25.10.2020 - 16:52 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Hüter der Tradition: Bergmann als Lebenseinstellung

Wohlstand und Wert in der Region sind in den reichen Erzlagerstätten begründet. Eine lange Montangeschichte liefert dafür Belege. E gibt nur noch wenige, die sich dieser Tradition annehmen. Ein Hüter des Erbes ist der Bergknappenverein.

Der St.-Anna-Schacht in Sulzbach-Rosenberg lieferte bis 1974 viele tausend Tonnen Eisenerz.

Sulzbach-Rosenberg war Bergstadt, schon lange bevor die Maxhütte als Bergherr in Erscheinung trat, und blieb Bergstadt auch nach dem Erlöschen des Bergbaus und dem Aus für die Maxhütte. Als Zeichen für die ungebrochene Tradition stehen Spuren des Bergbaus wie der Förderturm des Annaschachtes, die Bergbau-Pfade, der Erzwagen vor dem Literaturarchiv, der Schaustollen Max - vor allem aber die Menschen, die sich für den Erhalt des bergmännischen Brauchtums engagieren.

Starker Zusammenhalt

Sie setzen eine Tradition fort, die bis zur 1809 gegründeten Bruderkasse zurückreicht. Ihr folgte 1874 ein Knappschaftsverein, wie sein Vorläufer gegründet, um in Not geratene Bergleute und ihre Familien vor Verarmung zu schützen. Als staatliche Maßnahmen wie das Krankenversicherungs-, Unfallversicherungs- und Invalidenversicherungsgesetz in Kraft traten, verlor der Knappschaftsverein seine ursprüngliche Aufgabe und löste sich auf.

Bergmann ist jedoch kein Beruf wie jeder andere, sondern eine Lebenseinstellung. So hört der untertage selbstverständliche Zusammenhalt übertage nicht auf. Aus diesem Wir-Gefühl heraus entstand 1887 die nächste, noch heute bestehende Vereinigung, der Bergknappenverein. Spätestens ab 1897, als die Knappschaftskapelle ins Leben gerufen wurde, prägten die Knappen in ihrer schwarzen Tracht unübersehbar das kulturelle und gesellschaftliche Leben in unserer Bergstadt.

So hatten die Knappen in den Nachkriegsjahren den Mut, schon 1947 ihren ersten Bergball zu veranstalten, der mit der Zeit zu einem herausragenden gesellschaftlichen Ereignis wurde. An dieser Faschingsveranstaltung lässt sich aber nicht nur der Aufschwung, sondern auch der unabwendbare Abschwung erkennen. Früher in drei Sälen im Josefshaus, später im Kettelerhaus, dann gemeinsam mit dem Hüttenverein als Berg- und Hüttenball und von 2009 bis 2019 immerhin noch als stimmungsvoller Kappenabend. Aber auch der musste wegen der schwindenden Mitgliederzahl aufgegeben werden.

Mit Stolz, aber auch mit etwas Wehmut blicken nicht nur die einstigen Bergleute auf die Blütezeit des Maxhütten-Bergbaus zurück, als parallel dazu 1958/59 der Bergknappenverein 1100 aktive Bergleute und 200 Pensionisten zählte. Das waren die "goldenen Jahre", die erst langsam und dann, mit der Stilllegung des letzten Schachtes am Eichelberg, sehr plötzlich zu Ende gingen.

Seitdem hat der Verein mit einer Fülle von Aktivitäten seinen Platz im kulturellen Leben unserer Stadt behauptet.

Armin Kraus, Vorsitzender des Bergknappenvereins

In dieser kritischen Situation erkannten Bergleute und Freunde des Bergbaus, dass es nun erst recht darauf ankam, die große Tradition am Leben zu erhalten", . Entschlossen öffnete sich der Verein 1982 auch für Berufsfremde beiderlei Geschlechts. Vorsitzender ist seit 2000 Armin Kraus. "Seitdem hat der Verein mit einer Fülle von Aktivitäten seinen Platz im kulturellen Leben unserer Stadt behauptet", so Kraus.

Das findet Anerkennung auch über die Stadt- und Kreisgrenzen hinaus, was besonders beim 11. Deutschen Bergmanns-, Hütten- und Knappentag im Juli 2007 deutlich wurde. Über 3000 Knappen aus allen deutschen Bergrevieren sowie aus Österreich, Ungarn und Tschechien nahmen an der unvergesslichen Bergparade teil. Die alte Bergstadt erstrahlte noch einmal als "leuchtendes Zentrum der deutschen Bergbautradition" ( Sulzbach-Rosenberger Zeitung, 9. Juli 2007). Der heutige Stellenwert unseres Vereins kommt auch darin zum Ausdruck, dass Armin Kraus 2016 zum Vorsitzenden des Landesverbands Bayerischer Bergmanns-, Knappen- und Hüttenmännischer Vereine berufen wurde.

Schon 2012 folgte das 125-jährige Jubiläum des Bergknappenvereins. Im Rathaussaal Bürgermeisterempfang mit Bergknappenkapelle, Trauerzug zum Totengedenken am Kriegerdenkmal, Kirchzug zum Pontifikalgottesdienst mit Weihbischof Pappenberger, Festakt mit Ehrengästen aus Politik und Bergbau.

Geschichte des MH-Bergbaus

Bescheidener wurde das 130-jährige Bestehen begangen: im Sommer Wallfahrt zum Annaberg, im Dezember Barbarafeier und Totengedenken, statt einer Festrede ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte in Wort und Bild. Wer die Geschichte des Bergknappenvereins und des MH-Bergbaus nacherleben möchte: Erwin Kraus, der Vater des Vereinsvorsitzenden, hat sie 2015 in einem sehr informativen Buch zusammengefasst.

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