05.07.2020 - 16:06 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Fünf hungrige Mäuler im Geranienkasten

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Zuerst waren es vier Eier. Dann kam ein fünftes hinzu. Seit Kurzem ragen nun die Schnäbel von fünf hungrigen Amselkindern aus dem Geranienkasten. In der Gartenlaube von Familie Luber leben Vogel, Hund und Mensch friedlich nebeneinander.

Heuschrecken, Regenwürmer und Wespen: Der Schnabel des Amselvaters ist gestopft voll mit Futter für den hungrigen Nachwuchs. Alle werden gleich behandelt – jedes der fünf Jungtiere bekommt nur einen Teil der Nahrung, damit niemand leer ausgeht.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Mitte Juni bemerkte Sieglinde Luber ungewöhnlich hektisches Treiben in ihrer Gartenlaube. In den Geranienkästen, die ihr Vater Manfred Hausner am Geländer der überdachten Sitzecke angebracht hat, machte sich eine Amsel zu schaffen. "Die hat gewühlt wie narrisch. Über zwei Tage hat sie alles herbeigeschafft, was sie in der Umgebung gefunden hat. Blätter, Äste, Reisig, sie hat oft ganze Scheppel im Maul gehabt", berichtet Luber über den emsigen Nestbau der neuen Bewohner.

Die Zeit drängte offenbar, denn kurz darauf entdeckte die 61-Jährige vier grün-bläulich gefärbte Eier im Nest - und dabei blieb es nicht. "Am nächsten Morgen lag plötzlich noch ein fünftes dabei, das muss über Nacht dazugekommen sein." In den folgenden zwei Wochen stieg bei Sieglinde Luber und ihrem Mann Peter sowie den Eltern Manfred und Maria Hausner, die im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses am Feuerhof wohnen, die Spannung. Amseln brüten rund zwei Wochen, schon bald würden die Kleinen schlüpfen, das war klar.

Amselvater stark beschäftigt

Anfang Juli war es dann soweit. Fünf winzige Junge lagen eng aneinandergekuschelt im Nest. Sie sind so klein, dass sie noch kein Gefieder ausgebildet haben, auch ihre Augen sind noch fast vollständig verschlossen - im Gegensatz zu den gelben Schnäbeln. Die strecken die Amselkinder regelmäßig weit auseinandergerissen gen Himmel. Für die Eltern ist die Botschaft klar: Der Nachwuchs hat Hunger.

Wie Peter Luber beobachtet hat, sind beide Elternteile mit Futtersuche und Kinderbetreuung gut beschäftigt: "Das Männchen muss voll mithelfen. Sie sitzt meistens im Nest direkt auf den Jungen und wärmt sie. Und er ist den ganzen Tag unterwegs und holt Futter." Ein Schelm, wer hier Parallelen zur menschlichen Gattung zu erkennen glaubt?

Würmer aus dem Salatbeet

Um das Stopfen der hungrigen Mäuler zu erleichtern, hat Peter Luber sogar sein Salatbeet umgestochen. "Ich habe die Erde aufgelockert, damit die Eltern schnell an Würmer rankommen. Die fliegen nicht weit, sondern holen sich das Futter direkt aus der Umgebung."

Dass sich die Tiere als Nistplatz ausgerechnet den Geranienkasten direkt in der Gartenlaube ausgesucht haben, hat die Lubers zunächst auch überrascht. Die 61-Jährige, die als Austrägerin für Oberpfalz-Medien in Sulzbach-Rosenberg arbeitet, hat aber eine Erklärung: "Die Laube ist überdacht, es kann nicht rein regnen, und Sonnenschutz gibt es auch." Auch von den Bewohnern und lauten Gesprächen lassen sich die Amseln nicht schrecken. "Wir trinken in der Laube Kaffee, essen zu Abend oder spielen mit Oma und Opa Mensch ärgere dich nicht. Die Amseln bleiben im Nest, auch wenn wir in der Laube sitzen." Um den Tieren etwas mehr Ruhe und Abgeschiedenheit zu verschaffen, hat die Zeitungsausträgerin extra mehrere Blumenstöcke so vor dem Nest drapiert, dass sie als Sichtschutz für die Vögel fungieren.

Schäferhund beschützt Amseln

Sogar vor Eika, der Schäferhündin der Lubers, haben die Vögel keine Angst. "Der Hund interessiert sich für das Nest überhaupt nicht."

Einzig und allein Marder, Füchse oder Katzen könnten den Jungen im Nest gefährlich werden, aber die 61-Jährige ergänzt: "Wir haben hier fast nie Katzen oder andere Tiere im Hof. Wenn die den Hund sehen, nehmen sie sofort Reißaus." Ohne es zu wissen, beschützt Schäferhündin Eika somit wohl den Vogelnachwuchs im Geranienkasten.

Fünf Junge: Platznot im Nest?

Die Hausbewohner füttern die Amseljungen zwar nicht selber, doch sie haben eine große Freude an ihren tierischen Untermietern. "Jeden Morgen, wenn wir das Haus verlassen, schauen wir nach, was unsere Vögelchen machen und ob sie schon wieder gewachsen sind", sagt Peter Luber. Noch sind die Kleinen ruhig und machen keinen Lärm. Doch Gezwitscher könnte schnell hinzukommen, wenn sie wachsen.

Und noch etwas beschäftigt den 64-Jährigen: "Die Amselkinder wachsen schnell. Ich bin mal gespannt, wie die alle fünf ins Nest passen sollen, wenn sie größer werden." Die nächsten Wochen dürften für Familie Luber also tierisch spannend bleiben.

Vogeleier im Geranienkasten – tierische Überraschung in Sulzbach-Rosenberg.

Sulzbach-Rosenberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.