14.07.2021 - 17:50 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Besuch im Impfzentrum Sulzbach-Rosenberg: Kleiner Stich, großer Schutz

Die Kühlschränke sind gut gefüllt. Alles da, was lange wertvoller als Gold war: die vier Vakzine gegen Corona. Nur: So langsam wird ein anderes, für die Impfkampagne so wichtiges Gut rar. Ein Besuch im Impfzentrum Sulzbach-Rosenberg.

Bitte eintreten: Das Foyer des LCC in Sulzbach-Rosenberg ist zum Wartebereich des Impfzentrums umfunktioniert worden. Wer hier auf den Stühlen Platz nimmt, weil oben in den Impfkabinen gerade viel los ist, kann sich die Wartezeit mit einem Aufklärungsfilm über das Impfen gegen Corona verkürzen.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Eine junge Frau betritt das LCC Sulzbach-Rosenberg. Sie weist sich aus, legt alle erforderlichen Dokumente vor. Den Wartebereich darf sie links liegen lassen. Darf gleich hoch in den zweiten Stock. An diesem Tag im Juli ist wenig Betrieb im Impfzentrum in Sulzbach-Rosenberg. Was zu Jahresbeginn ein rares Gut war, ist in den beiden Kühlschränken ausreichend vorhanden: Corona-Impfstoff. Von allen vier in Deutschland zugelassenen Herstellern: Biontech/Pfizer, Astrazeneca, Moderna und Johnson & Johnson.

Problem: nicht abgesagte Termine

Betreiber der Impfzentren in Amberg (Jugendzentrum Klärwerk) und Sulzbach-Rosenberg (LCC) ist der BRK-Kreisverband Amberg-Sulzbach. Dessen Geschäftsführer Sebastian Schaller führt aus, dass in Stadt und Landkreis schon 83.000 Menschen eine Erstimpfung erhalten haben. Der große Ansturm wie noch vor Monaten hat sich gelegt. Schaller sieht den Punkt kommen, "wo die Impfnachfrage befriedigt ist". Vorbei ist die Zeit, "wo wir nicht genug Impfstoff hatten und alle ihn haben wollten". Probleme bereiten momentan die Zweitimpfungen. Oder besser gesagt: die nicht wahrgenommenen. Weil zweiter Piks beim Hausarzt oder beim Arbeitgeber. Die Crux daran schildert seufzend Joanna Sladki, die mit Eileen Hauenstein das Impfzentrum im LCC leitet: "Aber die Leute sagen die bei uns vereinbarten Termine nicht ab." Planbarkeit für die Impfzentren sieht anders aus.

Die junge Frau ist im zweiten Stock angekommen, marschiert schnurstracks zum Check-In. Was die erforderlichen Dokumente angeht, sind laut Schaller und den beiden Leiterinnen des Impfzentrums sehr gewissenhaft: "Die meisten haben alles parat." Manch einer beordert per Handy flott einen Angehörigen herbei: "Mama, kannst du mir das noch schnell bringen?!" Die drei kennen nur einen einzigen Fall, dass jemand nicht berechtigt war, hier geimpft zu werden, weil er weder Erst- noch Zweitwohnsitz hier hatte. "Den mussten wir direkt wieder weiterschicken", sagt Schaller.

Viel Manpower erforderlich

150 Mitarbeiter sind in den Impfzentren tätig, der größte Teil in Teilzeit. Plus rund 200 Ehrenamtliche aus den Reihen des BRK. Und 150 Ärzte auf Honorarbasis. Dr. Sebastian Morcinek ist einer von ihnen. An diesem Tag sitzt der Intensivmediziner von St. Marien Amberg im Impfzentrum und klärt die Impfwilligen über die Immunisierung gegen Corona auf. Drei Plätze stehen dafür zur Verfügung, bei Bedarf könnte noch um einen aufgestockt werden. "Ältere fragen eher nach", so Eileen Hauensteins Erfahrung bezüglich der Aufklärungsgespräche. Ältere kommen kaum noch. "Die sind alle durchgeimpft", sagt Morcinek. Beratungsbedarf ist auch bei den Jüngeren da. "Sie machen sich Gedanken wegen Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Impfen von Kindern." Sie wollen wissen, wie die Nebenwirkungen sind, ob sie nach der Impfung Sport treiben dürfen.

Generell seien die Leute schon vorab gut informiert, sagt Morcinek. Das bestätigt auch Dr. Hans-Peter Kohl, der an diesem Tag ebenfalls Aufklärungsgespräche führt. Mitunter müssen die Ärzte Menschen, die sich impfen lassen wollen, abweisen. Kohl erzählt von einer älteren Dame, die er wieder nach Hause geschickt hatte, weil sie sich unwohl fühlte. "Wir haben auch schon stark Alkoholisierte weggeschickt", sagt Morcinek. Wer einen fieberhaften Infekt habe, komme ebenfalls nicht dran.

Keine Sprachbarrieren

Andere wiederum gingen freiwillig. Weil ihnen der Impfstoff nicht taugte. Weil zum Beispiel nur Astrazeneca da war, kein Biontech/Pfizer. "Jede Impfung ist besser als keine Impfung", wirbt Sebastian Morcinek für den Schutz gegen Corona. Sprachbarrieren stellen keine Hindernisse für die Impfung dar. Wer Deutsch nicht versteht, kann auf einen Dolmetscher-Service zurückgreifen, erläutert Joanna Sladki. Für viele Sprachen wird dann telefonisch übersetzt – von Tschechisch über Polnisch und Russisch bis hin zu Arabisch. Außerdem gibt es eine App. Dr. Kohl hat es bislang noch nicht erlebt, dass jemand den Dolmetscher-Service benötigte. "Wenn, dann waren es Ältere, die aber Angehörige zum Übersetzen dabei hatten."

