08.07.2020 - 16:16 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Auto-Gewerbepark: Debatte um Bauvorhaben geht weiter

Die Diskussion um das "Fiebinger-Grundstück" nahe der Krötenseeschule in Sulzbach-Rosenberg geht in eine neue Runde: Im Bauauschuss präsentierte Architektin Ines Azzi die geänderte Planung – eine hitzige Debatte folgte.

An der Verbindung zwischen B 14 und Dieselstraße (rechts) soll eine Ampelkreuzung entstehen. Damit würde die Einfahrt in den geplanten Autopark (links) erschlossen und die Straßenquerung für Fußgänger sicherer. Der Gehölzbestand (links im Bild) soll weitgehend erhalten bleiben, informierte Rainer Rubenbauer vom Ingenieurbüro UTA aus Amberg.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Der Umwelt-, Bau- und Planungsausschuss des Sulzbach-Rosenberger Stadtrates ist am Dienstag in teils neuer Zusammensetzung zu seiner ersten Sitzung in der neuen Wahlperiode zusammengetreten. Das Thema, mit dem sich die Stadträte in der Turnhalle der Pestalozzi-Grundschule beschäftigten, ist jedoch inzwischen altbekannt – und öffentlich umstritten.

Gemeinsam mit Rainer Rubenbauer vom Ingenieurbüro UTA aus Amberg stellte Architektin Ines Azzi die geänderte Planung für den autoaffinen Gewerbepark "Krötensee II" vor. Investor Karim Benali erschien trotz Einladung nicht. Das Vorhaben ist erneut auf die Tagesordnung gekommen, nachdem die Stadträte in ihrer Sitzung am 26. Mai die Planung für den Gewerbepark mit nur einer Stimme Mehrheit ablehnten. Grundstücksbesitzerin Sylvia Fiebinger und Projektleiterin Ines Azzi reagierten darauf überrascht – schließlich hatte der alte Stadtrat dem Projekt noch zugestimmt.

Bauprojekt in Zukunft gerichtet

Azzi war diesmal in der Sitzung persönlich anwesend. "Vielleicht sind im Vorfeld zu wenig Angaben gemacht worden. Es wurde ja pauschal über Fastfood und den Autopark debattiert", brachte sie ihre Befürchtung zum Ausdruck, die Räte hätten bei ihrer ablehnenden Entscheidung das Bild eines rückwärtsgewandten Bauprojekts vor Augen gehabt. Dies sei nicht der Fall: "Wir wollen für die Zukunft bauen", beteuerte die 52-Jährige. "Tankstelle ist nicht gleich Tankstelle. Auf dem Areal sind E-Ladestellen für Elektroautos vorgesehen und wir planen eine Fläche, auf der später eine Wasserstoff-Tankstelle errichtet werden soll."

Neben einer Tankstelle, einer SB-Waschanlage und einer Reparaturwerkstatt soll laut Azzi auch eine McDonalds-Filiale auf dem Areal zwischen B 14 und B 85 am westlichen Stadtrand entstehen. Die Architektin zu der bekannten Kritik: "McDonalds hat sein Konzept 2015 grundlegend geändert. Seitdem wird auf Nachhaltigkeit bei der Ernährung geachtet, es gibt dort viele Vollzeit-Arbeitsplätze und McDonalds bildet auch aus." Zudem würde auf Höhe der Abzweigung B 14-Dieselstraße eine Ampelkreuzung neu gebaut und der Schulweg von Kindern damit sicherer.

Christian Steger äußerte die Befürchtung, dass die OMV-Tankstelle in der Nürnberger Straße schließen könnte, sollte der geplante Gewerbepark auf dem Krötensee-Areal gebaut werden.

Diplomingenieur Rubenbauer verdeutlichte, dass die Biotopflächen mit Ausnahme der Zufahrt auf Höhe der Dieselstraße nun vollständig erhalten bleiben soll. Zudem betrage der Geltungsbereich des Areals zwar 2,38 Hektar - "die tatsächlich bebaute Fläche ist am Ende aber deutlich weniger". Dies liege daran, dass die neue Ampelkreuzung mit einberechnet würde und entlang der Bundesstraßen eine 20 Meter breite Anbauverbotszone zu beachten sei. "Am Schluss bleiben nur 1,02 Hektar als bebaubarer Bereich", so Rubenbauer.

Gelände vier Meter aufschütten

Im Norden und Westen würde ein Böschungsstreifen das Gelände umlaufen, im Norden entlang der B 14 ist ein Regenrückhaltebecken geplant. Diese Stelle würde zudem um vier Meter aufgeschüttet, um das Gelände insgesamt auf eine gleichmäßige Ebene zu bringen. Weil die östlich anschließenden Grundstücke bereits auf dieser Höhe seien, würde sich "die Struktur harmonisch einfügen", so Rubenbauer.

In der anschließenden Debatte wies Bettina Moser (SPD) daraufhin, dass die Bezeichnung "Autopark" für die Bevölkerung irreführend sei: "Das soll kein großer Lkw-Parkplatz werden, eine Tankstelle mit Werkstatt ist etwas anderes." Auch werde niemand "gezwungen, zum McDonalds zu gehen". Schon jetzt, so habe sie erfahren, gingen die Schüler zum Aldi-Markt und kauften dort Donuts oder Chips.

