26.03.2021 - 14:44 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Diskussion im Bauausschuss: Freiflächen-Photovoltaik nur nach Plan?

Photovoltaik auf freien Flächen ist wichtig für den Klimaschutz. In Sulzbach-Rosenberg soll dafür ein Entwicklungsplan kommen.

Im Sulzbach-Rosenberger Stadtgebiet sollen möglichst alle Flächen überprüft werden, die sich für eine PV-Freiflächenanlage (im Bild eine Photovoltaikanlage bei Ammersricht an der B 299) eignen könnten. Damit soll der Klimaschutz in der Region entscheidend vorangebracht werden.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Aus der Novembersitzung des Stadtrates datiert ein Antrag von SURO2030, der auf einen Entwicklungsplan für umweltfreundliche PV-Freiflächen-Anlagen abzielt. Wie aktuell im Bauausschuss erneut erläutert, solle dieser Plan mit einem festen Kriterienkatalog die Beratung und Entscheidungen im Ratsgremium über künftige Anträge erleichtern, die auf den Bau solcher Anlagen auf freier Fläche abzielen.

Vom Baureferat wurde zunächst daran erinnert, dass derzeit in Kümmersbruck und im Birgland die Gemeindegebiete auf Eignung für PV-Freiflächen-Anlagen untersucht werden. Diskussionen um Areale zur PV-Nutzung gibt und gab es in Amberg am Postweiher, in Ebermannsdorf, Kümmersbruck und Edelsfeld.

Konzept nachschärfen

Im Stadtgebiet von Sulzbach-Rosenberg trat ein Investor von seinem Vorhaben am Schlackenberg aus Kostengründen zurück, aber die Firma Kurz baut eine große Anlage in der Nähe von Oberschwaig. Zudem seien Untersuchungen angekündigt, die eine PV-Nutzung auf dem Gelände der ehemaligen Hausmülldeponie „Erzhülle“ prüfen. Unterhalb des Annaberges läuft schon seit Jahren eine Freiflächen-Anlage – auch auf einer früheren Deponie.

Wie Erster Bürgermeister Michael Göth einleitend ausführte, seien im Städtischen Klimaschutzkonzept 2011 insgesamt 1 Megawatt Leistung auf möglichen Freiflächen im Stadtgebiet ausgewiesen worden, was aber längst übertroffen sei. „Wir müssen das Konzept hier also nachschärfen.“

Dazu meldete sich gleich Umweltschutzbeauftragter Peter Zahn zu Wort, der auf die angestrebte Energiewende in Sulzbach-Rosenberg verwies, welche die Erwärmung um 1,5 Grad Celsius drücken soll. Zahn sprach von dramatischen Anstrengungen, um die Klimaneutralität bei der Energieerzeugung zu erreichen. „Wir müssen den Verbrauch beim Wärme, Strom und Verkehr reduzieren und die erneuerbaren Energien ausbauen“, so Zahn. Hier sah er eine grundsätzliche Notwendigkeit und das größte Potenzial in der Sonne durch PV-Anlagen auf Dächern und auf freier Fläche, was aber auch mit Störfaktoren einhergehen könne.

Für den Umweltschutzbeauftragten sei es deshalb ein probates Mittel, die Entwicklung auf diesem Sektor zu steuern, um bei der Suche konfliktfreie Flächen zu finden. „Man muss sich auch generell immer wieder fragen, wie viel PV-Anlagen wir noch brauchen, um die Klimaneutralität zu erreichen. Das ist notwendig und nützlich“, so Peter Zahn, der auch auf bestimmte Rahmenbedingungen etwa für Hausbesitzer und Investoren verwies, um diese Kreise für die Photovoltaik zu begeistern.

Externer Planer

Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn bewertete das Ansinnen grundsätzlich positiv, gab allerdings auch zu bedenken, dass es bei Gebäuden in puncto Dachlast immer gewisse Voraussetzungen vorherrschen müssten. Bei der Aufstellung eines Kriterienkataloges und der Priorisierung von Flächen wären ihrer Auffassung nach verschiedene Punkte zu berücksichtigt, wie etwa Bonität der landwirtschaftlichen Fläche, Landschaftsschutzgebiete, Einsehbarkeit/Blendwirkung oder die Flächengröße.

Da ein solcher Energie-Entwicklungsplan aus personellen Gründen vom Baureferat nicht selbst ausgearbeitet werden könne, ergab die Nachfrage bei etwaigen Honorarkosten für einen erfahrenen Planer rund 7500 Euro. Diese Summe müsste in den Haushalt 2021 eingeplant werden, hieß es aus dem Stadtbauamt.

Martin Kunert von SURO2030 als Antragsteller nannte einen Entwicklungsplan (EEP) für umweltverträgliche PV-Freiflächenanlagen ein „kommunales Planungsinstrument zum Thema erneuerbare Energien für Sulzbach-Rosenberg“. Er verglich den EEP mit dem Grundgedanken des Flächennutzungsplans, der die energetische Bestandssituation der Stadt abbilde und zugleich konkret die potenziellen Standorte für mögliche Neuanlagen aufzeige. „Der EEP bildet damit die Basis, um Maßnahmen zur Energieeinsparung, -effizienz und zur Umstellung auf erneuerbare Energien umzusetzen“, so Kunert.

Auch für Christian Steger (CSU) stand die Nutzung der PV-Technik außer Frage. Er wolle jedoch keine starke Bindung durch einen Plan, sondern bei Standorten lieber Einzelfallentscheidungen. Bürgermeister Michael Göth schlug die Überprüfung des Flächenpotenzials und die Untersuchung des Bedarfs an erneuerbarer Energie vor. Auch sollten künftig weiterhin Einzelentscheidungen möglich bleiben. Der Bauausschuss folgte dem Vorschlag des Rathauschefs bei einer Gegenstimme.

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Hintergrund:

Kriterien von SURO2030 zu PV-Freiflächenanlagen

  • Standortwahl: Seitenstreifen an Schienenwegen auf einer Breite von 200 Metern, Konversionsflächen oder ehemalige Verkehrswege und Industriestandorte, stillgelegte Flächen oder Abrissareale, unbebaute Gewerbe- und Industriegebiete oder versiegelte Flächen, bauliche Anlagen (Deponien), landwirtschaftliche Flächen in benachteiligten Gebieten.
  • Bau und Ausgestaltung: Versiegelung der Fläche so gering wie möglich, Überstellung der Freifläche über 70 Prozent vermeiden, PV-Anlagen durch Heckenpflanzungen in die Landschaft einbinden.
  • Betrieb der Anlage: Offenhaltung durch Beweidung, Vermeidung von Düngereinsatz sowie Rückbau der Anlage.

Offenhaltung durch Beweidung, Vermeidung von Düngereinsatz sowie Rückbau der Anlage.

Ohne Nutzung der Hausdächer für Photovoltaik (links) und Solarthermie (rechts) wird die Energiewende in Sulzbach-Rosenberg nicht möglich sein.

 

 

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