02.05.2021 - 16:11 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

DGB zeigt am 1. Mai in Sulzbach-Rosenberg Flagge

Auf öffentliche Aufrufe zur Maifeier hat das DGB-Ortskartell in Sulzbach-Rosenberg verzichtet. Ausgefallen ist die Kundgebung, im Gegensatz zum Vorjahr, aber nicht.

Ein kleiner Kreis von Gewerkschaftern knüpft am Tag der Arbeit an die Tradition der Maifeiern in Sulzbach-Rosenberg an.
von Externer BeitragProfil

Die Handlungsfähigkeit der Gewerkschaften in der Coronakrise unterstreichen sollte einer Pressemitteilung des DGB-Ortskartells zufolge eine Maikundgebung, zu der sich am Samstagmorgen ein kleiner Teilnehmerkreis auf dem Sparkassenplatz zusammenfand. DGB-Ortskartellvorsitzender Wolfgang Berndt eröffnete sie mit einem Totengedenken an Bernhard Dietl, der jahrzehntelang als Betriebsrat, für die Postgewerkschaft und Verdi sowie im DGB-Kreisvorstand Amberg-Sulzbach aktiv gewesen sei und zu den Opfern der Pandemie zähle.

Wenn auch die Erkrankten und Verstorbenen zurecht im Vordergrund des öffentlichen Interesses stünden, so dürfte einige Begleiterscheinungen der Corona-Beschränkungen nicht vergessen werden. Dazu gehören die wirtschaftlichen Folgen für die Beschäftigten, die teilweise finanzielle Einbußen verkraften und um ihre Arbeitsplätze bangen müssten, vor allem die soziale Verluste durch die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen. Berndt forderte eine Abkehr von der Lockdown-Politik. „Ohne solche Kontakte besteht die große Gefahr, dass Menschen zu einer seelenlosen Maschine abdriften“, warnte er.

Das DGB-Motto zum 1. Mai 2021, „Solidarität ist Zukunft“, griff Sabrina Feige, Fachsekretärin bei der IG Metall Amberg, auf. Die Gewerkschaften setzten sich für einen starken Sozialstaat, für gute Arbeit und für Europa und die Welt ein. Dabei zeige sich so deutlich wie selten zuvor, wie intensiv die einzelnen Länder in das weltweite Geschehen eingebunden seien und welche Bedeutung in diesem Zusammenhang die soziale Sicherheit jedes Einzelnen habe. Die Krise habe aber auch gezeigt, dass Klatschen für die Beschäftigten im Gesundheitswesen oder im Handel nicht ausreiche. Die Leistungen müssten auch finanziell honoriert werden. Damit Betriebs- und Personalräte, die in der Krise einen tollen Job gemacht hätten, sich noch mehr für die Interessen der Beschäftigten einsetzten könnten, sollten die Mitbestimmungsrechte ausgebaut werden.

Solidarität bedeute auch, die Zukunft unabhängig vom Geschlecht zu gestalten. Während der Pandemie hätten Frauen gezwungenermaßen, neben der Arbeit, zusätzlich mehr Aufgaben in der Familie übernommen und einen Rückfall in alte Geschlechterrollen erlebt. Solidarisch sei deshalb, wenn Frauen und Männer dieselben Chancen in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft haben und in der Familie dieselbe Verantwortung für Sorge- und Erziehungsarbeit übernehmen können, forderte die Referentin.

Nicht zuletzt bringe eine starke Tarifbindung gute Arbeit und gute Löhne, wie die IG Metall in den aktuellen Tarifrunden demonstriert habe. Einschnitte beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld seien mit Warnstreiks abgewendet worden, an denen sich mehr als eine Million Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie beteiligt hätten.

Probleme im Bildungsbereich würden in der Pandemie wie durch ein Brennglas verstärkt, betonte für die Gewerkschaft, Erziehung und Wissenschaft (GEW) Gabriele Mutzbauer, Mitglied im Bezirkspersonalrat. Vor allem die allgemeinbildenden Schulen wie Grund- und Mittelschulen litten unter chronischem Lehrermangel, der durch die im Vergleich zu Realschulen und Gymnasien geringere Bezahlung verursacht werde. Die GEW setze sich deshalb für gleiche Bezahlung unabhängig vom Schultyp ein. Viel zu tun gäbe es auch bei der Digitalisierung, die jahrzehntelang hinausgeschoben wurde, was sich während der Krise brutal räche.

Wie sich die Existenz von Gewerkschaften gerade in der Pandemie für die Beschäftigten positiv auswirke, zeige die Situation in den Pflegeberufen, betonte Verdi-Bezirksvorsitzender Stefan Dietl. In Bereichen, in denen die Gewerkschaften den nötigen Rückhalt der Beschäftigten besäßen, seien manche Verbesserungen durchgesetzt werden. Dennoch werde die knochenharte Arbeit in den Altersheimen und Krankenhäusern, die seit über einem Jahr geleistet werde, noch zu gering gewürdigt.

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Wie ein Brennglas verstärke die Pandemie die vorhandenen Probleme im Bildungswesen, warnte Gabriele Mutzbauer (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), die dem Bezirkspersonlarat angehört.
Die Durchsetzungskraft der IG Metall sah Fachsekretärin Sabrina Feige durch die Abschlüsse in den vergangenen Tarifrunden bestätigt.
Die "knochenharte Arbeit" in den Gesundheits- und Pflegeberufen werde nach wie vor zu wenig honoriert, kritisierte Verdi-Bezirksvorsitzender Stefan Dietl.
Eine Abkehr von der Lockdown-Politik forderte DGB-Ortskartellvorsitzender Wolfgang Berndt, denn soziale Kontakte bildeten die Grundlage einer humanen Gesellschaft.

 

 

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