01.08.2021 - 13:23 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Hubert von Goisern: Erfolgreiches Roman-Debüt

Seinen Hit „Koa Hiatamadl“ haben die meisten noch im Ohr. Aber auch als Schriftsteller hat es Hubert Achleitner alias von Goisern auf Anhieb an die Spitze geschafft. Seinen Bestseller "flüchtig" stellt er jetzt in Sulzbach-Rosenberg vor.

Musiker und Schriftsteller Hubert Achleitner.
von Anke SchäferProfil

ONETZ: Herr Achleitner, in der Musik haben Sie sich als Hubert von Goisern einen berühmten Namen gemacht. Warum haben Sie beim Roman bewusst auf diesen Promi-Bonus verzichtet?

Hubert Achleitner: Ich hätte das Buch am liebsten unter einem Pseudonym herausgebracht. Davon haben mir aber alle Freude heftigst abgeraten. Achleitner, also mein Familienname, war der Kompromiss. Ich wollte, dass der Roman seiner Sprache wegen besteht und für seine Figuren und deren Geschichte.

ONETZ: Nachdem die Beachtung enorm war: Motiviert Sie das, einen weiteren Roman anzugehen oder spüren Sie schon den heißen Atem des Erfolgsdrucks im Nacken?

Hubert Achleitner: Beides ist der Fall. Aber erst muss ich mit meinem neuen musikalischen Programm "Zeiten&Zeichen" auf Tournee gegangen sein, bevor ich mich wieder in den "Schreib-Tunnel" begebe.

ONETZ: "flüchtig" ist eine Geschichte vom Loslassen, von Aufbruch und Ankommen. Ist die Schriftstellerei für Sie auch so ein Aufbruch, ein - zumindest vorübergehendes - Loslassen von der Musik?

Hubert Achleitner: Es ist jedenfalls eine faszinierende und sehr intensive Zeit gewesen, und im Gegensatz zum Musikmachen eine einsame Tätigkeit. Denn im Gegensatz zur Umsetzung von Musik gibt es beim Schreiben - wie auch beim Lesen - kein Kollektiv, ja auch kein Publikum. Öffentliche Lesungen geben ja nur Fragmente wieder.

ONETZ: Ihr Debütroman dreht sich aber auch ums Unterwegssein. Damit haben Sie ja auch reichlich Erfahrung, oder?

Hubert Achleitner: So ist es (lacht).



ONETZ: Viele Äste der Geschichte erzählen Sie aus weiblicher Perspektive, sich selbst haben Sie laut Vorwort in die Figur Lisa verwandelt – was hat Sie an der anderen Perspektive gereizt?

Hubert Achleitner: Ich wollte aus meiner Haut heraus. Ich musste mich in andere hineinversetzen und die weibliche Perspektive hat mich dazu gezwungen.

ONETZ: Ihr Roman ist kurz nach dem ersten Lockdown im Mai 2020 erschienen. Konnten Sie dennoch so präsent sein mit Lesungen vor Publikum, wie Sie sich das gewünscht haben?

Hubert Achleitner: Ich gehe eh nicht gern auf Lesereise. Deshalb hat mir das eigentlich in die Hände gespielt.

ONETZ: Und genereller gefragt: Wie nehmen Sie die Situation der Kultur und Künstler und Künstlerinnen während der Pandemie wahr? Fühlen Sie sich wertgeschätzt?

Hubert Achleitner: Ich glaube, es war und ist für viele Branchen eine sehr nervenaufreibende Zeit. Die Menschen im Kulturbetrieb sind nicht die einzigen Leidtragenden. Vor allem junge Leute haben es schwer. In Zeiten wie diesen zu träumen, zu planen, Partner zu finden, Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeit zu erleben und das Leben zum Fest zu machen, ist mit so vielen Hürden verbunden.

ONETZ: Macht es für Sie eigentlich einen Unterschied, ob Sie als Musiker oder Schriftsteller auf die Bühne gehen?

Hubert Achleitner: Oh ja. Nach einem Konzert bin ich erschöpft und erfüllt. Nach einer Lesung bin ich müde.



ONETZ: Am 11. August lesen Sie in Sulzbach-Rosenberg. Waren Sie hier schon einmal zu Gast oder wird das eine Premiere?

Hubert Achleitner: Das ist in der Tat eine Premiere – und Premieren sind immer was besonderes.



Auch in der Oberpfalz gibt es erfolgreiche Autoren und Autorinnen.

Pfreimd
Der Debütroman von Hubert Achleitner erschien 2020.
Hintergrund:

Zu Person, Buch und Lesung

  • Hubert Achleitner wude 1952 in Bad Goisern im Salzkammergut geboren.
  • Er hat in Südafrika als Chemielaborant gearbeitet, im kanadischen Toronto studierte er Flamenco-Gitarre, in Wien Elektroakustik und experimentelle Musik.
  • 1986 begann er, zusammen mit Musiker Wolfgang Staribacher als "Alpinkatzen" aufzutreten.
  • Nach der Trennung 1991 formierte er eine neue Alpinkatzen-Band, die mit Liedern wie "Heast as nit", "Weit, weit weg" und "Koa Hiatamadl" für Furore sorgte.
  • 2000 veröffentlichte er sein Comeback-Album "Fön".
  • 2020 erschien das neue Studioalbum "Zeiten & Zeichen".
  • Ebenfalls 2020 erfolgte das Debüt als Schriftsteller.
  • Der Roman "flüchtig", 304 Seiten, gebunden, ist im Paul Zsolnay Verlag erschienen und kostet 23 Euro.
  • Lesung mit Hubert Achleitner am Mittwoch, 11. August um 19.30 Uhr im Schloßhof Sulzbach-Rosenberg, Tickets und Reservierungen beim Veranstalter Buchhandlung Volkert, Tel. 09661/812373. Es gelten die tagesaktuellen Corona-Regelungen.

 

 

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