12.08.2020 - 10:41 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Film „Jenseits des Krieges“ lässt Zuschauer erschüttert zurück

Was ehemalige Wehrmachtssoldaten über die Gräuel des Krieges berichten, wirft Fragen auf. Zum Beispiel: Wie wenig muss passieren, damit "normale" Menschen zu Bestien werden?

Das Organisationsteam von PunK – von links Michael Hehl, Kathrin Birner, Daniel Söhnlein und Veit Stephan – bereitet schon die nächste Veranstaltungsreihe vor und hofft dass diese dann nicht durch Corona beeinträchtigt sein wird.
von Autor COGProfil

Es war ein lauschiger Sommerabend unter einem sternklaren Himmel, aber das Programm ließ keine Romantik aufkommen: Der "Verein für Politik und Kunst" ("PunK") zeigte im Hof der Buchhandlung Volkert den Film "Jenseits des Krieges".

1996 drehte Ruth Beckermann ihre Dokumentation in der Ausstellung "Vernichtungskrieg" über die Verbrechen der Wehrmacht an der Ostfront. In kurzen Interviews berichten ehemalige Wehrmachtsoldaten über ihre Erfahrungen mit Gräueltaten in Osteuropa. Die Aussagen der Befragten reichten dabei von "Ich habe nie etwas gesehen" über "Das waren die SS und der Sicherheitsdienst, aber nie reguläre Wehrmachtssoldaten" bis zu "Befehl ist Befehl". Nur wenige von Beckmanns Gesprächspartnern erklärten, dass die Teilnahme an Erschießungskommandos freiwillig war, also niemand gezwungen war, Kriegsverbrechen zu begehen.

Der Film ließ die Zuschauer erschüttert und bedrückt zurück, vor allem auch mit vielen Fragen: Kann ein Wehrmachtssoldat glaubhaft erklären, nichts über die Kriegsverbrechen gewusst zu haben? Wie viel kann man verdrängen, wie viel mussten die Soldaten vielleicht sogar verdrängen, um den Krieg zu überleben und danach weiterleben zu können? Wie viel vom nationalsozialistischen Gedankengut ist heute, nachdem die ehemaligen Soldaten und ihre Zeitgenossen gestorben sind, noch lebendig? Wie wenig muss passieren, damit "normale" Menschen zu Bestien werden? Stumm verließen die Besucher nach und nach den Hof. Eine Diskussion konnte sich nicht entwickeln, da die Zuschauer erst die Eindrücke verdauen mussten.

Die Vorführung von "Jenseits des Krieges" war die letzte Veranstaltung in der Reihe "Etwas Besseres als die Nation finden wir überall" von PunK. Sie hatte schon im März stattfinden sollen, musste aber wegen Corona verschoben werden.

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