30.09.2020 - 18:10 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bluttat wie im Rausch: Amberger Gericht bestellt Gutachten

Im Februar hat ein 21-Jähriger wie von Sinnen auf einen Obdachlosen eingestochen. Nun muss er sich vor dem Jugendgericht verantworten. Die zentrale Frage lautet: Ist der Angeklagte therapierbar oder muss er in die Forensik?

Vor dieser Bankfiliale in Sulzbach-Rosenberg stach ein 21-Jähriger auf einen Obdachlosen ein.
von Autor HOUProfil

Die Entscheidung für drei Berufsrichter und zwei Schöffen ist nicht leicht. Sie sollen darüber befinden, ob ein 21-Jähriger aus Sulzbach-Rosenberg auf unbestimmte Zeit und womöglich für den Rest seines Lebens in die Psychiatrie muss. Der Mann hatte am 3. Februar gegen 1.30 Uhr einen Obdachlosen vor einer Bankfiliale in Sulzbach-Rosenberg (Kreis Amberg-Sulzbach) mit einem Messer angegriffen, ihm zwei Stiche versetzt und dann auf den zu Boden gegangenen 58-Jährigen eingetreten. Danach ließ er sein schwer verletztes Opfer liegen und ging heim.

Als Mordversuch bewertet

Vor der Jugendkammer des Landgerichts Amberg bezeichnet die Staatsanwaltschaft diese Tat nun als Mordversuch. Sie möchte, dass der Sulzbach-Rosenberger wegen einer bei ihm festgestellten geistigen Erkrankung auf unbestimmte Dauer in die Forensik eingewiesen wird. "Zur Vermeidung künftiger Straftaten", wie es heißt. Im Vorfeld des Prozesses gab es eine Reihe gutachterlicher Meinungen. Auch im Prozess kamen ein Sachverständiger und sachverständige Zeugen zu Wort. Das genügt dem Regensburger Strafverteidiger Georg Karl im Hinblick auf eine klare Meinungsbildung keineswegs. Kurz bevor am zweiten Verhandlungstag die Plädoyers beginnen sollten, stellte der Anwalt mehrere Beweisanträge.

Der Verteidiger des 21-Jährigen möchte wissen, ob eine bei seinem Mandanten ebenfalls diagnostizierte Rauschmittelabhängigkeit entscheidenden Einfluss auf die Tat in Sulzbach-Rosenberg nahm. Ein Gutachter hatte dies im Vorfeld bei der schriftlichen Erstellung seiner Expertise für möglich gehalten. Im Prozess aber war der Facharzt davon abgerückt. Zur Begründung hieß es, der Beschuldigte sei nun seit längerer Zeit in der Psychiatrie untergebracht, habe seither keinen Zugriff mehr auf berauschende Mittel und zeige sich dennoch in seinem auffälligen Verhalten unverändert. Von daher könne wohl nur die im Bereich der Schizophrenie liegende Krankheit ausschlaggebend gewesen sein. Eine von der Mutter des 21-Jährigen im Verfahrensverlauf getroffene Feststellung hatte der Psychiater mit einbezogen. Sie lautete: "Mein Sohn hört Stimmen."

Frage nach möglicher Schizophrenie

In früheren Diagnosen, hielt Karl dieser fachlichen Meinung entgegen, "spielte Schizophrenie keine Rolle". Es könne durchaus sein, dass nur eine Drogentherapie notwendig sei. Sie falle unter den Paragrafen 64 des Strafgesetzbuches und sei von ihrer Dauer her begrenzt. Der Paragraf 63, um den es jetzt in der Verhandlung vorrangig geht, beinhalte die zeitlich unbegrenzte Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt.

"Wir haben die Meinungen erfahrener Fachleute gehört", warf Staatsanwalt Holger Bluhm in die Debatte und ergänzte, man brauche keine weiteren Gutachten. Nach längerer Beratung entsprach die Jugendkammer unter Vorsitz von Harald Riedl den vom Verteidiger gestellten Anträgen. Das bedeutet: Das Gericht will die Beurteilungen weiterer Mediziner hören, um seine Meinungsbildung zu komplettieren. Am Montag, 19. Oktober, sollen die Ärzte bei der Prozessfortsetzung im Gerichtssaal erscheinen.

Der erste Prozesstag

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