12.02.2021 - 11:30 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Letzter Rundgang durch die Storg-Ruine – Investor macht es spannend

Hotel oder nicht? Das ist die Frage, wenn es um die Zukunft der Storg-Immobilie in Sulzbach-Rosenberg geht. Oberpfalz-Medien hat nachgefragt. Und eine exklusive Tour durch die Ruine unternommen – eine Zeitreise mit Video und Bildergalerie.

Der blaue Schriftzug am Nebeneingang des früheren Kaufhaus Storg ist dem Verfall preisgegeben. Doch damit ist es bald vorbei: Die Entkernungsarbeiten haben begonnen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

In den kommenden Monaten wird Thilo Rinkenburger häufiger in Sulzbach-Rosenberg zu sehen sein. Grund dafür sind am Freitag angelaufene Entkernungsarbeiten in der Storg-Immobilie, mit denen der Inhaber Baufirmen beauftragt hat. Vom Fortschritt will sich der 35-Jährige künftig persönlich regelmäßiger überzeugen.

Oberpfalz-Medien hat sich mit dem Bauunternehmer aus dem schwäbischen Dillingen an der Donau getroffen und einen exklusiven Rundgang durch das leerstehende Geisterkaufhaus unternommen. Dass mit Blick auf die Problem-Immobilie in der Stadt viele ungeduldig auf Neuigkeiten warten, ist Rinkenburger bewusst. Den Vorstoß der JU von vergangener Woche, die Stadt solle das Gebäude rückkaufen und abreißen, hält er jedoch für eine "politische Inszenierung".

Letzter Rundgang vor dem Entkernen: So sieht der Storg (noch) von innen aus

Eisernes Schweigen

"Die Arbeiten haben sich wegen Corona leider um mehrere Monate verzögert", sagt er dazu. "Gespräche mit Banken – ich finanziere ja nicht alles aus der eigenen Tasche – und mit Mietern haben einfach länger gedauert. Aber wir sind noch immer interessiert und keineswegs abgesprungen", versichert der Investor.

Eisernes Schweigen erlegt sich Rinkenburger aber auf, sobald es um die Art der Folgenutzung geht. Offiziell stehen zwar immer noch die Hotelpläne im Raum. Doch daran mag inzwischen nicht mehr jeder glauben. Auf die Frage, ob er anstelle eines Hotels nicht doch Wohnungen oder Geschäfte ansiedeln möchte, sagt er: "Meine Erfahrung mit Projekten aus anderen Städten lehrt mich, den Stadtrat nicht zu übergehen. Ich werde in einer Sitzung im März oder April die Pläne öffentlich vorstellen. Bis dahin verraten wir nichts." Am Gebäude hält der Unternehmer also weiter fest. Doch ein klares Dementi, dass er seine Pläne Corona-bedingt geändert hat, hört sich anders an.

Die JU Sulzbach-Rosenberg fordert einen Abriss des Storg

Sulzbach-Rosenberg

Kritik der Hoteliers ernst nehmen

Auch die Kritik der örtlichen Hoteliers und deren Sorge um ihre Existenz bei einem Hotel-Neubau ist Rinkenburger bekannt. "Ich bin mir der Situation in der Stadt bewusst. Wir wollen niemanden vom Markt verdrängen. Dass es Unmut gibt, ist für mich nachvollziehbar." Andererseits habe er deswegen jedoch auch kein schlechtes Gewissen: "Es gab sowohl vonseiten der Stadt als auch von Teilen der Bevölkerung den Wunsch, ein Hotel zu bauen, das einen ganzen Bus abfertigen kann. Dem sind wir nachgekommen."

Um zugleich nachzuschieben: "Am besten warten jetzt erst mal alle die Präsentation der Pläne in der Stadtratssitzung ab. Davor gibt es keinen Grund, sich aufzuregen." Wer will, kann dies als Andeutung lesen, dass sich die Befürchtungen der Wirte als überholt herausstellen werden – weil es nämlich gar kein Hotel mehr werden soll.

