30.10.2019 - 16:49 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Breitenbrunn: Einmalige Wirtshaus-Ära ist zu Ende

Breitenbrunn ohne Wirtshaus, Schlachtschüssel, Biergarten und "Alm" - kaum vorstellbar. Dennoch endet am 31. Oktober die Jahrzehnte währende Ära der Wirtsfamilie Mutzbauer. Wirtin Kuni Mutzbauer (78) sperrt die Gasthaustür zu.

Eine lange Wirtshaustradition ist zu Ende: Bräu Christan Sperber, dessen Haus 90 Jahre lang das Bier lieferte, Wirtin Kuni Mutzbauer und Tochter Birgit (von links).
von Autor RLÖProfil

Die Hoffnung, sagt man, stirbt zuletzt. Und es gibt tatsächlich einige Nachfolge-Interessenten, die mit der Familie in Verhandlungen stehen. Vielleicht trinken wir ja doch im nächsten Sommer wieder eine frische Maß im Biergarten auf der Alm . . .

Die Breitenbrunner Wirtshaus-Tradition reicht mit Sicherheit mehr als hundert Jahre zurück. Denn als ein Johann Mutzbauer von Rummersricht (der Schwiegervater von Wirtin Kuni Mutzbauer) 1929 die Breitenbrunnerin Kunigunde Aures zum Altar führte, heiratete er nicht nur in eine Landwirtschaft ein, sondern auch in die dazugehörige "Aures'sche Wirtschaft", ein bäuerliches Gasthaus, in dem damals schon seit vielen Jahren das Sulzbacher "Rennerseitz-Bier" ausgeschenkt wurde, später bekannt als "Bayerisch Hof".

Der einmalige Biergarten sucht weitum seinesgleichen. Auch deswegen hoffen viele Stammgäste, dass es irgendwie weitergeht im Tal der Sieben Quellen.

90 Jahre Sperber-Bier

Da aber der neue Hof-und Wirtshausbesitzer verwandt war mit der Brauerfamilie Sperber, schäumte eben ab 1929 in Breitenbrunn Sperber-Bier in den Krügen. Und das ist bis heute so geblieben, sprich, diese Geschäftsbeziehung hat 90 Jahre auf dem Buckel. Ganz sicher rekordverdächtig!

Acht Buben zogen Kunigunde und Johann Mutzbauer auf, von denen der jüngste, auch ein Johann, das Wirtshaus und den Bauernhof übernahm. Auch er heiratete dann 1965 eine Kunigunde, geborene Schötz, aus Ödhaag. Das alte Wirts- und Wohnhaus war inzwischen sehr in die Jahre gekommen, die Schar der Gäste wuchs stetig, ein Neubau empfahl sich. 1968 entstand das neue Wirtshaus mit Wohnung, die neue "Alm" beim Biergarten gesellte sich 1984 dazu. Eine weitere grundlegende Modernisierung rüstete den Betrieb 2001/2002 endgültig für die neuzeitlichen Ansprüche an eine leistungsfähige Gastronomie auf.

Wirt als Musikant

Während das Wirtshaus florierte und sich größter Beliebtheit erfreute, blieben Kuni Mutzbauer schwere persönliche Schicksalsschläge nicht erspart. Drei Kinder, die Töchter Sonja und Birgit und den Sohn Robert, hatte sie mit Johann Mutzbauer, und alle Weichen für den Fortbestand des Familienunternehmens schienen gestellt.

Dann aber verstarb der Wirt Johann Mutzbauer, der sich auch als Musikant und Zitherspieler einen Namen gemacht hatte, unerwartet und viel zu früh im Jahr 1995, und nur ein Jahr später erlag Sohn Robert einem schweren Motorrad-Unfall.

Die Älteren werden es noch wissen: Bis 1968 stand das alte Wirtshaus in Breitenbrunn, rechts davon der Stadel, im Norden schon die damalige Alm.

Erholsame Stunden

Dennoch fand Kuni Mutzbauer die bewundernswerte Kraft, den Betrieb aufrechtzuerhalten, in den Folgejahren dabei auch maßgeblich von ihrer Tochter Birgit (45) unterstützt.

So blieb das Gasthaus "Zu den Sieben Quellen" noch 24 Jahre lang der beliebte Treffpunkt für Gäste, für Schafkopfer, für Vereine, für unzählige Familienfeiern, kernige Schlachtschüsseln, erholsame Stunden im Biergarten. Bis heuer die Befürchtung zur Gewissheit werden sollte: Kuni Mutzbauer sah sich nämlich gesundheitlich außerstande, das Wirtshaus im gewohnten Umfang weiterzuführen.

Wehmut am Abend

Die Kräfte reichten nicht mehr. Wehmut überschattete immer mehr den letzten Abend in der Wirtsstube am Mittwoch dieser Woche - eine stolze und traditionsgeprägte Wirtshaus-Ära in Sulzbach-Rosenberg geht zu Ende. Stirbt damit nicht auch ein Stück Breitenbrunn?

Der Entschluss, den Gaststättenbetrieb einzustellen, ist Kuni Mutzbauer wahrlich nicht leicht gefallen. Nicht selten standen ihr in den vergangenen Tagen und Wochen die Tränen in den Augen, wenn sich treue Stammgäste, Kartlerrunden oder Stammtische bei ihr verabschiedeten – oft mit Blumen und herzlichen Worten, die sich zusammenfassen lassen in dem Satz: „Ewig schad‘, so ein Wirtshaus, und solche Wirtsleute gibt es so schnell nicht wieder“. In der Tat verkörperte das Gasthaus „Zu den Sieben Quellen“ in Breitenbrunn bayerische Wirtshauskultur im besten Sinne: Familiär und grundsolide geführt, stets das Wohl des Gastes im Auge, in Küche und Keller auf Bodenständigkeit und Qualität bedacht. Die hausgemachten Wurstwaren, bis Anfang der 2000er Jahre sogar noch aus eigener Schlachtung, erfreuten sich eines geradezu legendären Rufes weit über Breitenbrunn und Rosenberg hinaus. Das galt früher auch für das Brot, das noch bis 1967 im eigenen Backofen gebacken wurde. Wer sich in diesem Haus zu Brotzeit oder Mittagstisch niederließ, konnte sicher sein, dass er rundum satt und zufrieden wieder aufstehen würde. „So guat wöi dahoim“ – dieses vielfach gehörte Lob aus Gästemund durfte auch als Gütesiegel für den ganzen Betrieb gelten.

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