20.05.2021 - 18:20 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Investor Callista kündigt umfassende Rationalisierung im Rohrwerk an

Das Rohrwerk in Sulzbach-Rosenberg ist nicht mehr in Max Aichers Besitz. Die Belegschaft hat aber mit dem alten Chef noch eine Rechnung offen.

Das Rohrwerk und seine Tochtergesellschaften gehören seit Dienstag zu 100 Prozent dem Investor Callista.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Die Tinte der Unterschriften auf dem Vertrag zwischen Callista und Max Aicher dürfte zwar schon trocken sein, aber für Beruhigung hat die Veräußerung des Rohrwerks in Sulzbach-Rosenberg am Dienstag, 18. Mai, nach Angaben von Betriebsratsvorsitzendem Karl-Heinz König in der Belegschaft noch nicht gesorgt. „Die Mitarbeiter sind richtig sauer, weil sie immer noch auf Zahlungen von Max Aicher warten, die ihnen gemäß der in der Vergangenheit zur Standortsicherung getroffenen Vereinbarungen zustehen“, so der Arbeitnehmervertreter.

Fast zeitgleich hat Oberpfalz-Medien von einem Brief des Betriebsrates an Max Aicher und einer Presseinformation erfahren, in der Callista aus München und das Freilassinger Unternehmen näher auf den Verkauf und die mit dieser Transaktion erhofften Auswirkungen eingehen. Die Arbeitnehmervertreter im Rohrwerk erwarten nun, dass der oberbayerische Industrielle auch nach dem Verkauf des Rohrwerks zur Einsicht gelangt und den Beschäftigten in Sulzbach-Rosenberg das noch ausstehende Geld zukommen lässt.

Sicherung der Arbeitsplätze

„Wir als Belegschaft haben immer unser Bestes gegeben. Mit der IG Metall haben wir bei den Tarifverhandlungen immer darauf geachtet, dass für beide Seiten ein Kompromiss gefunden werden konnte. Der Fokus war stets auf die Sicherung der Arbeitsplätze im Rohrwerk gerichtet. Die Belegschaft leistete immer ehrliche und gewissenhafte Arbeit, nur so konnten in unserem Rohrwerk nahtlose Stahlrohre von höchster Qualität gefertigt werden“, formuliert Karl-Heinz König in seinem Schreiben an Max Aicher. Weiter beklagt der Betriebsrat, dass sich Aicher von 2016 bis heute nicht an die Vereinbarungen gehalten habe. Die Belegschaft dagegen schon, obwohl der Konzernchef angekündigte Investitionen nicht umsetzte. Von den Mitarbeitern seien unbezahlte Arbeit, verspätete Lohnerhöhungen und ein Verzicht auf Sonderzahlungen in Kauf genommen worden. Geld floss nach Königs Angaben aber bis heute nicht ins Werk an der Franz-Kunze-Straße. „Wir erwarten von Ihnen eine Wiedergutmachung. Bitte bezahlen Sie den IG Metall-Mitgliedern des Rohrwerks jeweils die 1700 Euro Sonderzahlung aus dem Jahr 2020, das Arbeitszeitkonto 2 sowie die Corona-Prämie für das Jahr 2021“, so die Forderungen des Betriebsrates.

Offiziell gaben Callista und die Aicher-Stiftung in dieser Woche mittels einer gemeinsamen Pressemitteilung den Besitzerwechsel des Rohrwerks mit den Tochtergesellschaften in Polen und Kroatien bekannt. Aicher erklärt den Schritt mit einer weiteren Konzentration auf die eigne Stahlproduktion. Die Callista GmbH will mit dem Kauf des Rohrwerks eigenen Angaben zufolge ihr Gruppensegment Metals um die Stahlrohrproduktion erweitern. Die Beschäftigungsverhältnisse würden dazu unverändert fortgeführt, heißt es an anderer Stelle der gemeinsamen Erklärung.

Mit Callista habe die Max-Aicher-Stiftung einen Investor gefunden, der die Voraussetzungen mitbringe, um das Rohrwerk und seine Tochtergesellschaften in fairer Zusammenarbeit mit den Belegschaften und ihren Vertretungen in eine solide und nachhaltige Zukunft zu führen, schreiben die Vertragspartner. Verwiesen wird auf insgesamt 580 Mitarbeiter und Rückschläge durch die Corona-Krise. Erwartet würden nun wieder Umsätze von deutlich über 70 Millionen Euro, wofür ein starker Auftragseingang sowie die ersten Quartalszahlen als Belege für eine Trendwende angeführt werden.

Investitionen angekündigt

„Neben dem Umsatzanstieg sollen auch Investitionen in neue Anlagen, umfassende Rationalisierungsmaßnahmen als auch eine Neuausrichtung der Vormaterialbeschaffung sich positiv auf die Ergebnisse auswirken. Restrukturierungsexperten aus dem Callista Netzwerk für Einkauf, Vertrieb, Energiemanagement und Prozessoptimierungen werden die Gesellschaft in einer Neufokussierung unterstützen. Des Weiteren wird eine Zusammenarbeit zwischen dem Stahlrohrwerk und der Halo Steelrings, einem Stahlringhersteller aus der Callista Gruppe, forciert, um zusätzliche Synergiepotentiale zu heben“, so eine weitere Passage der Mitteilung im Wortlaut.

Durch die Akquisition des Rohrwerks erhofft sich Callista für seine Plattform Metals eine Umsatzsteigerung auf 380 Millionen Euro jährlich. Ziel sei darüber hinaus, durch weiter Zukäufe in den nächsten Monaten und organisches Wachstum der Portfoliounternehmen die Strategie der Callista-Gruppe weiter voranzutreiben. Außerdem würden Max Aichers Lechstahlwerke auch zukünftig das Rohrwerk mit Vormaterial beliefern, so die weitere Information der Unternehmen.

IG Metall will Gespräch

Welche Auswirkungen die angekündigten Maßnahmen auf die Belegschaft haben, konnte Udo Fechtner, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Amberg gegenwärtig noch nicht prognostizieren. „Obwohl alle Mitarbeiter an Bord bleiben sollen, schließen wir einen Arbeitsplatzabbau in der Zukunft nicht aus. Wir werden den neuen Eigentümern natürlich auch unsere Vorstellungen präsentieren und um jeden Beschäftigten kämpfen. Auf ein Gesprächsangebot hat Callista bis jetzt noch nicht reagiert“, so Fechtner.

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„Wir werden den neuen Eigentümern natürlich auch unsere Vorstellungen präsentieren und um jeden Beschäftigten kämpfen.“

2. Bevollmächtigter Udo Fechtner

2. Bevollmächtigter Udo Fechtner

Für das Rohrwerk in Sulzbach-Rosenberg kündigt der neue Eigentümer auch Investitionen an.

 

 

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