25.04.2021 - 13:43 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Mehr Platz zum Bewirten: Sulzbacher Wirte erfreut über Ideen von SuRo2030

Kaum eine Branche leidet so unter Corona wie die Gastronomie. Auch manche Wirte in der Sulzbacher Altstadt kämpfen um ihre Existenz. SuRo2030 will helfen und deutlich mehr Freischankflächen ausweisen – auch auf Gehwegen und Parkplätzen.

Noch herrscht am Luitpoldplatz gähnende Leere. Doch wenn die Außengastronomie wieder öffnet, ist der Platz prädestiniert für als Bewirtungsfläche nicht nur für das Café Stadtgespräch - sondern vielleicht auch als erweiterter Biergarten für den Bayerischen Hof.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Im Sommer wird alles besser. Das zumindest hoffen die Wirte auch in Sulzbach-Rosenberg. Wenn in den warmen Monaten die Corona-Inzidenz sinken sollte, werden Cafés, Restaurants und Kneipen zumindest die Außengastronomie wieder öffnen dürfen. Durch die strengen Abstandsregeln bleiben aber hohe Umsatzeinbußen. Genau hier will SuRo2030 ansetzen.

Der Antrag der Stadträte Doris Schmidt-Hartmann, Martin Kunert und Ralf Volkert sieht vor, mit einer unkomplizierten und temporären Erweiterung der Freischankflächen im Bereich der Sulzbacher Altstadt Gastronomen mehr Platz für Tische und Stühle zu gewähren. Damit könnten sie trotz Corona-Abstand die gleiche Anzahl an Gästen bewirten und Umsatzausfälle leichter ausgleichen. Weil im Sommer voraussichtlich weder Altstadtfest noch Woizkirwa stattfinden, sei dies umso wichtiger.

Um keine unnötigen Hürden zu schaffen, plädieren die SuRo2030-Vertreter mit Hinblick auf die Antragstellung bei der Stadt für ein „unbürokratisches und kostengünstiges Vorgehen“. Wichtig ist auch: Weil in der Altstadt der Platz knapp ist, müssen andere Fläche zumindest zeitweise für die Restaurant-Flächen weichen. „Dies würde eine Umnutzung bestehender Parkplätze in Sitz- oder Gehwegflächen erfordern“, schreiben die Antragsteller.

Oberpfalz-Medien hat ein Stimmungsbild eingeholt – bei den meisten Wirten stößt der Vorschlag auf große Zustimmung.

Ristorante Imperatore

Für Inhaber Leo Doci wäre es „eine große Hilfe“, wenn er Teile des Gehwegs vor seiner Pizzeria in der Rosenberger Straße als Restaurantfläche nutzen könnte. Einen Antrag dazu hat er beim Ordnungsamt der Stadt bereits eingereicht. „Ich würde acht Tische mit je vier Plätze aufstellen. Wenn das genehmigt würde – das wäre super.“ Vier Mitarbeiter hat Doci, keinen habe er in der Krise entlassen, aber: „Das Virus geht dieses Jahr nicht weg, der Abholservice gleicht die Verluste nicht aus, ich brauche dringend mehr Kunden.“ Auch einen Pizza-Verkaufsbus würde Doci gerne vor seinem Restaurant aufstellen – „damit das Personal nicht immer in den ersten Stock laufen muss.“

Avanti Pizza-Döner-Imbiss

„Wenn die Sonne raus kommt, wollen die Leute unter freiem Himmel sitzen, draußen ist einfach eine andere Welt“, sagt Gjem Meta. Der Imbiss-Betreiber würde es begrüßen, könnte er vor seinem Döner-Laden Tische für Kunden aufstellen – weniger auf dem Gehweg, sondern: „Zwei Parkplätze für Sitzflächen zu blockieren, das wäre ein Traum und eine tolle Corona-Hilfe für mich“, schwelgt er in Vorfreude. Auch die Stadt selber könnte davon profitieren: „Ein bisschen Gebühr wäre in Ordnung für mich“, deutet Meta Zahlungsbereitschaft an.

