26.04.2021 - 16:02 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Hängepartie Storg: Sind die Hotel-Pläne gestorben?

Wie geht es mit der Storg-Ruine in Sulzbach-Rosenberg weiter? Der Investor will im Stadtrat seine Pläne erklären – doch nur im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung. Wird die Bevölkerung ausgeschlossen, weil es brisante Informationen gibt?

Grau und hässlich: So präsentiert sich das frühere Kaufhaus Storg in Sulzbach-Rosenberg. Es verdichten sich Informationen, dass aus dem Bau kein Hotel, sondern Sozialwohnungen werden sollen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Seit Monaten läuft eine zunehmend unruhiger werdende Debatte in Sulzbach-Rosenberg über die Zukunft der Storg-Immobilie. Die ist noch immer unklar. Offiziell lautet die Vorgabe des Eigentümers, der Rinkenburger Objektbau GmbH, zwar bislang, dass dort ein Hotel entstehen soll. Doch es verdichten sich die Anzeichen dafür, dass diese Pläne längst verworfen und durch ein völlig neues Nutzungskonzept ersetzt worden sein könnten. Informationen zufolge, die Oberpfalz-Medien zugespielt wurden, liebäugelt Investor Thilo Rinkenburger dem Vernehmen nach inzwischen längst mit sozialem Wohnungsbau.

Die Vorgeschichte reicht inzwischen Jahre zurück. Bereits im Sommer 2018 kaufte die Rinkenburger Objektbau aus Dillingen an der Donau das frühere Kaufhaus von der Stadt. Im Oktober 2019 lies Inhaber Thilo Rinkenburger nach einer längeren Planungsphase dann im Gespräch mit unserer Zeitung die Bombe platzen: Aus dem prominentesten Leerstand der Stadt solle ein Hotel mit bis zu 140 Betten entstehen. Den aufgeregten Protest der um ihre Existenz fürchtenden örtlichen Gastronomen ignorierend, kündigte der 35-Jährige damals an, dass im Herbst 2020 die Bauarbeiten für das Hotel beginnen sollen.

Monatelange Hängepartie

Doch als es soweit war, passierte – nichts. Nach mehreren Monaten Wartezeit wurde Anfang Februar 2021 die Junge Union in Sulzbach-Rosenberg ungeduldig. Ortsvorsitzender Maximilian Klose und Stadtrat Florian Bart glaubten angesichts der Corona-Krise und ihrer wirtschaftlichen Folgen nicht mehr an ein Hotel. Um das Projekt zu retten, plädierten sie deshalb für den Rückkauf der Immobilie durch die Stadt.

Mit dem Beginn der Entkernungsarbeiten seit Mitte Februar ist in die Beton-Ruine zwar mittlerweile wieder etwas Leben eingekehrt, doch noch immer weiß die Öffentlichkeit nicht, ob die Hotelpläne endgültig gestorben sind. Der Eigentümer erklärte damals auf Anfrage, die Verzögerung resultiere aus der Corona-Krise, er sei weiter an dem Gebäude interessiert und wolle seine Pläne im Frühjahr dem Stadtrat präsentieren.

Erster Bürgermeister Michael Göth kündigte dann die Präsentation der Pläne für den öffentlichen Teil des Stadtrats am 23. März an. Die Spannung war groß, doch der Gast-Auftritt von Thilo Rinkenburger wurde verschoben. Laut Tagesordnung sollen die Pläne nun in der April-Sitzung des Stadtparlaments vorgestellt werden – am Dienstag, 27. April. Allerdings im nicht-öffentlichen Teil. Dies lässt aufhorchen, denn das bedeutet, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist.

Was wird dort besprochen, das die Bevölkerung nicht mitbekommen soll? Zwar war Investor Thilo Rinkenburger trotz vielfacher Anfrage über mehrere Tage für unsere Zeitung nicht erreichbar. Von Informanten hat Oberpfalz-Medien aber erfahren, dass die Hotelpläne inzwischen gestorben seien.

Penthouse im Dachgeschoss

Diesen Quellen zufolge plane der Eigentümer, im obersten Stockwerk ein oder mehrere Penthouse-Wohnungen unterzubringen. Darunter sollen Sozialwohnungen eingerichtet werden. Sicher bestätigt ist zumindest, dass ins Erdgeschoss ein Einzelhandelsgeschäft und in den Keller eine Tiefgarage kommen sollen. Auf der Firmenhomepage der Rinkenburger Objektbau wird das Projekt als „Wohn- und Geschäftshaus“ bezeichnet. Auch hier ist von einem Hotel keine Rede mehr.

Wenn sich diese Abkehr vom Hotel endgültig bestätigen sollte, dürfte den Gastronomen in der Altstadt, die vehement gegen einen Hotelbau gekämpft hatten, vor Erleichterung ein Stein vom Herzen fallen. Ungeklärt im Raum bleibt aber die Frage, warum über eine solch wichtige Richtungsentscheidung nicht öffentlich debattiert werden soll. Der Investor könnte seinen Auftritt im öffentlichen Teil der Sitzung nutzen, um Motive und Hintergründe für seine Kehrtwende zu erklären. Akzeptanz und Verständnis bei der Bevölkerung wären damit sicherlich leichter zu erreichen.

Debatte über Sozialwohnungen

Sollte in der Storg-Ruine künftig tatsächlich sozialer Wohnungsbau realisiert werden, dürfte bestimmt auch die Debatte über die Folgen einer solchen Nutzungsform aufflammen. Denn zentral am Eingang zur historischen Altstadt gelegen, kommt dem Betonbau eine wichtige Funktion mit Hinblick auf Sogwirkung und Attraktivität der Einkaufszone zu. Wie die Stadträte zu dieser Frage stehen, bleibt aber unklar – zumindest dann, wenn das Thema im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung besprochen wird.

Der Investor sollte transparent mit der Zukunft des Storg-Gebäudes umgehen

Sulzbach-Rosenberg

Mit Video und Bildergalerie: Letzter Rundgang durch die Storg-Ruine

Sulzbach-Rosenberg

Die JU fordert den Rückkauf der Storg-Ruine

Sulzbach-Rosenberg
Info:

Zeitverlauf Hotelpläne im Storg-Gebäude

  • Sommer 2018: Die schwäbische Rinkenburger Objektbau GmbH kauft die Storg-Immobilie von der Stadt Sulzbach-Rosenberg
  • Oktober 2019: Ankündigung eines Hotelbaus mit bis zu 140 Betten
  • Herbst 2020: Beabsichtigter Beginn der Bauarbeiten verzögert sich
  • Anfang Februar 2021: Junge Union fordert Rückkauf der Immobilie durch die Stadt
  • Ende Februar: Beginn der Entkernungsarbeiten im Gebäude
  • 27. April 2021: Geplante Vorstellung der neuen Pläne des Investors im nicht-öffentlichen Sitzungsteil des Stadtrats

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.