15.10.2021 - 17:10 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Jahn-Grundschule Sulzbach-Rosenberg: Kultusminister Piazolo kommt zum Zuhören

Sich die Sorgen der Lehrkräfte anhören: Das sei der Grund für seinen Besuch in der Jahnschule in Sulzbach-Rosenberg gewesen, sagt Kultusminister Michael Piazolo – von der sanierten Schule war er begeistert. Doch es gibt auch Probleme.

Kultusminister Michael Piazolo (Dritter von rechts) war vom Garten in der Jahn-Grundschule angetan: "Da geht einem das Herz auf", sagte er. Begleitet haben den FW-Politiker (von links) die Schulamtsdirektoren Stephan Tischer und Beatrix Hilburger, Rektorin Andrea Dechant, die MdLs Tobias Gotthardt und Kerstin Radler sowie Konrektor Christian Hahn.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Kurz bevor der Gast aus München mit einer halben Stunde Verspätung den Schulhof betritt, stürmen die Kinder aus dem Eingang: Um 11:15 Uhr ist Schul-Aus. Die meisten Kinder haben deshalb den Besuch des bayerischen Staatsministers für Unterricht und Kultus nicht selbst erlebt, sie waren schon auf dem Nachhauseweg. Doch das hat Michael Piazolo nicht gestört: Bei seiner Stippvisite in der Jahn-Grundschule in Sulzbach-Rosenberg standen nämlich besonders Gespräche mit den Lehrern im Fokus – der Freie-Wähler-Politiker hat den Kümmerer gespielt.

"Mir geht es heute um den Austausch und darum, sich die Sorgen und Nöte der Lehrkräfte anzuhören", sagte der Minister gegenüber Oberpfalz-Medien. Dazu gab es genügend Möglichkeiten. Rektorin Andrea Dechant und ihr Stellvertreter Christian Hahn führten Piazolo und seine Entourage – bestehend aus den FW-Landtagsabgeordneten Tobias Gotthardt und Kerstin Radler sowie FW-Kreisvorsitzenden Hans-Martin Grötsch – durch die Jahnschule. Auch Bürgermeister Michael Göth und die beiden Schulamtsdirektoren Beatrix Hillburg und Stefan Tischer waren dabei.

Gotthardt erklimmt Kletterwand

Rektorin Dechant war sichtlich stolz auf das frisch sanierte Gebäude, das erst im vergangenen Jahr unter anderem einen Glasfaser-Anschluss erhielt und einen komplett neu gestalteten Pausenhof. "Bis vor einem Jahr war unser Pausenhof noch eine blanke Asphaltfläche. Jetzt ist es hier bunt, mit Turn- und Spielgeräten, Sitzflächen und einer Kletterwand – die der medienaffine Abgeordnete Gotthardt vor den versammelten Kameraleuten auch sogleich probehalber erklommen hatte.

Piazolo konnte zwar der Kletterwand widerstehen, zeigte sich aber von der Naturnähe der Schule ebenfalls begeistert. "Schon bei der Anfahrt habe ich gesehen: Die Schule liegt im Grünen, da geht einem das Herz auf. Für die Kinder ist das ein Traum." Tatsächlich gibt es dort seit Ende der Sanierungsarbeiten einen Garten mit Johannis- und Himbeeren, Hagebutten, Schnittlauch oder dem Storchschnäbel, einer Geranie. Auch am Biotop mit den Goldfischen und einem Quittenbaum führte der Rundgang vorbei. "Wollen die Kinder denn überhaupt noch nach Hause?", fragte Piazolo angesichts des schön gestalteten Gartens rhetorisch und erntete Gelächter.

Doch nur zum Lachen war der Besuch keineswegs. Eine Gruppe Lehramtsanwärterinnen, die meisten aus der Oberpfalz, teilte Piazolo ihren Wunsch mit, eine Lehrerstelle möglichst heimatnah zugeteilt zu bekommen und nicht durch den ganzen Freistaat versetzt zu werden. "Leider kann nicht jeder da bleiben, wo er herkommt", entgegnete der Kultusminister. "Bayern ist ein Flächenstaat, das bringt Versetzungen mit sich." Dennoch appellierte er angesichts von Lehrermangel an die Nachwuchskräfte: "Keiner von Ihnen darf aufhören. Wir brauchen sie alle."

