04.09.2020 - 13:54 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Antikriegstag: IG Metall fordert kritischen Blick auf Waffenexporte

Wer die Geschichte nicht kennt, der ist gezwungen, diese zu wiederholen. Daran erinnert die IG Metall, nicht nur am Antikriegstag.

Gewerkschafter und Parteienvertreter gedenken am Ehrenmal auf dem Friedhofberg der Opfer der Kriege.
von Wolfgang BerndtProfil

Solange sich keine europäische Lösung in der Flüchtlingspolitik finden lässt, muss die Bundesrepublik eigenständig handeln, forderte bei der Gedenkveranstaltung der IG Metall anlässlich des Antikriegstages die Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) der Firma Suroflex, Sara Kühlthau. Den Abschluss bildete eine Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer der Kriege mit der Forderung "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus".

Neben Bürgermeister Michael Göth und seinem Vorgänger Gerd Geismann hieß der Gewerkschaftssekretär Matthias Scherr Betriebsräte, Vertrauensleute und Vertreter der Parteien willkommen. "Nicht nur in Berlin und anderen Städten in der Bundesrepublik treten Rechtsradikale und Nazis verstärkt auf, sondern auch in der Oberpfalz und im Landkreis Amberg-Sulzbach", sagte Scherr und hielt den politisch Verantwortlichen vor, dies oft herunterzuspielen. So verweigere die Stadt Amberg dem vor 25 Jahren von zwei Neonazis ermordeten Klaus-Peter Beer bis heute eine entsprechende Würdigung. Es gehöre zu den Aufgaben von Gewerkschaften, zusammen mit anderen demokratischen Organisationen im "Bündnis gegen das Vergessen" immer wieder auf diesen untragbaren Zustand hinzuweisen.

Für viele Menschen ist der 1. September ein Tag, an dem mit der Ausbildung oder dem Studium ein neuer Lebensabschnitt beginnt, schilderte Sara Kühlthau. Für die meisten Menschen aber ist es ein Tag der Mahnung und des Gedenkens an den Überfall der Nazis auf unsere polnischen Nachbarn, der den Zweiten Weltkrieg auslöste. Er brachte Brutalität und die Vernichtung von Millionen von Menschen. "Den Holocaust und den verbrecherischen Krieg der deutschen Wehrmacht dürfen wir nie vergessen", rief Kühlthau auf. Nur wer die Geschichte kenne, könne verhindern, dass sich derartige Verbrechen wiederholen.

Derzeit herrschten aber in 18 Ländern Bürgerkriege, an denen Deutschland und andere EU-Staaten oft beteiligt seien, nicht zuletzt durch Rüstungsexporte. Es scheine, als seien die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges vergessen. 2019 erhielten deutsche Unternehmen Genehmigungen für Rüstungsexporte in Höhe von acht Milliarden Euro, so viel wie nie zuvor. Die Geschichte lehre, welche Gefahren von Waffen in den Händen von Rechtsextremen ausgehe, mahnte die Referentin: "Millionen von Menschen sind wir es schuldig, wachsam über Waffenexporte zu entscheiden."

In Kriegen sei immer die Zivilbevölkerung der große Verlierer. Geflüchtete Menschen brauchten humanitäre Hilfe, ärztliche Versorgung, Lebensmittel und menschengerechte Flüchtlingsunterkünfte, aber der "Friedensnobelpreisträger Europa" lasse Menschen in unwürdigsten Zuständen existieren. "Solange sich keine europäische Lösung in der Flüchtlingspolitik finden lässt, muss die Bundesrepublik eigenständig handeln. Denn die Würde aller Menschen, unabhängig von der Nationalität, ist unantastbar", schloss Sara Kühlthau.

Einen Kranz legen am Antikriegstag die Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung der Firma Suroflex, Sara Kühlthau, und Gewerkschaftssekretär Matthias Scherr am Mahnmal auf dem Friedhofberg nieder.
Die Referentin am Antikriegstag, Sara Kühlthau.

IG Metall Amberg stellt personelle Weichen

Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.