20.08.2020 - 17:32 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Obststiegen aus der Region für die Region

Zwölf Einzelteile, Schrauben, Klammern, schon ist es fertig, das Gemeinschaftsprojekt der Öko-Modellregion mit den Jura-Werkstätten Amberg-Sulzbach: Menschen mit Behinderung fertigen Holzkisten für Streuobst. Sie finden guten Absatz.

Im Frühjahr glänzen Streuobstbestände (im Bild Annaberg-Nordhang) neben ihrem hohen ökologischen Wert auch mit optischen Reizen. Für ihre schmackhaften Früchte, wie etwa Äpfel, Birnen oder Zwetschgen, bauen Menschen mit Handicap jetzt Obstkisten in den Jura-Werkstätten in Sulzbach-Rosenberg.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Das Endprodukt einer neuen Idee in der Öko-Modellregion Amberg-Sulzbach und Region Amberg ist eine zirka 60 x 40 cm große Holzkiste, in der Obst gelagert werden kann. Eine erste Charge wurde von Menschen mit Behinderung in den Jura-Werkstätten in Sulzbach-Rosenberg seit Mitte Mai produziert, nun kommen die Obststiegen in den Verkauf. Landrat Richard Reisinger, Jura-Werkstätten-Geschäftsführer Bernhard Albrecht und Vorsitzender Eduard Freisinger sowie Barbara Ströll, Projektmanagerin Ökomodellregion, rühren dafür nun die Werbetrommel.

Stabile Sache

Aus zwölf Einzelteilen aus hochwertigem Schreinerholz sowie einigen Schrauben und Klammern wird die stabile Obstkiste zusammengebaut. Das übernehmen in der Regel twei bis drei Menschen mit Behinderung. "Rund 60 Stück haben die Mitarbeiter der Schreinerei der Jura-Werkstätten in den vergangenen Wochen hergestellt", teilt die Pressesprecherin des Landkreises, Christine Hollederer, unserer Zeitung mit.

Landrat Richard Reisinger lobte beim Pressetermin zum Verkaufsstart der Holzkisten deren "saubere Verarbeitung und robuste Qualität". Der Landrat, zugleich Vorsitzender vom Kreisverband für Gartenkultur und Landespflege Amberg-Sulzbach sowie vom Landschaftspflegeverband Amberg-Sulzbach, dem Träger der Öko-Modellregion, kaufte privat auch gleich die ersten drei Kisten der neuen Produktion der Jura-Werkstätten.

Die Idee zu den Holzkisten hatte Barbara Ströll. Für das Öko-Modellregion-Projekt "Kulturerbe Streuobst - Vielfalt pflegen, entwickeln und nutzen", mit dem die Menschen im Amberg-Sulzbacher Land motiviert werden sollen, die Streuobstkultur weiter zu pflegen, suchte die Projektmanagerin nach optisch ansprechenden und zugleich praktischen Obststiegen zum Lagern von Äpfeln und Birnen.

Prototyp entworfen

Sie wurde aber in der Region nicht fündig. Dann kam ihr der Gedanke, die Obststiegen regional fertigen zu lassen. Ein wichtiger Wegbereiter für das Projekt war Schreinermeister Christoph Birner. Der Leiter der Schreinerwerkstatt der Jura-Werkstätten entwarf den Prototypen. "Wer Streuobst erntet und lagern möchte, kann nun die schönen hölzernen Obststiegen nutzen, die in Sulzbach-Rosenberg hergestellt wurden", freute sich Barbara Ströll beim Pressetermin.

Bernhard Albrecht, dem Geschäftsführer der Jura-Werkstätten Amberg-Sulzbach, erklärte stolz: "Die Kisten können ab sofort zum Preis von 16,50 Euro pro Stück erworben werden. Der passende Deckel dazu kostet 6,95 Euro." Um die Kisten mobil zu machen, bieten die Werkstätten auch ein dazu passendes Lenkrollenbett für 16,95 Euro an. Und auch komplette Sets, bestehend aus vier Kisten, Rollbrett und Deckel, stehen für 84,95 Euro zum Verkauf.

Die stabilen Holzkisten werden sowohl im Werkstattladen "Ein & Alles" im Gebäude von "JuraGrün" in der Eisenhämmerstraße 34 in Sulzbach-Rosenberg als auch nach vorherigem Anruf (09661/106-106) bei den Jura-Werkstätten in Amberg, Raiffeisenstr. 7 verkauft. Geschäftsführer Bernhard Albrecht ist auch auf der Suche nach weiteren Verkaufsstellen in der Region.

Mehr zur Öko-Modellregion Amberg-Sulzbach

Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach
Hintergrund:

Porträt Jura-Werkstätten

  • Die Jura-Werkstätten Amberg-Sulzbach sind ein eigenständiger Verein unter dem Dach der Lebenshilfe Kreisvereinigung Amberg-Sulzbach.
  • Gründung 1969 mit dem Ziel der Schaffung und Bereitstellung von Arbeitsplätzen sowie der beruflichen Integration von Menschen mit geistiger Behinderung. Seitdem Entwicklung zu einem leistungsstarken, zertifizierten Fertigungs- und Dienstleistungsbetrieb für Kunden aus den verschiedensten Geschäftsfeldern.
  • Zwei Standorte in Amberg und Sulzbach-Rosenberg, dort werden mehr als 450 Menschen mit Behinderung individuell gefördert, betreut und beschäftigt. Neben Menschen mit geistiger Behinderung finden fast 60 psychisch kranke Menschen einen geregelten Tagesablauf.
  • Angebotsportfolio: Neben eigenen Produkten aus Schreinerei und Grünbereich auch Produkte aus anderen Werkstätten bzw. Lebenshilfeeinrichtungen, wie Hochbeete nach Maß, Pflanztröge, Schwedenfeuer, Feuerschalen, Holzdekorationen, Keramikartikel, Feinkost, Kerzen, Geschenkkörbe usw.
  • Der Lebenshilfe-Verein Amberg-Sulzbach mit seinen drei Untervereinen ist mit mehr als 1000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Region. Durch individuelle Förderung und betreute Teilnahme am Arbeitsleben ist die Lebenshilfe nicht nur eine Rehabilitationseinrichtung, sondern auch ein langjähriger und zuverlässiger Partner für Industrie und Handwerk.
Tipps:

Streuobst lagern

Die Streuobstsaison beginnt jetzt. Die ersten Sommeräpfel und -birnen werden schon reif. Die sollte man am besten gleich essen oder zu Kompott verarbeiten. Ab Mitte August werden Äpfel reif, die bis zu drei Wochen lang gelagert werden können. Der "Jakob Fischer" ist beispielsweise so ein Sommerapfel. Die richtigen Lageräpfel wie Brettacher oder Welschisner, die über den Winter gelagert werden können, werden erst ab Mitte Oktober reif. Einen reifen Apfel erkennt man daran, dass sich der Apfelstiel leicht abbrechen lässt vom Baum.

In der Schreinerei der Jura-Werkstätten präsentierten (von links) Werner Prüll (Technischer Leiter), Mitarbeiter Hubert Scheffmann, Geschäftsführer Bernhard Albrecht, Landrat Richard Reisinger, Eduard Freisinger (Vorsitzender Jura-Werkstätten) und Öko-Modellregion-Projektmanagerin Barbara Ströll die regionalen Holzkisten.

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