16.07.2021 - 11:16 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Kabarettist Stephan Zinner glänzt beim Kultursommer in Sulzbach-Rosenberg

Der Kultursommer im Sulzbach-Rosenberger Schlosshof erreicht mit dem Auftritt des Kabarettisten Stephan Zinner einen vorläufigen Höhepunkt. Die Gags sitzen, das Publikum tobt.

Stephan Zinner (links) fällt mit seiner selbstgebauten dreisaitigen E-Gitarre in AC/DC-Pose während Peter Pichler (wie während des ganzen Konzerts) keinerlei Miene verzieht.
von Autor GACProfil

Ein Mann mit Tuba und steinerner Leichenbittermine tritt auf die Bühne im Sulzbacher Schlosshof, schaut ins erwartungsvolle Publikum und setzt sich hinter sein Schlagzeug. Nach einem kurzen Tuba-Schlagzeug-Solo kündigt Peter Pichler, "die Krake aus Bad Tölz", den Star des Abends an: Stephan Zinner, den "Markus Söder vom Nockherberg". Danach hat Pichler nichts mehr zu sagen. Zinner hingegen gibt ein 90-minütiges Feuerwerk aus Gags, Musik und Geschichten, die das Leben schreibt, bei dem kein Auge im ausverkauften Schlosshof trocken bleibt.

Programm "Raritäten"

"Raritäten" heißt das neue Programm, bei dem alle Fragen beantwortet werden, die niemand gestellt hätte. "I freu' mi', vor em professionellen Publikum afzutred'n", sagt Zinner zum Anfang, denn während des Lockdowns habe er nur vor seinen Kindern gespielt, und die seien ein schreckliches Publikum. Noch vor dem allerersten Song "Auf'm Balkon" erfahren die aufmerksamen Zuschauer, dass Männer oft von ihren Frauen in sein Programm geschleppt werden, dass Münchener Taxifahrer heutzutage nicht einmal mehr das Isartor finden und wie schwierig es ist, ein Elektroauto zu bewegen sowie dass Bienenköniginnen einen tollen Job haben.

Versierter Gitarrist

Mit einem dunklen Bier ist Urlaub auf dem Balkon genauso schön wie in den USA, stellt Zinner singend fest und beweist dabei, dass er auch ein versierter Gitarrist ist. Zur Gitarre ist er als Jugendlicher gekommen, um weibliche Herzen zu erobern. Nachdem das nicht so geklappt hat, stellte er fest: "I muass an meiner Performance arbeiten." Bei MTV (für alle, die sich daran noch erinnern können) gab da genug Anregungen, beispielsweise AC/DC ("da hab' i mir beim Rutsch'n auf'm Knie an Spreizl einzog'n") oder The Who, die ihn dazu anregten, beim Auftritt mit der Kirchenband seine Gitarre auf dem Altar zu zerschmettern - auch das kam beim Publikum nicht sonderlich gut an.

Goaßmaß als Cocktail

Aus den Resten der Gitarre habe ihm ein Kumpel dann eine dreisaitige Slide-Gitarre gebaut, deren einwandfreie Funktion Zinner dann in einem Blues über die Münchener Wohnungspolitik demonstriert. Danach lernen die Zuhörer, dass eine Goaßmaß ein bayerischer Cocktail sei - ohne Schirmchen und dass Kinder heute nicht mehr "d'Scheißerei" haben, sondern "Magen-Darm" (dauert eine Woche länger) und dass ein geplanter Auftritt mit "Alexa" nichts wurde, weil in Deutschland das Internet zu schlecht ist. Zinner erzählt vom Autofahren im Schnee in München, vom Bio-Markt "Voll-Korner" wo die langsamsten Verkäuferinnen arbeiten und Bier nur in einzelnen Flaschen abgegeben wird. Ebenso schwadroniert er über den Weihnachtsbaumkauf beim Niederbayern ("hob' ihn aaf 75 Euro 'runtergehandelt") und dass sein Sohn so "Old School" sei. Und auch Markus Söder kriegt sein Fett ab: "Stellt's eich vor, der kommt zum Nockherberg und wird überhaupt ned erwähnt, wie das dem stinken tät!"

Kontakt zum Publikum

Bei all dem hält er ständig den Kontakt zum Publikum, spricht einzelne Zuschauer direkt an und reagiert spontan auf Zurufe. Pichler sitzt währenddessen hinter seinem Schlagzeug und liest demonstrativ in einem Buch, bis er einmal wieder für eine musikalische Einlage benötigt wird. Dabei zeigt er dann seine Vielseitigkeit an Schlagzeug, Tuba, elektrischem Saxophon, Bass- und Sopranflöte sowie am Akkordeon, wobei er häufig mehrere Instrumente gleichzeitig spielt. Nach zwerchfellerschütternden eineinhalb Stunden gibt es schließlich als letzte Zugabe noch einen Blues von Robert Johnson "Railroad on my Mind" und ein eher nachdenkliches Lied über "Selt'ne Sachen", die oft ganz bescheiden sind, weil sie um ihren Wert wissen.

Kultur in Sulzbach-Rosenberg

Sulzbach-Rosenberg

Schlager beim Kultursommer

Sulzbach-Rosenberg
Kultursommer Sulzbach-Rosenberg:

Weitere Auftritte im Schlosshof

  • Samstag, 17. Juli – 20 Uhr Nick Woodland
  • Sonntag, 18. Juli – 19 Uhr Stimmen der Berge
  • Freitag, 6. August – 19 Uhr Bayerisches Landesjugendorchester (in Zusammenarbeit mit Lions Sulzbach-Rosenberg)
  • Donnerstag, 26. August – 20 Uhr Lisa Wahlandt: Die Drei Damen
  • Freitag, 27. August – 20 Uhr Peter Wittmann und das Ballhausorchester

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.