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Einzelhandel im Erdgeschoss

In Details eingeweiht ist in Sulzbach-Rosenberg bislang nur die Stadtverwaltung. "Ja, die weiß alles", sagt Rinkenburger und lacht. "Das geht ja auch nicht anders, wir müssen sie rechtzeitig informieren." Während die Debatte über die endgültige Ausgestaltung des Vorhabens somit weiter Spekulation bleibt, ist jedoch bereits klar, dass im Untergeschoss eine Tiefgarage entstehen und im Erdgeschoss ein Einzelhandelsgeschäft einziehen wird. "Das kann ich sicher bestätigen", sagt der Unternehmer.

Viel Zeit werden auch die Entkernungsarbeiten in Anspruch nehmen: mindestens drei Monate. Elektroschrott, Hunderte Kilometer Kabelstränge, Decken- und Wandverkleidungen, alte Schränke, die Öl-Heizungsanlage im Keller, Sanitäranlagen, verdreckte Kleidung aus der früheren Klamottenabteilung – in der Ruine sieht es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. "Das alles muss per Hand rausgetragen und die Technik zurückgebaut werden." Vor dem Gebäude werden deshalb Sperrmüll-Container stehen und Transporter auffahren. Verkehrsbehinderungen soll es aber zunächst nicht geben.

Einbrecher im Gebäude

Eine geradezu mystische Anziehungskraft scheint die leerstehende Ruine auch auf abenteuerlustige wie ungebetene Besucher ausgeübt zu haben. Die Glasscheibe der Tür am Hintereingang war eingeschlagen und wurde inzwischen durch eine Metallplatte ersetzt. "Ja, da waren schon öfter welche drin. Wahrscheinlich Jugendliche", sagt Rinkenburger. Dies sei verboten und wegen der vielen Stolperfallen und der fehlenden Beleuchtung auch gefährlich. Sorgen, dass etwas Wertvolles gestohlen würde, macht sich der 35-Jährige nicht. Er sieht es locker: "Das ist nur Schrott, das will sowieso keiner."

Wenn die Arbeiten zur Entkernung fertig sind, wird das Gebäude nur noch ein blanker Beton-Rohling ohne Interieur sein. Ein Abriss wie beim Liliencenter würde natürlich schneller gehen, aber: "Mich haben auch schon Passanten auf der Straße vor dem Storg angesprochen und gesagt, das alte Ding gehöre sich weggerissen. Doch das ist nicht mein Konzept, wir machen das ökologisch", sagt Rinkenburger. Dass dies der einzige Grund ist, darf aber bezweifelt werden. Die Entkernung ist wohl günstiger als ein Abriss mit schwerem Gerät. Zudem wird durch den Erhalt der Immobilie verhindert, dass aufwendig eine neue Baugenehmigung beantragt werden muss.

Arkaden werden früher fertig

"Ich bin mir der Situation in der Stadt bewusst. Wir wollen niemanden vom Markt verdrängen."

Storg-Eigentümer Thilo Rinkenburger über die Existenzängste lokaler Wirte

Storg-Eigentümer Thilo Rinkenburger über die Existenzängste lokaler Wirte

Geld in die Hand nehmen muss der Eigentümer auch noch für die statische Überprüfung. "Es gibt keine Unterlagen zur Bestandsstatik mehr. Das ist ärgerlich, weil die Tragelasten nun für jedes Stockwerk neu berechnet werden müssen." Ein Statiker sei deshalb beauftragt, die Daten neu zu ermitteln.

Bis zur endgültigen Fertigstellung des Projekts – was es dann auch immer sein wird - werden inklusive der rund dreimonatigen Entkernungsarbeiten circa eineinhalb bis zwei Jahre vergehen, erklärt Rinkenburger. Damit ist klar, dass die Oberpfalz-Arkaden mit ihrem angedachten Eröffnungstermin Ostern 2022 früher fertig sein werden. "Das schaffen wir definitiv nicht, bei uns dauert es länger."

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