07.03.2021 - 14:37 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Fraunhofer-Institut Sulzbach-Rosenberg: Düngemittel aus Mist und Gülle gewinnen

Dünger könnte künftig zunehmend aus Gülle und Mist gewonnen werden. Mit einem europaweit angelegten Projekt will das Fraunhofer-Institut Umsicht die Marktfähigkeit austesten.

Gülle, die auf den Feldern ausgebracht wird – ein seit Jahrzehnten bekanntes Verfahren. Künftig sollen jedoch Gülle und Mist zu Teilen anderweitig verwendet werden. Aus ihnen sollen Düngemittel gewonnen werden. Archivbild: Hartl
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Seit Jahren wird daran geforscht, aus Mist und Gülle Düngemittel mit guten Ertragseigenschaften zu produzieren. Jetzt könnte das Thema dank des Fraunhofer-Instituts in Sulzbach-Rosenberg einen enormen Schub erhalten. Seit einem Jahr läuft ein von der EU mit 7,78 Millionen Euro finanziertes Projekt namens "Fertimanure". Frederik Betsch, der Kommunikations-Leiter des Fraunhofer-Instituts, erklärt: "Es geht dabei nicht mehr um Grundlagenforschung, sondern es ist sehr anwendungsorientiert."

Heißt konkret: "Dass es technisch funktioniert, da sind sich alle einig. Der Herstellungspfad ist aber noch nicht so gut erforscht, es gibt noch keine guten Verwertungs- und Produktionsmethoden." Wie so oft sei die Wirtschaftlichkeit entscheidend. "Am Ende geht es um den Preis", sagt Betsch. In einer Umfrage, die bis Mai läuft, sollen unter anderem Forschungseinrichtungen, Düngerhersteller und Landwirte aus ganz Europa und Argentinien detailliert befragt werden. Zum einen soll dadurch austaxiert werden, wie die Akzeptanz ist. Zum anderen geht es darum, eine Verwertungskette aufzubauen und abzuklären, wie die Produktion konkret aussehen könnte.

Weniger von Importen abhängig

Das Thema ist laut Betsch vor allem auch deshalb so interessant, weil es einfach zu viel Mist und Gülle gibt. "Traditionell wird das auf Feldern ausgebracht oder in Biogasanlagen verwertet. Diese Verbreitungswege sind aber nicht mehr so einfach, weil der Überschuss zu groß ist. Das ist mittlerweile ein Problem - auch in Bayern." Hinzu kämen "ordnungsrechtliche Dinge", etwa was die Nitratbelastung der Böden betrifft. Ein weiterer Vorteil nach Aussagen des Kommunikations-Leiters: Man werde weniger abhängig von Phosphordünger-Importen.

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In einer Pressemitteilung wird die Forschung noch detaillierter beschrieben. "Fraunhofer Umsicht ist für die Umsetzung des deutschen Pilotprojekts zur Nährstoffrückgewinnung aus Rinderfestmist verantwortlich. Dabei werden Technologien entlang der gesamten Prozesskette, von der Vorbehandlung des Dungs über die thermochemische Konversion bis hin zur endgültigen Düngerproduktion, kombiniert und weiterentwickelt", heißt es in dem Schreiben. Die Maximierung der Stickstoffrückgewinnung und Phosphorverwertung aus dem Rindermist stehe dabei im Vordergrund, um daraus den Düngerrohstoff Ammoniumphosphat zu gewinnen. Zusätzlich werde phosphorreiche Biokohle produziert. Die Düngewirkung der Pilotprodukte wird in den Gewächshausanlagen des Instituts in Sulzbach-Rosenberg getestet. Also: Wie der Dünger auf die Pflanzen wirkt.

Projekt läuft noch drei Jahre

Außerdem heißt es in der Pressemitteilung, dass mehr als 90 Prozent der von den Viehzuchtbetrieben in der EU produzierten Gülle für die Bodendüngung verwendet wird. Dieser Prozess sei jedoch ineffizient, da die Nährstoffe nicht gezielt ausgebracht werden können. Das Projekt läuft laut Betsch in jedem Fall noch drei Jahre weiter.

Info:

Fraunhofer-Institut Umsicht Sulzbach-Rosenberg

  • Der Institutsteil Fraunhofer Umsicht in Sulzbach-Rosenberg gehört laut Hompepage seit 2012 zur Fraunhofer-Gesellschaft.
  • Am Institutsteil Sulzbach-Rosenberg sind derzeit etwa 89 Mitarbeiter beschäftigt. Es wurde im Jahr 2019 ein Jahresumsatz von 10,19 Millionen Euro erzielt.
  • Das Institut in Sulzbach-Rosenberg entwickelt seit 1990 wirtschaftsnahe Konzepte und Verfahren zur Bereitstellung und zum Einsatz von Energie, Rohstoffen und Materialien.
  • Auf rund 1700 Quadratmeter Technikumsfläche betreibt die Forschungseinrichtung Versuchsanlagen im Pilotmaßstab.

 

 

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