05.07.2021 - 14:51 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Dreitägiger Streik lähmt Stahlgruber in Rosenberg

Viele Mitarbeiter der Firma Stahlgruber sind sauer: Das Angebot von 1,5 Prozent Lohnerhöhung empfinden sie als „respektlos“. 200 Mitarbeiter sind in den Ausstand getreten. Am Hochregallager in Sulzbach-Rosenberg stauen sich die Lastwagen.

Dutzende Lkw stauen sich vor dem Stahlgruber-Hochregallager in Rosenberg: Weil viele Kommissionierer im Wareneingang und andere Beschäftigte streiken, kommt es zu erheblichen Verzögerungen beim Abladen und in der Warenannahme.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“ Die bekannte Arbeiter-Kampfparole haben sich rund 200 Mitarbeiter des Logistikkonzerns Stahlgruber am Standort Sulzbach-Rosenberg zu eigen gemacht: Sie sind dem Verdi-Aufruf gefolgt und beteiligen sich zum inzwischen dritten Mal an einer bayernweiten Streikaktion. Zuvor wurde bereits Mitte Mai und Anfang Juni gestreikt. Nun soll der dritte Ausstand drei Tage von Montag bis Mittwoch dauern – und die Arbeitgeber endlich zu faireren Lohnangeboten zwingen.

Verdi fordert für die Beschäftigten im bayerischen Groß- und Außenhandel, wozu auch Stahlgruber gehört, eine Erhöhung der Löhne um 4,5 Prozent plus 45 Euro im Monat. Doch in der dritten Verhandlungsrunde zur Entgelterhöhung am 24. Juni in München bekamen die Beschäftigten nur 1,5 Prozent ab September angeboten – und das auch nur in sogenannten „gesunden Unternehmen“. Für „pandemiebetroffene Unternehmen“ ist für das laufende Jahr gar keine Erhöhung vorgesehen. Als „nicht gesund“ eingestufte Unternehmen sollen erst ab November 2022 von der 1,5-Prozent-Erhöhung profitieren.

Kundgebung am Frohnberg

Für die Sulzbach-Rosenberger Stahlgruber-Beschäftigten ist das ein Unding. Circa 70 Mitarbeiter versammelten sich zu einer Kundgebung am Hahnbacher Frohnberg in der Berggaststätte. Die restlichen 130 Streikenden mussten wegen Corona Zuhause bleiben, sie streiken „stay at home“.

„Wertschätzung geht anders. Zu Recht seid ihr stinksauer, dass eure Leistungen in der Pandemie nicht berücksichtigt werden“, sagte Christin Rappl. Die Verdi-Gewerkschaftssektretärin kritisierte die Unterscheidung zwischen „gesunden“ und „nicht gesunden“ Unternehmen: „Man will euch in Gewinner und Verlierer spalten, das kann doch nicht sein.“

Lachhafte Corona-Prämie

Karl-Heinz König sah das genauso. „Wenn ein Unternehmen nicht gesund ist, dann seid doch nicht ihr dafür verantwortlich, sondern die Unternehmensführung“, sagte der Betriebsratsvorsitzende vom Maxhütten-Rohrwerk, als er seine solidarischen Grüße überbrachte. Die Corona-Prämie von 150 Euro bezeichnete König als „lachhaft und beschämend.“

Der Betriebsratschef von Stahlgruber, Harald Luft, berichtete von eigenen Erfahrungen aus Verhandlungsrunden mit den Arbeitgebern. „Jeder, der schon mal in einer solchen Runde war, verliert jede Hemmung zu streiken.“ Mit den aktuellen Tarifbedingungen müssten die Angestellten „jeden Monat um jeden Cent kämpfen“. An eine vernünftige Altersversorgung sei da auch nicht zu denken. DGB-Kreisvorsitzender Wolfgang Berndt sagte, dass Arbeitgeber immer schnell seien, mehr Leistung von den Mitarbeitern einzufordern. „Aber wenn es mal um einen gerechten Lohn geht, dann wird sich geziert.“ Der Streik sei deshalb gerechtfertigt.

Inflation frisst Erhöhung auf

Der frühere Verdi-Gewerkschaftssekretär Georg Luber forderte für die Stahlgruber-Beschäftigten „Respekt, Anerkennung und Wertschätzung“. 1,5 Prozent Lohnerhöhung würde mit Blick auf die Inflation nicht einmal die Preissteigerung ausgleichen. „Würden wir das akzeptieren, das wäre ein Reallohnverlust.“ Mit ihren Parolen scheinen die Grußredner den Streikenden, die sich auf der Terrasse der Frohnberg-Gaststätte niedergelassen hatten, aus der Seele gesprochen zu haben. Regelmäßig wurde kräftig geklatscht und heftig genickt.

Die Folgen des dreitägigen Streiks machen sich unterdessen schon im Gewerbegebiet Laubhof bemerkbar: Vor dem Stahlgruber-Hochregallager stauen sich Dutzende Lkw am Straßenrand. Beim Entladen soll es zu massiven Verzögerungen kommen. Weil es die starken Arme der Arbeiter so wollen, werden dort noch bis mindestens Mittwoch die Räder still stehen.

So geht Stahlgruber mit der Corona-Testpflicht für Betriebe um

Amberg

Das bietet die generalsanierte Realschule in Sulzbach für Schüler und Lehrer

Sulzbach-Rosenberg
70 Mitarbeiter von Stahlgruber versammelten sich zur Streik-Kundgebung in der Hahnbacher Frohnberg-Gaststätte, um ihrem Unmut kundzutun. Wegen Corona konnten nicht mehr kommen - viele weitere Beschäftigte streiken unter dem Motto "stay at home".
Ob göttlicher Zuspruch hilft? Vor der Frohnberg-Wallfahrtskirche versammelten sich die Streikenden zum Gruppenfoto.
Info:

Tarifverhandlungen Groß- und Außenhandel Bayern

  • Beschäftigte: 270.000 in Bayern, darunter circa 650 bei Stahlgruber in Rosenberg
  • Verdi-Forderungen: 4,5 Prozent mehr Lohn plus 45 Euro im Monat
  • Arbeitgeber-Angebot: 1,5 Prozent mehr ab September 2021 und nur in "gesunden Unternehmen", in "nicht gesunden" Unternehmen frühestens ab März 2022, keine Erhöhung für "pandemiebetroffene Unternehmen"
  • Streiks bei Stahlgruber in Rosenberg am 14. Mai, 4. und 5. Juni und von Montag bis Mittwoch, 5. bis 7. Juli

„Wertschätzung geht anders. Zu Recht seid ihr stinksauer. Man will euch in Gewinner und Verlierer spalten.“

Christin Rappl, Verdi-Gewerkschaftssekretärin

Christin Rappl, Verdi-Gewerkschaftssekretärin

„Wir müssen jeden Monat um jeden Cent kämpfen. Eine Altersversorgung ist so nicht möglich.“

Harald Luft, Stahlgruber-Betriebsratschef

Harald Luft, Stahlgruber-Betriebsratschef

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.