Der Stadtrat hat das Bauvorhaben abgelehnt - die Eigentümerin ist "geschockt".

Sulzbach-Rosenberg

Arbeitsplätze nur verlagert

Christian Steger (CSU) kritisierte, dass das Vorhaben, obwohl es durch den Stadtrat bereits abgelehnt wurde, erneut auf die Tagesordnung kam: "Mich beschäftigt die Frage, was sich seit dem letzten Beschluss signifikant geändert hat. Es ist nachwievor die gleiche Bebauungsart", bemängelte er die seiner Meinung nach lediglich kosmetischen Änderungen in der Bauplanung. Zudem habe er erfahren, dass die OMV-Tankstelle in der Nürnberger Straße "alle Investitionen bei sich stoppt, wenn der Autopark kommt". Sollte die OMV-Tankstelle schließen, dann würden durch "Krötensee II" nicht Arbeitsplätze neu geschaffen, sondern lediglich verlagert".

Martin Pöllath (FPD/FWS) sagte, das Projekt habe in der Bevölkerung viel Resonanz erfahren, von einem halben Dutzend Leserbriefe dazu in der Sulzbach-Rosenberger Zeitung seien fast alle ablehnend gewesen. Zum Thema Fastfood fragte der Mediziner rhetorisch: "Wäre es nicht ein Schildbürgerstreich, wenn wir in den Schulen gesundheitsbewusste Ernährung unterrichten, aber gleichzeitig einen Tempel der nachweislich ungesündesten Ernährung vor den Toren der Schulen errichten lassen?"

Wie wollen wir denn künftig auf Investoren zugehen, wenn wir monatlich die Pläne ändern?

Florian Bart (Junge Union)

JU-Vertreter Florian Bart hingegen sorgte sich um die Außenwirkung der Stadt gegenüber Unternehmern: "Wie wollen wir denn künftig auf Investoren zugehen, wenn wir monatlich die Pläne ändern? Wir vergraulen Investoren für jedes andere Projekt, wenn wir dort nicht zustimmen, das ist wirtschaftsfeindlich", sagte er und verwies auch auf die in wirtschaftlich schwierigen Coronazeiten wichtigen Steuereinnahmen durch den Gewerbepark.

Negatives Klima für Investoren?

Bürgermeister Michael Göth (SPD) schlug in die gleiche Kerbe. Man müsse bedenken, welches "Investorenklima" durch eine Ablehnung erzeugt werde. "Es ist die einzige große Ausfallstraße der Stadt, an der wir keine Tankstelle haben. Es ist das richtige Vorhaben an der richtigen Stelle", sagte der Rathauschef.

Yvonne Rösel (Grüne) wiederum lehnte das Vorhaben ab. In Zeiten von Flächensparen und hoher Feinstaubbelastung solle das Potenzial der Grünfläche für eine attraktivere Nutzung erhalten bleiben. FWU-Mann Stefan Thar verwies auf leerstehende Gebäude in der Innenstadt und mahnte eine "zentrumsnähere Nutzung" an. "Die Stadt hält mit dem Grundstück ein Pfund in der Hand, das man attraktiver entwickeln könnte", sagte er.

Architektin Azzi wird demnächst die aktualisierten Pläne bei der Stadtverwaltung einreichen. Dann entscheidet Bürgermeister Göth, ob das Projekt erneut auf die Tagesordnung des Gesamt-Stadtrats gehoben und nochmals zur Abstimmung gebracht wird.

Sulzbach-Rosenberg
Zitate aus der Ausschusssitzung:

„Eine vier Meter hohe Aufschüttung ist schon etwas hoch. Kann man das nicht auch terrassenförmig machen?“

Bettina Moser (SPD)

"Wenn ich höre, dass die eine Tankstelle schließen könnte, damit eine andere aufmacht, dann stelle ich mir schon die Sinnfrage."

Stefan Thar (FWU)

"Nur weil an drei Stadteingängen eine Tankstelle ist, muss man ja nicht auch noch eine vierte bauen."

Christian Steger (CSU)

"Der Wähler hat dafür gesorgt, dass die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat anders sind als zuvor. Viele Bürger haben uns in dem Ansinnen bekräftigt, gegen das Projekt zu stimmen."

Yvonne Rösel (Grüne)

"Zu sagen, wenn wir in Sulzbach-Rosenberg kein Fastfood-Restaurant haben, dann wir auch kein Fastfood gegegessen, das kann die Bevölkerung nicht nachvollziehen."

Bürgermeister Michael Göth (SPD)

"Die Fläche ist seit Langem für die autoaffine Nutzung vorgesehen und die Stadt hat immer signalisiert, dass dort eine autoaffine Nutzung zugelassen werden soll. Wir reden hier von einer Wiese, die komplett von Straßen umschlossen ist und nicht von einem Waldstück."

Florian Bart (JU)

„Wir können keinen wirklichen Bedarf für einen autoaffinen Gewerbepark in Sulzbach-Rosenberg erkennen. Alles, was dort errichtet werden soll, gibt es in der Stadt bereits.“

Martin Pöllath (FDP/FWS)

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