, eine Wärmflasche aus Zinn und ein weiß emaillierter Nachttopf, beide aus den 1950/60er Jahren. Wesentlich interessanter aber sind vier größere Hilfsmittel, die der Museums-Leiterin nun überlassen wurden: zwei Rollstühle und zwei Toilettenstühle. Iris Kaiser, die Leiterin des Kindergartens, weiß auch um die Herkunft der Geräte. Sie stammen aus dem früheren Diakonissenhaus an der Allee, das 1897 erbaut, 1904 zum ersten und 1950/51 zum zweiten Mal erweitert wurde.

Damals, so Edith Zimmermann, war in diesem Haus eine Kleinkinderschule mit Handarbeitsunterricht für Mädchen und Mithilfe in der Krankenpflege. Als der Kindergarten eingerichtet wurde, landeten die Krankenpflege-Hilfsmittel auf dem Speicher, wo sie jetzt wieder entdeckt und dem Museum als Schenkung zur Verfügung gestellt wurden. Ein Rollstuhl mit Rädern aus Eisen und ein Toilettenstuhl mit einem emaillierten Topf aus Metall stammen aus der Zeit um 1900, sind also echte Raritäten. Der zweite Rollstuhl aus den 1950er-Jahren ist in der Breite zusammenklappbar und hat ein Rahmengestell aus Metall. Der Toilettenstuhl aus der selben Zeit ist fahrbar, hat ein Fußbrett aus Holz und einen ebenfalls emaillierten Topf. Noch stehen die Geräte im Eingangsbereich des Museums. Nach den laufenden Umräumarbeiten werden sie ihren endgültigen Platz finden. Gern nahm Edith Zimmermann von Iris Kaiser auch weitere Fundstücke entgegen: alte Spiele, Notenblätter und Märchenbücher, "Dinge, die es wert sind, für die Nachwelt erhalten zu bleiben". Für die Kleinen im Kindergarten gab es im Gegenzug eine Naschkiste als Dankeschön. Seit 1. Juni ist das Stadtmuseum wieder für Besucher geöffnet und bereitet sich mit Vorbehalt auf geplante Veranstaltungen im Herbst vor.

Vom 2. August bis 1. November ist die Ausstellung "Es muss noch etwas Höheres geben" der Künstlerin und Pflanzenmalerin Hildegard Christ vorgesehen. Außerdem hofft Zimmermann auf "Die lange Nacht der Museen" im Herbst.

Erinnerungen an den Museumstag im März

Sulzbach-Rosenberg
Edith Zimmermann (links) und Iris Kaiser mit ihren interessanten Fundstücken. Der Toilettenstuhl (rechts) und der Rollstuhl daneben stammen aus der Zeit um 1900.
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