01.03.2021 - 17:03 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Protest der Gastronomen: Wirte wollen spätestens Ostern öffnen

Sulzbach-Rosenberger Wirte reagieren bei Protest mit Unverständnis. Während Baumärkte und Friseure öffnen dürfen, bleiben die Zapfhähne weiterhin trocken.

Ein festlich gedeckter Tisch und ein Hotelbett dienten den örtlichen Gastronomen als Symbole, um Gleichbehandlung bei den Öffnungen einzufordern.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Ein festlich gedeckter Tisch und ein Hotelbett sieht man nicht alle Tage vor dem gotischen Rathaus. Symbolträchtig protestierten damit am Montag die Wirte der Sulzbach-Rosenberger Ortsgruppe des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bayern), um auf ihre momentane Perspektivlosigkeit aufmerksam zu machen. Deutschlandweit zeigen sich Hoteliers und Gastronomen solidarisch, um im Vorfeld der nächsten Bundländer-Gespräche am Mittwoch, 3. März, auf die nach eigenen Angaben verzweifelte Situation ihrer Betriebe hinzuweisen. Mittlerweile sei die Branche seit März 2020 insgesamt sechs Monate geschlossen.

Der Protest in der Altstadt mit fast allen Vertretern der örtlichen Wirte – eine gleich gelagerte Aktion ging auch in Illschwang mit DEHOGA-Bezirksvorsitzendem Hans-Jürgen Nägerl vom Weißen Ross über die Bühne – erregte durchaus Aufmerksamkeit bei den Passanten, die unisono viel Verständnis für die Anliegen der Gastronomie aufbrachten. Doch auch die strahlende Sonne, die am Montag auch vor dem Rathaus zu spüren war, vermochte die Stimmung der demonstrierenden Wirte nicht aufhellen.

Keine Neidgedanken

Christian Sperber vom gleichnamigen Brauereigasthof erteilte jeglichem Neidgedanken gegenüber Branchen, die öffnen durften, gleich eine Absage. „Wir wollen vielmehr für unseren Zweig klare Perspektiven, mit denen uns gesagt wird, welche Bedingungen gelten müssen, um richtig ins Frühjahr und in den Sommer starten zu können.“ Martin Lotter verwies für seinen Hotelgasthof auf die Situation, dass bei einem Neustart auch noch zusätzlich Geld aufgewendet werden müsse, da die Geschäfte ja anfangs auch nur verhalten anlaufen würden, aber fast der gleiche Aufwand dafür betrieben werde.

Hans-Jürgen Nägerl hatte als Bezirksvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes in Illschwang am Dorfplatz ebenfalls vor dem Rathaus symbolisch einen Tisch gedeckt. Er stellte im Beisein von Illschwangs Bürgermeister Dieter Dehling angesichts der aktuellen Infektionen fest, dass die Maßstäbe und Inzidenzwerte, die für Öffnungen in anderen Branchen gelten, wie zum Beispiel Einzelhandel oder auch Baumärkte, auch für das Gastgewerbe gelten müssten. Einen fortgesetzten Teil-Lockdown, also weitgehende Schließungen als Dauerzustand, während andere öffnen dürfen, akzeptieren wir nicht. Wenn vergleichbare Branchen wie der Einzelhandel wieder öffnen dürfen, muss es auch im Gastgewerbe wieder losgehen – und zwar so, dass die Betriebe wirtschaftlich arbeiten können“, so Hans-Jürgen Nägerl.

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2500 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Vor dem Hintergrund, dass im Gastgewerbe alleine im Landkreis Amberg-Sulzbach und in der Stadt Amberg etwa 2500 Arbeitnehmer in Kurzarbeit seien, Umsatzrückgänge von 40 Prozent im Gastrobereich und in der Hotellerie um 65 Prozent verzeichnet würden, forderte Achim Kiel vom Hotelgasthof Bayerischer Hof auch von den Kommunen ein Stück weit konstruktive Solidarität, in dem sie beispielsweise größtmögliche Flexibilität für das Nutzen von Außenbereichen zeigen, um den Geschäftsbetrieb wieder etwas leichter ankurbeln zu können.

„Unsere Hygienekonzepte waren sehr professionell angelegt und mit höchster Sorgfalt ausgearbeitet. Und das die Gastronomie nicht schuld war am Infektionsgeschehen, konnte man daran sehen, dass die Inzidenzen angestiegen sind, obwohl unsere Häuser geschlossen waren“, gibt Christian Sperber am Protest-Platz zu bedenken. Nägerl verweist zudem auf die Öffnung von Frühjahr bis Herbst 2020, während der die Betriebe des Gastgewerbes bewiesen hätten, dass ihre Hygienekonzepte in allen Betriebsteilen innen und außen funktionieren. „Wir übernehmen natürlich auch gerne Verantwortung für unsere Mitarbeiter, weshalb eine Perspektive unerlässlich ist“, richtet Michael Sperber den Blick auf die Beschäftigten. „Es sollte also bald eine klare Aussage geben, wie etwa, dass wir spätestens an Ostern wieder öffnen dürfen“, fassten Renate und Achim Kiel die Kernaussage der Protestaktion zusammen.

Friseure, Baumärkte, Nagelstudios

Ansonsten fiel die Öffnung von Baumärkten, Friseursalons und Maniküre-Studios in Sulzbach-Rosenberg eher verhalten aus. Obi-Marktleiter Werner Vogentanz sprach von einem relativ ruhigen Tag und auch der Betriebsablauf im Nagelstudio von Cornelia Can lief aufgrund rechtzeitiger Vorplanung reibungslos. Wie nicht anders zu erwarten, konnten Sulzbach-Rosenbergs Friseure nicht über mangelnde Arbeit klagen. „Es gab zwar keine Schlangenbildung, weil wir ja nur nach Terminvergabe arbeiten dürfen, aber trotzdem sind wir auch für die nächste Zeit ausgebucht und kommen wenig zum Verschnaufen“, schilderte Chefin Tanja Häckl von der Haarwerkstatt in der Rosenberger Straße die Situation.

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Sulzbach-Rosenberg

Unsere Hygienekonzepte waren sehr professionell angelegt und mit höchster Sorgfalt ausgearbeitet.

Bräu Christian Sperber

 

 

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