04.12.2020 - 16:32 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

35 Mitarbeiter verlieren bei Hosen-Hiltl ihren Job

Die Lage war seit der Insolvenz im Juni für die Hosenfabrik Hiltl mehr als prekär. Jetzt steigt ein Spross der Juwelier-Dynastie Swarovski als neuer Geldgeber ein. Für 35 Beschäftigte ist aber auch dies keine gute Nachricht

Produkte der Fritz Hiltl Hosenfabrik sollen auch nach Einstieg des neuen Investors trotz massivem Stellenabbaus in Sulzbach-Rosenberg gefertigt werden.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Sollte eine Transfergesellschaft mit mindestens 26 gekündigten Hiltl-Mitarbeitern bis Montag, 7. Dezember, zustande kommen, steht dem Einstieg der Schweizer Lorea AG als neuer Investor bei Hosen-Hiltl ab 16. Dezember nichts mehr Wege. Wie Betriebsratsvorsitzender Werner Sperber und Udo Fechtner, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Amberg, im Pressegespräch erklärten, handle es sich beim neuen Geldgeber um eine Beteiligungsgesellschaft im Eigentum von Dr. Christoph Swarovski und Guenter Hoefert.

Leider bestand die Schweizer Lorea AG auf dem massiven Stellenabbau.

Hiltl-Betriebsratsvorsitzender Werner Sperber

Hiltl-Betriebsratsvorsitzender Werner Sperber

„Wir haben seit Anfang November konkret mit dem neuen Investor verhandelt, um für die Arbeitnehmer möglichst günstige bedingungen auszuhandeln. Leider bestand die Schweizer Lorea AG auf dem massiven Stellenabbau, ohne den eine Übernahme nicht zustande gekommen wäre“, sagt Werner Sperber. Die vom Investor geforderte Halbierung sei sogar um drei Beschäftigte höher gewesen. Letztlich gehe es um 35 abgebaute Stellen, von denen 31 die Möglichkeit hätten, befristet bis 16. Juni in die Transfergesellschaft zu wechseln.

Interesse an der Marke

„Für diese Arbeitnehmer haben wir zusätzlich ein Eintrittsgeld von 4000 Euro ausgehandelt, in der Gesellschaft wird ihnen dann 70 Prozent des Nettolohns als Transferkurzarbeitergeld gezahlt“, ergänzt Udo Fechtner. Wie die Gewerkschafter weiter mitteilen, hätte Lorea ein sehr großes Interesse an der „Premium-Marke Hiltl“ gezeigt, die einen enormen Stellenwert in der Branche habe.

Die neuen Geldgeber wollen eine Neuausrichtung der Hosenfabrik, wofür die beiden Werke in Sulzbach-Rosenberg in der Dieselstraße als „Sulzbacher Atelier“ konzentriert werden. Der Standort Asamstraße werde veräußert. „Die Logistik übernimmt ein Dienstleister, auch die IT wird verlagert. Musterherstellung und Modellabteilung werden künftig digital laufen. Der Verlust der gesamten Fertigungslogistik hat diese massiven Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahl“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende.

Wir haben hier wieder einmal die Wichtigkeit von Betriebsräten gesehen.

Udo Fechtner, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Amberg

Udo Fechtner, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Amberg

Wie die beiden Arbeitnehmervertreter beim Gespräch mit der Sulzbach-Rosenberger Zeitung angeben, werde in der Branche berichtet, dass das Unternehmen künftig das Schneiderhandwerk mit Design und Innovation sowie Produkt- und Modellentwicklung vereinen wolle. Neue Ideen und Innovationen könnten somit direkt vor Ort kreiert und umgesetzt werden. Kontinuierlich nachhaltiges Wachstum sei eine weitere Zielvorgabe.

Schlimmere Alternativen

„Wir haben hier bei dieser Auseinandersetzung wieder einmal gesehen, wie wichtig es war, dass ein aktiver Betriebsrat bei den Übernahmeverhandlungen mit eingebunden war. Ohne dessen Mitsprache hätte der Investor alleine mit dem Geschäftsführer verhandelt. Das wäre dann sicherlich noch schlechter für die Belegschaft ausgegangen“, betont Fechtner auch vor dem Hintergrund, dass bei weitem nicht alle Forderungen umgesetzt werden konnten. „Drei der fünf interessierten Investoren wollten bei einer Übernahme sogar alle Beschäftigten entlassen“ verweist Sperber auf noch schlimmere Alternativen.

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Der Hiltl-Standort in der Asamstraße soll verkauft werden.
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