24.05.2021 - 16:53 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Kirchenmusikdirektor Gerd Hennecke feiert Jubiläum: "Der Wille war schon eisern"

Seit 25 Jahren ist der Sulzbach-Rosenberger Dekanatskantor Kirchenmusikdirektor (KMD) Gerd Hennecke im Dienst der Evangelischen Kirche. Aus diesem Anlass hat er der SRZ ein Interview gegeben.

Auch zu Hause muss er nicht auf das Orgelspiel verzichten: KMD Gerd Hennecke vor seiner "Heimorgel".
von Autor GACProfil

ONETZ: Herr Hennecke, Sie sind in Schwabach in einer Gärtnerei aufgewachsen. Wie kamen Sie dazu, Organist zu werden?

Gerd Hennecke: Mit acht Jahren habe ich in einer Kirche die Orgel spielen hören und wusste sofort: Das will ich auch können. Ich habe dann meinen Eltern andauernd in den Ohren gelegen, dass ich Orgelunterricht haben will. Der Kantor hat mich nicht als Schüler annehmen wollen, weil ich noch so klein war, und meinte, ich solle lieber erst einmal Klavier lernen. Wollte ich aber nicht.

ONETZ: Wie hat es dann geklappt mit der Orgel?

Gerd Hennecke: Glücklicherweise hatte die Schwabacher Musikschule eine Orgel und auch einen Orgellehrer. Der hatte noch vor dem Krieg Orgel studiert, war dann aber eingezogen worden und hatte im Feld ein Bein verloren. Er konnte aber auch mit seiner Prothese ganz ordentlich spielen. Nur mit dem Üben war es schwierig. In der Kirche durfte ich nicht, weil ich nicht vom Kantor unterrichtet wurde. Mein Vater hat dann in der ganzen Stadt alle Messner bestochen, indem er ihnen Blumenschmuck für die Kirchen geschenkt hat. Die ließen mich dann heimlich üben.

ONETZ: Und wann haben Sie dann angefangen, im Gottesdienst zu spielen?

Gerd Hennecke: Als ich zwölf war, habe ich den Kantor schließlich überzeugt, mich als Orgelschüler zu nehmen. Im gleichen Jahr habe ich dann auch meinen ersten Gottesdienst gespielt. Ich bin zehn Kilometer mit dem Fahrrad gefahren, um heimlich einen Taufgottesdienst zu spielen, weil der Kantor der Meinung war, ich sei noch nicht gut genug. Der Wille war schon eisern! Die Orgel beherrschte ich zwar, aber mit der Liturgie kannte ich mich nicht so gut aus. So kam es, dass ich das ziemlich lange Nachspiel anfing, bevor der Pfarrer den Segen gesprochen hatte. Als ich fertig war, fragte er mich quer durch die Kirche: "Darf ich jetzt noch segnen?" Nach dem Segen habe ich dann das Nachspiel einfach noch einmal gespielt. Ich hatte ja kein anderes Stück mehr dabei.

ONETZ: Sie haben in Schwabach das Gymnasium besucht, aber kein Abitur gemacht.

Gerd Hennecke: Als ich in der 10. Klasse war, habe ich mich zur Aufnahmeprüfung als Hochbegabter an der Hochschule für Evangelische Kirchenmusik Bayreuth angemeldet. Das durfte außer meinen Eltern auch keiner wissen. Zu meiner großen Überraschung wurde ich im ersten Anlauf angenommen. Deshalb bin ich nach der 10. Klasse von der Schule abgegangen. Nach dem Studium musste ich dann meinen Zivildienst ableisten. Das habe ich im Krankenhaus Wandsbek in Hamburg gemacht, wo ich meine Frau kennengelernt habe. Da haben mir die Krankenschwestern immer, wenn es Schokoladenpudding gab, eine große Schüssel reserviert, um mich bei Laune zu halten.

ONETZ: Wie ging es dann mit der Orgel weiter?

Gerd Hennecke: Mein Berufspraktikum habe ich bei St. Anna in Augsburg gemacht. 1996 hatte ich an der Kreuzkirche in Wolfsburg meine erste richtige Kantorenstelle. Das ist auch eine Kirche des Architekten Gustav Gsaenger, so dass ich mich in der Sulzbach-Rosenberger Christuskirche, in die ich 2001 gewechselt bin, gleich zu Hause gefühlt habe. Hier habe ich neben der Orgel auch die Kantorei, den Gospelchor und den Posaunenchor, dessen Leitung ich vor einigen Jahren an Doreen Deyerl abgegeben habe. Da ich als Glocken- und Orgelsachverständiger in ganz Bayern im Einsatz und außerdem Vorsitzender der Mitarbeitervertretung des Dekanats bin, musste ich ein bisschen kürzer treten. Aber ich habe hier ein Team, auf das ich mich verlassen kann. Dazu gehört auch der 2. Organist Christian Hammerschmidt, der in diesem Jahr das 25. Dienstjubiläum als ehrenamtlicher Kirchenmusiker feiert.

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Die Orgel beherrschte ich zwar, aber mit der Liturgie kannte ich mich nicht so gut aus.

Kirchenmusikdirektor Gerd Hennecke

 

 

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