15.07.2021 - 10:09 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

MdL Sabine Weigand (Grüne) auf Denkmal-Tour durch Sulzbach-Rosenberg

Das Kommunale Denkmalkonzept als Problemlösung für die Innenstadt? Ob und wie das funktionieren kann, darüber sprach Sabine Weigand, Landtagsabgeordnete der Grünen, mit Fachleuten in Sulzbach-Rosenberg.

Alfons Swaczyna (rechts) war vor seiner Pensionierung mit der Instandsetzung der Steinernen Brücke und der Neugestaltung des Neupfarrplatzes über den Resten der mittelalterlichen Synagoge betraut. Er diskutierte mit Sabine Weigand über seine Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege.
von Heidi FranitzaProfil

Kann ein Kommunales Denkmalkonzept (KDK) eine konkrete Hilfestellung für strategische Überlegungen zum Umgang mit den Denkmalwerten von Sulzbach-Rosenberg geben? Diese Frage stellte die Landtagsabgeordnete der Grünen, Sabine Weigand, auf ihrer Denkmal-Tour während einer kurzen Diskussion über das Anwesen Möbel Bauer in den Raum.

Schwerpunkt jüdisches Leben

Schon vergangenes Jahr hatte sich die Politikerin und Schriftstellerin für einen Besuch in Sulzbach-Rosenberg angemeldet, musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen den Termin absagen, hieß es. Die Denkmal-Tour 2021 klappte nun. Für die Nürnbergerin ist Sulzbach-Rosenberg ein Heimspiel, kennt sie doch die Stadt bereits aus mehreren Vorstellungen und Lesungen ihrer historischen Romane in der Buchhandlung Volkert. Ihre Denkmaltour mit dem Schwerpunkt über das jüdische Leben in Sulzbach führte in die Synagoge, den Seidel-Saal, die Hof-Apotheke, das neue Konzept Wohn-mal-im-Museum und den jüdischen Friedhof. Begleitet wurde sie von der Landtagsabgeordneten Anna Schwamberger, Stadtrats- und Kreistagsmitgliedern der Grünen und zahlreichen Interessierten. Darunter war auch Sebastian Mickisch, der Referent des Landesamtes für Denkmalpflege, und Alfons Swaczyna, der bis Dezember 2012 in verantwortungsvoller Position im Tiefbauamt in Regensburg tätig war und mit der Instandsetzung der Steinernen Brücke und der Neugestaltung des Neupfarrplatzes über den Resten der mittelalterlichen Synagoge viel Erfahrung auf dem Gebiet der Denkmalerhaltung hat, hieß es.

Erst Bestandsaufnahme nötig

So wurde bei der Betrachtung des Objekts Möbel Bauer in der Bindergasse (ehemals Landratsamt und früher hebräische Druckerei) eine Diskussion entfacht, die bekannte Fakten in neues Licht rückte. Sebastian Mickisch erklärte, dass bei so großen Anwesen zuerst eine Bestandsaufnahme nötig sei. Diese könne nicht nur vom Besitzer, sondern auch von der Kommune oder Interessenten beauftragt werden. Mickisch erklärte die Dialogbereitschaft des Landesamtes für Denkmalpflege so: „Oft ist es so, dass nicht alle Gebäudeteile erhaltungswürdig sind. Wichtig ist es, das Denkmal einer Nutzung zuzuführen. Das schließt selbstverständlich den Bau von Wohnungen ein. Man muss nur miteinander reden.“ Sabine Weigand kommentierte die Aussage mit dem Hinweis, dass solche Projekte ideal für eine Stadtbau-Gesellschaft sind. Stadträtin Yvonne Rösel wies darauf hin, dass die Stadtbau der Herzogstadt im Moment ruhe, aber jetzt Anstrengungen erkennbar seien, die Gesellschaft zu reaktivieren. In die Diskussion brachte Alfons Swaczyna seine Erfahrungen aus Regensburg ein. Abschließend sagte er: „Die Kooperationsbereitschaft des Landesamtes für Denkmalpflege und die Untere Denkmalbehörde als Genehmigungsbehörde ist oft gegensätzlich. Sehr oft wird politisch entschieden.“ Mit Kopfnicken bestätigten die Anwesenden diese Aussage.

Bauliche Werte der Stadt

In diesem Zusammenhang brachte Weigand das KDK, das Kommunale Denkmal-Konzept ein. „Wichtiger Bestandteil des KDK ist eine intensive Bürgerbeteiligung, um das Bewusstsein für die historischen, baulichen und städtebaulichen Werte der Stadt zu stärken.“ Sie legte der Grünen-Stadtratsfraktion nahe, sich darum zu kümmern und entsprechende Anträge auf den Weg zu bringen. Wertvolle Informationen und Beispiele dazu biete auch die Broschüre des BLfD „Denkmalpflege Themen“.

Das KDK-Thema wurde auch gruppenweise bei den anschließenden Besichtigungen immer wieder erörtert und fand auch seine Fortsetzung auf dem jüdischen Friedhof. Hier gehe es aktuell um die Erfassung der Gräber, so Stadtarchivar Johannes Hartmann.

Interessantes über die Sulzbacher Synagoge

Sulzbach-Rosenberg
Stadtheimatpfleger Markus Lommer und Sabine Weigand auf dem Weg zum jüdischen Friedhof. Markus Lommer wies dabei auf die Sanierung der Deponie Erzhülle hin.
Hintergrund:

Kommunales Denkmalkonzept

Das Kommunale Denkmalkonzept (KDK) ist ein Angebot des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und richtet sich an alle Gemeinden in Bayern, die sich mit ihrem historischen baulichen und städtebaulichen Erbe auseinandersetzen und es bewahren wollen. Das Ziel ist der eigenverantwortliche Umgang mit dem historischen Erbe unter Beteiligung von Politik, Verwaltung, Bürgern und Investoren. Es soll dazu beitragen, Bürger und Gemeinden bei der Bewahrung der baukulturellen Identität ihrer Heimat zu unterstützen. Es besteht aus den Modulen Erfassung und Bestandsanalyse der Denkmalwerte, Planung und Angebotsebene. Wichtiger Bestandteil des KDK ist eine intensive Bürgerbeteiligung, um das Bewusstsein für die historischen, baulichen und städtebaulichen Werte der Stadt zu stärken. (Download unter https://www.blfd.bayern.de/mam/information_und_service/publikationen/den...).

 

 

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