11.08.2020 - 14:08 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Nach dem Käferfraß: Hier wächst ein Wald der Zukunft

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Der Borkenkäfer wütet in den Nadelwäldern. Das Pflanzen eines klimastabilen Mischwaldes ist die beste Antwort auf die Erwärmung. Erste Waldbesitzer nutzen diese Gelegenheit - einer von ihnen wohnt in Stifterslohe.

„Nicht den Mut verlieren – wieder begründen!“ , ist die Devise dieser drei: Förster Bernhard Raschka, Abteilungsleiter Franz Eichenseer und Waldbesitzer Wolfgang Reiff (von links) haben gemeinsam die hoffentlich richtigen Bäume ausgesucht, um den Mischwald zu stabilisieren.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Waldbesitzer sehen den anstehenden Hundstagen mit Besorgnis entgegen. Jetzt werden die Folgen des Borkenkäferfraßes sichtbar: Fichtennadeln verfärben sich rot, die Rinde fällt vom Stamm. Fehlende Niederschläge und hohe Temperaturen schwächen die Bäume und machen sie anfällig für Schädlinge.

Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, in dem der Borkenkäfer die "Sparkasse der Waldbesitzer" regelrecht auffrisst. Was passiert, wenn der Schädling sein Werk vollendet hat und kahle Flächen zurücklässt? Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten weiß es: "Der Waldbesitzer ist nach dem Bayerischen Waldgesetz dazu verpflichtet, innerhalb von drei Jahren einen neuen Wald zu begründen."

Großes Engagement

Im Idealfall gibt es auf der Fläche bereits Naturverjüngung aus verschiedenen Baumarten, eine neue Waldgeneration kann nachwachsen. Ist auf der Kahlfläche dagegen nur wenig oder keine Naturverjüngung vorhanden, muss der Waldbesitzer neu anpflanzen.

Bei Stifterslohe ist jetzt ein beispielgebendes Projekt angelaufen: Wolfgang Reiff hat nach Borkenkäferschäden seinen Wald in vorbildlicher Weise und mit großem Engagement wieder aufgeforstet. Am Anfang standen intensive Gespräche mit Beratungsförster Bernhard Raschka, der das Forstrevier Sulzbach-Rosenberg leitet. "Die entscheidende Frage war, welche Baumarten sind überhaupt noch geeignet? 2018 und 2019 haben sehr deutlich gezeigt, dass der Klimawandel vermehrt heiße Sommer und insgesamt trockenere Jahre mit sich bringt", erinnert sich der Förster beim Ortstermin mit unserer Zeitung. Die geeigneten Baumarten müssten also Hitze und Trockenheit aushalten, aber ab und zu auch noch kalte Winter mit Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt.

100 Jahre als Ziel

"Schließlich sollen die Bäume 100 Jahre wachsen, Wind und Wetter trotzen, bis die Urenkel von Herrn Reiff sie nutzen können", ergänzt AELF-Abteilungsleiter Franz Eichenseer. Weitere Gesichtspunkte bei der Artenwahl seien Bodenart, Verfügbarkeit von Nährstoffen und Lage der Fläche im Gelände.

Wolfgang Reiff aus Stifterslohe stand im Winter vor einer kahlen Fläche von gut 2700 Quadratmetern, die Fichten-Monokultur war dem Käfer zum Opfer gefallen und abgeräumt worden. Er hat sich für Begründung eines neuen Mischbestandes aus Tanne, Vogelkirsche, Elsbeere und Walnuss entschieden.

Diese Baumarten haben eine gute Prognose für den Klimawandel. Und sollte doch eine Art wegen Schädlingen ausfallen, so sind noch drei weitere Arten auf der Fläche, die den Fortbestand des Waldes sichern. Außerdem werden sich in der Nordost-Lage bestimmt noch Bergahorn, Buche, Vogelbeere etc. von selbst ansiedeln.

Gut angewachsen

Die Pflanzung erfolgte im Dezember 2019 im Zuge einer Gemeinschaftsaktion der Familie Reiff. Die rund 800 Bäumchen wurden sehr sorgfältig gesetzt, es gibt kaum Ausfälle. Eine Bambusstange kennzeichnet die jeweiligen Standorte, rundherum ist durch Umlegen der Gräser und Stauden Platz und Licht geschaffen für die Setzlinge. Außerdem hat die Familie Reiff die Pflanzen im Frühjahr und Sommer mehrmals gegossen, wobei sich besonders die Familie Kaula aus Etzelwang unterstützend hervortat. Ein Scheren-Drahtzaun schützt die Bäume vor Wildverbiss.

Die ein knappes Tagwerk große Fläche präsentiert sich derzeit als Schmetterlingsparadies: Auf hohen Disteln tummeln sich Kaisermantel und Co. Die Bäumchen sind gut angewachsen, die Elsbeere hat sich in teils schon verdoppelt in der Länge. Die Hoffnung wächst.

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Schwarzenfeld
Die Elsbeere gedeiht prächtig auf diesem Waldboden.
Zahlreiche Schmetterlinge tummeln sich auf der blühenden Fläche.
Info:

Hintergrund

Gefördert wurde die Wiederaufforstung durch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg. Als Reaktion auf die zunehmende Gefährdung der Wälder durch Klimawandel und Schädlinge hat man 2020 den Fördersatz für die Wiederaufforstung deutlich angehoben. Pro Pflanze gibt es nun eine Grundförderung von 2,50 Euro. Auch die Pflege der Kulturen und die Bewässerung der Pflanzen werden inzwischen vom Amt bezuschusst.

Informationen zu Naturverjüngung, Wiederaufforstung, Waldumbau und Förderung erhalten Waldbesitzer bei ihren Beratungsförstern und Fortbildungsangeboten des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg, Hockermühlstraße 53, 09621-60240.

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