Eis Europa

Den Vorschlag von SuRo2030 findet Simone Bittus gut, er selbst ist aber auch ohne Erweiterung mit seiner Bewirtungsfläche zufrieden. „Ich bin eine Eisdiele, die Leute sitzen bei mir nicht so viel, die meisten nehmen das Eis nur mit“, sagt er. Die vier Tische vor seinem Laden würden ausreichen. Einen Wunsch äußert der 42-Jährige unter Lachen aber dennoch: „Das Wetter könnte für meine Eisdiele besser sein.“ Hierfür mag die Stadtpolitik zwar Verständnis haben, doch ob sie ihm dabei helfen kann, bleibt fraglich.

„Der Parkraum ist sowieso sehr knapp, jeder Gastronom sollte darauf achten, dass Parkplätze erhalten bleiben.“

Hotel-Chefin Hermine Sperber

Hotel-Chefin Hermine Sperber

Brauereigasthof Sperber

Hotel-Chefin Hermine Sperber findet den Vorschlag für mehr Freischankfläche grundsätzlich gut – jedoch nur auf den Gehwegen. „Wir würden das Angebot annehmen und vor unserem Biergarten am Fahnenmast zwei bis vier Extra-Tische aufstellen.“ Diese Corona-Hilfe müsse allerdings gebührenfrei sein. „Das sollte die Stadt kostenlos anbieten“, plädiert Sperber. „Die Tische würden über Nacht sowieso wieder weggeräumt.“

Ein Hinweis aber liegt der Gastronomin besonders am Herzen: „Wichtig ist, dass keine Parkplätze geopfert werden, die brauchen wir für die Hotelgäste.“ Sperber denkt auch an die ganze Altstadt. „Der Parkraum ist sowieso sehr knapp, jeder Gastronom sollte darauf achten, dass Parkplätze erhalten bleiben.“ Viele würden nur für einen kurzen Einkauf oder eine Kaffee in die Stadt kommen. „Niemand stellt sich dafür extra auf den Großparkplatz und geht zu Fuß rein. Ohne Parkplätze blutet die Altstadt aus.“

Café B1 Hierstetter

Zwischen Haarstudio Daniela und Elektro Erras gelegen, ist das Café B 1 zwar ein Kundenmagnet, hat aber nur eine begrenzte Außenfläche zur Verfügung. Mehr Raum für Tisch – „an sich wäre das natürlich super“, freut sich Inhaberin Beatrix Hierstetter. Doch die 59-Jährige wird ihr Café vorerst wahrscheinlich gar nicht öffnen. „Wir sind uns einig“, sagt sie über sich und ihr Team, „dass wir nur aufmachen, wenn die Corona-Testpflicht wegfällt. Wir bauen doch nicht extra eine Schnellteststation auf. Das ist ja verrückt und viel zu kompliziert.“

Die meisten Kunden kämen spontan auf einen „schnellen Kaffee“, weil sie einen Bekannten dort sitzen sehen oder auf einen Arzttermin warteten. Eine viertel Stunde auf das Testergebnis wird niemand warten wollen, vermutet Hierstetter. „Viele meiner Stammkunden haben schon zu mir gesagt: ‚Wenn ich wegen einem Kaffee extra einen Schnelltest machen muss, komme ich gar nicht.‘“

Auch die Kosten seien zu hoch. „Ein Kaffee kostet bei mir circa 2,50 Euro, ein Schnelltest 5 Euro. Unterm Strich müsste der Kunde 7,50 Euro für einen Kaffee zahlen – das macht niemand.“

Bayerischer Hof

Schon im vergangenen Sommer hat der Hotelgasthof seinen Biergarten in die Hofeinfahrt an der Schlossauffahrt ausgedehnt. Auch hierfür war die Genehmigung der Stadt nötig, die sei auch erteilt worden, sagt Joachim Kiel von der Wirtsfamilie.

