14.04.2021 - 09:44 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Max Aicher will Rohrwerk verkaufen: Was wird aus den 460 Arbeitsplätzen?

Braut sich für das Rohrwerk in Sulzbach-Rosenberg ein düsteres Szenario zusammen, oder folgt auf den Verkauf der wirtschaftliche Befreiungsschlag?

Ob sich die Wolken über dem Rohrwerk zu einem Unwetter für das Unternehmen zusammenbrauen, hängt von der Ausrichtung nach dem Verkauf ab.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Ruhiges Fahrwasser sieht für einen Betrieb in der Stahlrohrbranche wahrlich anders aus. Im Rohrwerk Maxhütte, das mit 460 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern in Sulzbach-Rosenberg zählt und zur Max-Aicher-Stiftung mit Sitz in Freilassing gehört, wollen sich die Wogen einfach nicht glätten. Für Gerüchte und Unruhe sorgen die Pläne von Konzernchef Max Aicher, das Rohrwerk aus seiner Unternehmensgruppe zu lösen und zu verkaufen.

Dazu seien nach Angaben von Betriebsratsvorsitzendem Karl-Heinz König in letzter Zeit 18 Interessenten-Delegationen durchs Werk an der Franz-Kunze-Straße geführt worden. Eine Entscheidung, so war aus dem Büro des kaufmännischen Geschäftsführers Harry Nimmerjahn zu erfahren, sei bis dato nicht gefallen. „Die endgültige Entscheidung trifft Freilassing, und dann erfahren wir die Ergebnisse“, so der Rohrwerk-Manager. Was diese Vorgänge für die rund 460 Beschäftigten des Rohrwerks bedeuten, bleibt so weiter unklar.

Stiftung prüft Konzepte

Ähnliches ist aus der Zentrale in Freilassing zu hören. Wie Angela Aicher, die für Marketing und Unternehmenskommunikation der Max-Aicher-Unternehmensgruppe Verantwortung trägt, auf Nachfrage erklärt, prüfe die Max-Aicher-Stiftung gerade Optionen für ihr Tochterunternehmen Rohrwerk Maxhütte. „Das Rohrwerk litt in den letzten Jahren stark unter den Folgen der Wettbewerbsverzerrungen in der Rohrbranche durch Billigimporte aus Asien, der Automobilbranche im Jahr 2019 und der Corona-Pandemie.“ Derzeit würden Gespräche mit Investoren geführt, die das Rohrwerk mit einem zukunftsfähigen Konzept wieder profitabel machen möchten. Nach Prüfung der Konzepte folge eine Entscheidung, skizziert die Tochter des Konzernchefs und Stiftungsvorsitzenden Max Aicher die Vorgehensweise.

Investitionen angekündigt

Diese Sehnsucht nach Sezession mag vielen Beobachtern der Branche zum jetzigen Zeitpunkt etwas verwunderlich vorkommen. Denn erst vor gut einem Jahr brachten Aicher-Stiftung, IG Metall und Betriebsrat die immer wieder geforderte Festschreibung eines Investitionskonzeptes mit einem zweistelligen Millionen-Euro-Volumen in Maschinen und Anlagen auf den Weg. So sollte das seit 2013 in den roten Zahlen stehende Rohrwerk Maxhütte wieder konkurrenzfähig werden. Scheinbar nur eine Luftnummer, wie die aktuellen Entwicklungen nahelegten, meint Udo Fechtner, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Amberg.

„Was wir zum jetzigen Zeitpunkt wissen, ist die Tatsache, dass Max Aicher überlegt, das Rohrwerk zu verkaufen. Bis jetzt gibt es aber noch keine Entscheidung. Ob es sich um das ganze Werk oder nur um bestimmte Teile handelt, ist uns nicht bekannt. Es könnte ja auch sein, dass es sich Max Aicher – wie die Vergangenheit lehrt – am Ende wieder ganz anders überlegt“, sagt Fechtner.

