09.05.2021 - 13:15 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

PunK-Verein erinnert an 8. Mai als "Tag der Befreiung"

76 Jahre Befreiung von der Nazi-Diktatur: Daran erinnerte der Sulzbach-Rosenberger Verein für Politik und Kunst (PunK) am Samstag, 8. Mai, mit einer Gedenkfeier. Stefan Dietl äußerte scharfe Kritik zur Debatte um die Hans-Watzlick-Straße.

Die PunK-Mitglieder Kathrin Birner, Stefan Dietl und Veit Stephan (von links) legen einen Blumenkranz am Kriegsgefangenen-Gedenkstein in der Schillerstraße nieder, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.
von Externer BeitragProfil

Der Sieg der Alliierten über die Nazi-Diktatur jährte sich am Samstag, 8. Mai, zum 76. Mal. In Sulzbach-Rosenberg hat der Verein für Politik und Kunst (PunK) daran erinnert und laut einer Pressemitteilung dazu im kleinen Kreis eine Mahnwache am Gedenkstein für die sowjetischen Kriegsgefangenen in der Schillerstraße abgehalten. Mit Schutzmasken und ausreichend Abstand legten die Teilnehmer Blumen nieder und erinnerten mit einer Schweigeminute und einer Ansprache an die historische Bedeutung des 8. Mai. Der Gedenkstein befindet sich an der Stelle im Stadtgebiet, wo im Zweiten Weltkrieg 58 vorwiegend sowjetische Kriegsgefangene bestattet worden waren.

Laut der Pressemitteilung machte Stefan Dietl in seiner Rede darauf aufmerksam, dass an diesem Tag die militärische Zerschlagung des Faschismus durch die Alliierten, Partisanen und Widerstandskämpfer gefeiert wird. Dietl zitierte aber auch den damaligen israelischen Premierminister David Ben-Gurion, demzufolge der „Tag des Sieges“ auch „ein trauriger Tag, ein sehr trauriger“ gewesen sei, an dem genauso den Opfern des Nationalsozialismus gedacht werde: Ermordeten Juden, Roma und Sinti, den politischen Oppositionellen, denjenigen, die im Kampf gegen die Nazibarbarei ihr Leben ließen und allen anderen, die dem deutschen Wahn zum Opfer fielen. In Sulzbach-Rosenberg seien dies insbesondere die Zwangsarbeiter, die in der Maxhütte für den Kriegsverbrecher Friedrich Flick Sklavenarbeit verrichten mussten.

Kritik an Watzlik-Straße

In der Ansprache erwähnte PunK-Mitglied Dietl auch die jahrzehntelange Verdrängung der Verbrechen, die teilweise bis heute nachwirke. „Selbst 76 Jahre nach Kriegsende werden bekennende Nationalsozialisten wie Hans Watzlik noch immer geehrt und Straßen sind nach ihm benannt. Der Slawenhasser und Antisemit Watzlik hat zu den lautesten Propagandisten des deutschen Vernichtungswahns gehört und auch nach der Zerschlagung des NS-Regimes an der nationalsozialistischen Ideologie der Vernichtung und an seiner Verehrung für Adolf Hitler festgehalten“, sagte Dietl am Gedenkstein in der Schillerstraße. Mit Blick auf die Debatte um der nach Hans Watzlik benannten Straße und dem Vorschlag, das Straßenschild mit mit einem ergänzenden Hinweis zu versehen, äußerte Dietl scharfe Kritik: Auch mit der Anbringung eines Schilds werde die Ehrung Watzliks weiter fortgesetzt. „Dies ist ein Hohn für die Opfer der deutschen Vernichtungspolitik, die nicht zuletzt Watzlik propagierte.“

Der Sulzbach-Rosenberger PunK-Mitglieder schließen sich zudem der Forderung des Vereins der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und ihrer Ehrenvorsitzenden Esther Bejerano an, den 8. Mai bundesweit zum Feiertag zu machen. Der Tag solle dazu genutzt werden, die Befreiung vom Nationalsozialismus zu feiern und die kritische Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus zu fördern.

Jiddisches Lied

Zu Ehren der in Sulzbach-Rosenberg beerdigten Kriegsgefangenen legte der Verein am Samstag Blumen am Grabstein nieder. Veit Stephan rezitierte den „Chor der Geretteten“ der jüdischen Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs, die 1940 in letzter Minute aus Berlin vor der Deportation fliehen konnte. Nach einer Schweigeminute für alle, die im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen den Faschismus ihr Leben ließen, wurde die Versammlung musikalisch abgerundet mit dem jiddischen Lied „Sog nischt kejnmol“, das nach dem Warschauer Ghettoaufstand entstand und sich zum Symbol für den Widerstand entwickelte.

Die nach NS-Sympathisant Hans Watzlik benannte Straße in Sulzbach-Rosenberg soll umbenannt werden

Sulzbach-Rosenberg

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