22.02.2021 - 14:21 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Glücklicher Zufall beschert der Christuskirche in Sulzbach eine Zweit-Orgel

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Manche Leute finden auf der Straße einen Glückspfennig. Andere entdecken eine vergessene Orgel. Das ist Dekanatskantor Gerd Hennecke passiert.

Walcker ist eine renommierte Orgelbaufirma, der die Musikwelt viele große und berühmte Instrumente verdankt - und ein kleines in der Christuskirche
von Autor COGProfil

Kirchenmusikdirektor Gerd Hennecke ist nicht nur Dekanatskantor, sondern auch Orgelsachverständiger der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche. In dieser Funktion war er im Mai vergangenen Jahres in Niederbayern zu einer Orgelabnahme. Der Orgelbauer erzählte ihm eine traurige Geschichte: In Nürnberg stehe eine kleine Orgel, die niemand mehr brauche und die wohl jetzt weggeworfen werde. Das machte Hennecke hellhörig.

Er fuhr noch am selben Tag nach Nürnberg zum Martin-Luther-Haus; einer Jugendhilfeeinrichtung, wo die Orgel jahrelang unbenutzt ein Schattendasein führte. Die Sekretärin dort wusste nicht einmal, dass es das Instrument gab. Gebaut wurde es 1959 für das Mädchenheim der Nürnberger Stadtmission von der weltbekannten Orgelbaufirma Walcker aus Ludwigsburg als Opus 3383. Trotzdem war Hennecke zuerst skeptisch.

Um 1960 gingen nämlich große Umbrüche im Orgelbau vor sich. Wenig später hätte man beim Bau viel Plastik und minderwertiges Schichtholz verwendet. Tatsächlich ist die kleine Walcker-Orgel aber sehr solide aus gutem Holz gebaut und - was Hennecke besonders freut - mit einem großen Bassregister ausgestattet. Außerdem verfügt sie über fünf Register, die über das Manual gespielt werden. „Ich hörte gleich, da lässt sich etwas daraus machen“, erinnert er sich an die Entdeckung. Zuerst dachte er, das sei die ideale Orgel für das Andreas-Raselius-Haus in Hahnbach. Beim genauen Messen zeigte sich aber, dass sie dafür etwa zehn Zentimeter zu hoch ist.

Eile war geboten, weil im Luther-Haus renoviert werden sollte und deshalb die Orgel sofort abgebaut werden musste. Kurios: Beim Abbau fand Hennecke unter der Motorkiste ein Mäusenest und daneben ein Spielzeugauto. Sind die Mäuse mit dem Auto in die Orgel eingezogen?

Hennecke lagerte das Instrument, in Einzelteile zerlegt, erst einmal ein, suchte einen Aufstellungsort und kümmerte sich um die Finanzierung. Denn die Orgel selbst kostete zwar nichts, aber für den Transport, den Aufbau und die Neuintonation sind Kosten in Höhe von rund 3.800 Euro angefallen. "Das ist billiger als ein gutes Klavier", betont Hennecke und dankt mehreren musikbegeisterten Spendern, die schon 3.500 Euro aufgebracht haben.

Klingende Grüße vom Turm der Christuskirche

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Inzwischen hat sich auch ein guter Platz gefunden. Die kleine Walcker-Orgel steht jetzt in der Christuskirche auf der Seitenempore ganz vorn, wo sie zukünftig für Taufen, Hochzeiten und Andachten benutzt wird. „Das ist ideal für die musikalische Gestaltung von kleinen Gottesdiensten, wenn der Pfarrer nicht mit dem Mikrophon spricht“, erläutert der Kantor. Außerdem hat sich der Ort als akustisch hervorragend für das Begleiten von kleinen Chorgruppen und Solisten erwiesen.

Hennecke denkt auch in die Zukunft. Die Elektrik der großen Schmid-Weigle-Orgel muss saniert werden, weil sie nicht mehr den Vorschriften entspricht. In dieser Zeit kann dann die Walcker-Orgel sie vertreten.

Orgelbauer Rainer Kilbert aus Hönighausen hat eine Wartungs- und eine Deckenklappe in die Orgel eingebaut und sie meisterhaft in einer historischen Barockstimmung intoniert. Damit eignet sie sich jetzt hervorragend für die neuen Aufgaben.

Am Sonntag Carnigeniti – so nennt die Sulzbacher Kirchengemeinde den Faschingssonntag – erklang das Instrument erstmals im Gottesdienst in der Christuskirche, als Hennecke das Gesangstrio „Die drei Grazien“ daran begleitete. In den fünf Passionsandachten wird sie jeweils zusammen mit einem anderen Instrument erklingen und so ihre Vielseitigkeit beweisen.

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