Lehrer wollen Gleichbehandlung

Doch ob sie wirklich bleiben, liegt wohl maßgeblich auch am Geld – und damit sind viele Grund- und Mittelschullehrer nicht zufrieden. Schulleiterin Andrea Dechant brachte das zur Sprache. "Wir wollen keine Jammerer sein, aber unser großes Anliegen ist die Gleichstellung von Grund- und Mittelschullehrern mit allen anderen Lehrkräften. Das ist eine Frage von Wertschätzung." Damit meint Dechant nicht nur die geringere A12-Besoldung im Vergleich zu Kollegen von Realschulen oder Gymnasien, die A13 erhalten. Es geht ihr auch um die Stunden: "Wir an Grundschulen haben eine Unterrichtspflichtzeit von 28 Stunden, bei Mittelschulen sind es 27, andere Schularten haben nur 24 Stunden."

Bei der Digitalisierung wiederum habe sich durch die Pandemie viel verbessert, sagt Dechant. "Durch den Glasfaser-Anschluss haben wir inzwischen sehr gutes W-Lan in jedem Klassenzimmer, und zwei gut ausgestattete PC-Räume." Zudem verfüge jeder Unterrichtsraum über einen Laptop, Beamer und eine Dokumentenkamera. Doch die zwei iPad-Koffer mit je 16 iPads seien noch nicht im Einsatz – wegen Problemen mit Apple. Auch kann noch nicht jeder Grundschüler mit einem eigenen digitalen Endgerät arbeiten. "Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren eine 1:1-Ausstattung zu bekommen", wünscht sich die Rektorin mehr Geräte für jeden Schüler.

Viel in "Vorzeigeschule" investiert

Bürgermeister Göth, der für die Stadt als Sachaufwandsträger beim Besuch dabei war, bezeichnete die Jahnschule als "Vorzeigeschule, in die wir in den vergangenen Jahren viel investiert haben". So seien auch alle Klassenzimmer mit modernen Luftfilter- und CO2-Messgeräten ausgestattet worden. "Wenn Schule und Sachaufwandsträger gut zusammenarbeiten, dann passiert auch was", lobte Piazolo die Sanierung, gestand gleichzeitig aber ein, dass es bei der Digitalisierung "gelegentlich noch holpert".

Etwas Sorgen bereitet der Schulleiterin der aktuell hohe Krankenstand bei den Kindern. "Wir haben momentan überdurchschnittlich viele Krankheitsfälle. "Ich vermute, es liegt daran, dass die Kinder durch Homeschooling, Maskentragen und Hygienemaßnahmen keine starken Abwehrkräfte mehr haben." Wenn nun im Herbst und Winter bei kalten Außentemperaturen weiter regelmäßig gelüftete werde, könnte sich das verstärken – mit einer großen Erkältungswelle rechnet sie aber nicht. Den Kindern werde auch erlaubt, Decken mitzubringen. Mit Corona haben die Krankheitsfälle laut Dechant nichts zu tun: Seit Schulstart nach den Ferien sei durch die Pool-Testungen kein einziger Corona-Fall entdeckt worden. Nur ein Schüler sei momentan in Quarantäne.

Insgesamt überwiege die Freude, wieder im Präsenzunterricht zu sein. "Die Kinder mussten nach der langen Zeit zu Hause erst wieder lernen, Schulkind zu sein. Dazu gehört auch, sich an Gesprächsregeln zu halten oder miteinander zu lernen. Doch ich hatte das Gefühl, dass sich alle Kinder richtig gefreut haben, wieder in die Jahnschule zu kommen." So, wie Kultusminister Piazolo – auch, wenn er zum ersten Mal hier war.

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Beim Schulbesuch schaute sich Michael Piazolo auch die PC-Räume an - und sprach über Digitalisierung.
Die Unterschrift im Goldenen Buch der Stadt Sulzbach-Rosenberg darf natürlich nicht fehlen.

"Die Schule liegt wunderbar im Grünen, da geht einem das Herz auf."

Kultusminister Michael Piazolo über die Sulzbach-Rosenberger Jahn-Grundschule

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"Mein großes Anliegen ist eine Gleichstellung von Grundschullehrern mit allen Lehrkräften. Das ist eine Frage von Wertschätzung."

Rektorin Andrea Dechant über ihre Forderung an Minister Piazolo

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