14.10.2020 - 15:41 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Brauer, Mälzer, alte Wirtshäuser

Erwin Kraus legt gleich ein Triple vor: Der erste Band seines neuen Projektes "Das Sulzbach-Rosenberger Brauwesen - Brauereien und Wirtshäuser, Teil 1" ist erhältlich, zwei weitere folgen. Eine Fundgrube für geschichtlich Interessierte.

Gute Stimmung herrschte in der Landkutsche schon Anfang des vorigen Jahrhunderts, wie diese historische Aufnahme beweist.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Schon sechs Bildbände über Alt-Sulzbach und -Rosenberg, über Geschäfte, Handwerksbetriebe, Maxhütte und Bergwerk hat der ehemalige Rohrwerker Erwin Kraus herausgebracht, jeweils begleitet von einer Doppel-DVD mit Hunderten von historischen Bildern der Stadt. Für sein Engagement um die Heimat wurde ihm die Bürgermedaille 2018 der Stadt verliehen. "Er will Familie, Heimat, Kultur und Tradition den nächsten Generationen in seinen Büchern, Filmen und Bildern sowie durch seine Ehrenämter weiter vermitteln", hieß es damals in der Laudatio: "Es gibt Menschen, die sind so in Traditionen verwurzelt, dass man meint, sie wären selbst die Wurzel."

Altes Buch bringt Thema

Wir sprachen mit dem Autor über die Entstehung seines neuesten Werkes. "Nach meinem Band 6, 'Maxhütte - 150 Jahre Stahlerzeugung in der Oberpfalz' wollte ich eigentlich wieder über Sulzbach und Rosenberg einen Bildband zusammenstellen. Als ich aber das Buch. ,Das Brauwesen in Sulzbach-Rosenberg', das der frühere Stadtbaumeister Rudolf Heinl 1979 geschrieben hatte, in die Hände bekam, war mir klar, wie das Thema für mein neues Buch heißen wird: Brauereien, Wirtshäuser, Bierschenken, Bierkeller und herrliche Biergärten."

Sehr viel Bildmaterial

In den letzten zwei Jahren hatte Kraus viel Freizeit investiert und Bild- und Informationsmaterial von Brauereien, Privatbrauereien, über 50 Wirtshäusern und Bäckereien mit Bierschenke zusammengetragen. Im Gespräch sagte er "ein herzliches Dankeschön allen, die mir bei meiner Arbeit in irgendeiner Weise geholfen haben, besonders durch die Bereitstellung von Bild- und Informationsmaterial."

Da er so viel Bildmaterial gesammelt und erhalten habe, sei er praktisch gezwungen, gleich drei Bildbände daraus zu machen. 2020 erschien also jetzt im Oktober Teil 1 über das Brauwesen im Bochviertel, Sulzbacher Malzfabrik, Brauereien mit Bierkeller, Wirtshäuser mit Biergärten und Bäckereien mit Bierschenke. An Weihnachten kommt Teil 2 über die selben Themen. Teil 3 ist vorgesehen für das Frühjahr und behandelt auch noch andere Lokale. Kraus hofft, dass er besonders den älteren Bürgern, die diese alten Wirtshäuser noch von innen kennen, vom Früh- oder Dämmerschoppen, Freude bereitet und die Erinnerung wachhält. Aber auch für Jüngere könnte der Blick in die Geschichte interessant sein.

Erhältlich ist der erste Teil in den Buch-und Schreibwarenhandlungen Dorner, Volkert und "Zentrale mit Herz" Rosenberg (Heidtmann). Erwin Kraus arbeitet derzeit weiter an der Einrichtung seines historischen Bierkellers. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

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Info:

Hintergrund

Die Anfänge des Kommunbrauwesens sowie der Zeitpunkt der Errichtung des ersten Kommunbrauhauses sind übrigens unbekannt. Man könne jedoch mit Sicherheit annehmen, dass zunächst nur ein Kommunbrauhaus in Sulzbach bestand. Die zunehmende Beliebtheit des Bieres sowie die Vielfalt der Brauberechtigten machte bald die Errichtung weiterer Kommunbrauhäuser erforderlich. So verfügte Sulzbach im 17. Jahrhundert über ein Weißbier-Brauhaus, zwei Braunbier-Brauhäuser, ein fürstliches Brauhaus, ein kommunales Malzhaus und einige private Malzhäuser. Mitte des 19. Jahrhunderts bestanden nur mehr ein kommunales Brauhaus, zwei Gesellschaftsbrauhäuser, zwei gesellschaftliche Malzhäuser. Zu den Kommun- und Gesellschaftsbrauhäusern gesellten sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits die ersten Privat-Brauhäuser, in der zweiten Hälfte folgten weitere. Die letzte noch bestehende „Vordere Brauhausgesellschaft“ (Obere Bachgasse 20 und 22) löste sich 1965 auf. Damit erloschen gleichzeitig alle bis dahin noch bestehenden Kommunbraurechte.

Die alte Traditionswirtschaft Schinhammer in der Rosenberger Straße wurde 1968 abgerissen. Heute steht dort ein Drogeriemarkt.
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