20 Millionen Euro gespart

Wie immer war es den Gewerkschaftern wichtig, auch auf die Beiträge der Belegschaft hinzuweisen, die ihrer Ansicht nach enormen Anteil an der Standortsicherung des Rohrwerks hätten. Prominentestes Beispiel sei hier der Sanierungstarifvertrag, mit dem sich nach Berechnungen der Arbeitnehmervertreter die Aicher-Gruppe etwa 20 Millionen Euro an Kosten gespart habe. Auch bei der Festschreibung der Arbeitszeitmodelle seien tragbare Ergebnisse erzielt worden, die je nach Auftragslage Anpassungen gegen Bezahlung zugelassen hätten, resümiert der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Amberg.

Modernisierungen gefordert

Wie Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz König erläuterte, wehe der deutschen Stahlindustrie durch Billig-Importe aus China ein extrem rauer Wind ins Gesicht. Deshalb sei es auch für Stahlrohrproduzenten wie das Rohrwerk Maxhütte oberstes Gebot, sich für die Zukunft konkurrenzfähig zu machen. Dies betreffe eine verschlankte Produktpalette mit innovativen Lösungen genauso wie Modernisierungen von Maschinen und Anlagen im Kaltrohrbereich und der Verladehalle. Die angekündigten Investitionen im März 2020 wären das richtige Signal gewesen, würden aber durch die derzeitigen Verkaufsverhandlungen konterkariert. Wie König von Simon Zeilberger, dem Geschäftsführer der Max-Aicher-Holding weiß, sollte die Suche nach einem Käufer für das Rohrwerk bis 31. März abgeschlossen sein. „Wie der genaue Fortschritt der Verhandlungen ist, wissen wir hier am Standort auch nicht, nur, dass zwei Investoren aus Deutschland von ursprünglich 18 Interessenten übriggeblieben sein sollen“, so der Arbeitnehmervertreter. Wie schon in einer Information für Rohrwerk-Mitarbeiter veröffentlicht, werde laut Zeilberger der Gewinn- und Verlustabführungsvertrag gekündigt, da das Rohrwerk in den letzten acht Jahren hohe Verluste einfuhr. König betont dagegen, dass nicht die Beschäftigten des Rohrwerks die hohen Verluste eingefahren hätten. Die Verantwortung müssten andere tragen. Für ihn liegen die Ursachen der Schieflage eindeutig bei Fehlern des Managements, wie etwa der Verzicht auf Investitionen, die in den vergangenen 18 Jahren dringend notwendig gewesen wären. „Andererseits belegen 18 Interessenten die Qualität und Klasse des Rohrwerks“, gibt sich Karl-Heinz König überzeugt.

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Mehr zur 1000-Tonnen-Presse im Rohrwerk

Im Bereich der Rohrwerkspforte pflanzten Betriebsrat und Vertrauensleute vor einem Jahr einen Baum als Symbol für die Zukunft des Werkes. Durch die Verkaufsverhandlungen herrscht jetzt wieder Krisenmodus.
Hintergrund:

Aus der Geschichte des Rohrwerks Maxhütte

  • 1952: Aufsichtsratsbeschluss der zur Friedrich-Flick-Gruppe gehörenden Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte mbH (Maxhütte) zum Bau eines Rohrwerks.
  • 1959 Weltrekord: Das erste auf einer Stoßbank erzeugte nahtlose 16 Meter lange Rohr wird gefertigt.
  • 1972: Erstmalig gelingt die Erzeugung von Wälzlagerrohren mit dem Stoßbankverfahren.
  • 1987: Konkurs der Maxhütte, in dessen Verlauf 1990 Neue Maxhütte Stahlwerke GmbH (NMH) und die Rohrwerk Neue Maxhütte GmbH entstehen, deren Anteilseigner Thyssen, Krupp, Klöckner & Co und Mannesmann sowie der bayerische Staat waren.
  • 1993: Einstieg des Freilassinger Bauunternehmers Max Aicher ins Rohrwerk Maxhütte
  • 2016: Ankündigung des Abbaus von 116 Arbeitsplätzen.
  • 2018: Inbetriebnahme einer 1000-Tonnen-Presse.
  • 2020: Verständigung auf ein Investitionsprogramm in Millionenhöhe.

 

 

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