Dass der Bayerische Hof seine Bewirtungsfläche über die Straße hinweg auf den Luitpoldplatz ausdehnt und dort vielleicht sogar fließend in die Gastrofläche vom Café Stadtgespräch übergeht, könne er sich gut vorstellen. Dies sei nicht nur für den Hotelgasthof gut, sondern auch für die Stadt. „Der Luitpoldplatz ist das Herzstück von Sulzbach. Ich kann der Stadtführung nur den Rat geben: ‚Belebt die Außenflächen!‘ Corona ist heute, aber die Attraktivität der Stadt muss langfristig gestaltet werden“, hat Kiel klare Erwartungen. Auch das Thema Verkehrsberuhigung müsse in diesem Zusammenhang erörtert werden.

Die Erweiterung der Freischankflächen müsse für Wirte unbedingt kostenlos sein, fordert der Co-Chef des Bayerischen Hofs. „Wir Gastronomen haben in Coronazeiten keinen einzigen Penny übrig. Wir leben von privaten Rücklagen, haben niemanden entlassen und fahren die Mitarbeiter auf Kurzarbeit. Da erwartet ich von der Stadt Solidarität, dass man den Wirten die Chance gibt, die Verluste auch auszugleichen.“ Nötig seien nun keine „Sonntagsreden am Podest mit tollen Hilfsversprechen, sondern spürbare Hilfe“, appelliert der Co-Chef an die Stadtverwaltung.

Brauereigasthof Fuchsbeck

In die gleiche Kerbe schlägt Inhaber Armin Ertel. Die Stadt müsse unkompliziert und „ohne bürokratische Hürden helfen“. Schon im vergangenen Jahr wollte er in seinem Biergarten Tische aufstellen. Das durfte er auch, aber erst nach viel Ärger. „Es gab alle möglichen Bedenken wegen Brandschutz. Die Stadt sollte es uns leicht machen, aber es war nur Schikane“, schimpft Ertel. In Amberg sei das Ordnungsamt und die Polizei offensiv auf Wirte zugegangen und habe sogar noch Tipps gegeben, welche Lösungen am besten seien. Das wünsche er sich auch in Sulzbach-Rosenberg.

Braumeister Ertel sagt, er brauche keine extra Flächen auf Gehwegen oder Parkplätzen. Er hofft aber, dass er, wie 2020, in seinem Hof wieder Tische mit 200 Sitzplätzen wird aufstellen dürfen. Dazu hat er zwei eindringliche Wünsche: „Das muss diesmal unbedingt ohne bürokratische Hürden gehen.“ Und wenn die allgemeine staatliche Ausgangssperre einmal Geschichte sein sollte, müsse die Stadt die Sperrstunde „dringend bis 24 Uhr ausdehnen“. „Wenn um 22 Uhr Schluss sein muss, da kannst du ja nichts machen, das ist müßig.“

Legendäre Disko am Stadtrand von Sulzbach-Rosenberg

Kropfersricht bei Sulzbach-Rosenberg
Kommentar:

Mehr Leben in die Stadt bringen – ohne Hürden!

„Große Hilfe.“ „Super Idee.“ „Ein Traum.“ Mit dem Vorschlag nach mehr Freischankflächen in der Sulzbacher Altstadt, haben die Stadtrats-Neulinge von SuRo2030 sichtlich gepunktet. Zumindest bei den hiesigen Wirten haben sie offene Türen eingerannt. Zwar hat es die Regelung, einzelnen Lokalen mehr Bewirtungsfläche zu genehmigen, auch im vergangenen Sommer schon gegeben – aber nur im kleinen Rahmen. Dies gilt es im zweiten Corona-Sommer nun ohne amtliche Hürden für die Antragsteller schnell und unkompliziert zu regeln. So schaut wirkliche Hilfe für unsere Traditions-Gaststätten in schweren Zeiten aus.

Die Debatte über mehr Raum für die Außengastronomie sollte zudem größer gedacht werden. Es kommt nun darauf an, ob der konstruktive Vorschlag versandet oder sich zu einem wichtigen Impuls für die gesamte Innenstadt-Entwicklung auswächst. Oberstes Ziel sollte eine Belebung der Altstadt sein – und zwar über Corona hinaus.

Von Tobias Gräf

 

 

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