Jürgen Ullrich, langjähriger BRK-Mitarbeiter, ist einer derjenigen, die impfen. Fünf Kabinen stehen dafür in Sulzbach-Rosenberg zur Verfügung. Seine Erfahrung: 90 Prozent machen den linken Arm frei, um sich dort die Spritze verpassen zu lassen. "Also genau umgekehrt zum Schreibarm." Er und seine Kollegin Gerlinde Schertl hören so manche Sorge der Impfwilligen. Zum Beispiel die Frage, ob in der Spritze auch wirklich Impfstoff drin sei. Jeder, der impft, richtet das, was er dafür braucht, selbst her. Gerlinde Schertl zieht in einem Raum neben den Impfkabinen gerade eine Spritze auf, legt sie in eine Papp-Nierenschale. Sie ist gelernte Krankenschwester, hat schon in der ambulanten Pflege gearbeitet und war diejenige, die zum Start des Impfzentrums nach Weihnachten die allererste Spritze setzte, um eine betagte Dame zu impfen.

Ende Dezember 2020: Die allererste Corona-Spritze im Impfzentrum

Amberg

In den beiden Kühlschränken lagert, was am Anfang der Impfkampagne noch wertvoller als Gold war: Vakzine vier verschiedener Hersteller, gekühlt bei zwei bis acht Grad. Joanna Sladki weiß, was allen gemein ist: "Sie mögen es nicht geschüttelt zu werden." Sie greift nach einem Schaumstoff-Quadrat. Diese nehmen die mobilen Impfteams mit, um die Ampullen ohne Erschütterungen zu transportieren.

Von "ganz cool bis ängstlich"

Viele, die in der Impfkabine sitzen, nehmen den Piks ganz locker. "Manche sind ganz cool, andere ein bisschen ängstlich", weiß Gerlinde Schertl. Viele seien unendlich dankbar, dass sie endlich geimpft werden, sagt Jürgen Ullrich. "Sie haben so lange auf diesen Tag gewartet."

Nach der Impfung geht's in einen der beiden Ruheräume, die zwei Mitarbeiter betreuen. Einer überwacht die frisch Geimpften, der andere übernimmt den Check-Out. "Es kommt schon vor, dass es Leuten nach der Impfung nicht gut geht", sagt Eileen Hauenstein, die das Impfzentrum leitet und Erzieherin im BRK-Kinderhaus Eulenland im ehemaligen Rosenberger Schlössl ist. Mitunter helfe den Betroffenen schon ein Glas Wasser. "Mancher ist einfach nur aufgeregt." Nach 15 Minuten geht's zum Check-Out zu Lukas Nübler. Außer aus medizinischen Gründen wurde auf eine halbe Stunde erhöht.

So niederschwellig wie möglich

Aktuell rechnet BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller mit rund 4000 Impfungen wöchentlich in Amberg und Sulzbach-Rosenberg. Da sich Delta breitmacht, sei es wichtig, dagegen mit zwei Impfungen geschützt zu sein. Um Leute zum Schutz vor Covid-19 zu bewegen, bieten die Impfzentren seit 14 Tagen unkompliziert Termine über die Hotline (09621/16229-7100) an. Diesen Mittwoch fiel die letzte Barriere: Ins Impfzentrum kann man einfach so spazieren – Montag bis Samstag, jeweils zwischen 8 und 12 Uhr sowie 13 und 17 Uhr.

Die letzte Sonderaktion im Impfzentrum: Johnson & Johnson für alle

Amberg
Vor die Spritze gegen Corona hat der Gesetzgeber das Arztgespräch gesetzt. Hier klärt Dr. Sebastian Morcinek gerade eine Patientin über die Impfung und mögliche Nebenwirkungen auf.
Der schützende Piks vor dem Coronavirus ist nur noch eine Frage von Millimetern.
Hintergrund:

Die einzelnen Stationen im Impfzentrum

  • Eingang: Hier werden die Ausweise kontrolliert, der Impftermin gecheckt.
  • Wartebereich: Im Foyer läuft ein Aufklärungsfilm über die Impfung.
  • Check-In: Fiebermessen, Überprüfung der Dokumente (früher auch Nachweise über Priorisierung) und persönlicher Daten.
  • Arztgespräch: Mediziner klären über die Impfung und Nebenwirkungen auf.
  • Impfung: Oberarm freimachen, Piks, Tupfer, Heftpflaster.
  • Ruheraum: Jeweils 15 Minuten werden die Geimpften überwacht.
  • Check-Out: Erhalt des Impfnachweises, bei Erstimpfung auch Unterlagen für Zweitimpfung.

„Manche fühlen sich nach der Impfung nicht so wohl. Manchmal hilft aber schon ein Glas Wasser.“

Eileen Hauenstein, Leiterin des Impfzentrums im LCC

Eileen Hauenstein, Leiterin des Impfzentrums im LCC

„Keiner der Impfstoffe mag es, geschüttelt zu werden.“

Joanna Sladki, stellvertretende Leiterin des Impfzentrums

Joanna Sladki, stellvertretende Leiterin des Impfzentrums

 

 

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