03.07.2020 - 16:14 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

150 Stöcke und 120 Sorten: Wenn Rosen in den Himmel wachsen

Wollen Sie zum Schloss Bellevue, oder Leonardo da Vinci und Knorr von Rosenroth treffen? Geht nicht an einem Tag? Doch, denn möglich macht das Rosenliebhaber Hans Sperber aus Pfaffenhof (Gemeinde Illschwang), der 120 Sorten pflegt.

Meterhohe Rosen, viele bunte Farben und unwiderstehliche Düfte - all das gibt es gegenwärtig bei Rosen-Liebhaber Hans Sperber in Pfaffenhof.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Der Strohhut weist ihn fast als Gärtner aus, und als Landwirt gehört Hans Sperber, der bis vor zwei Jahren seinen Hof im Haupterwerb bewirtschaftete, auch irgendwie zu dieser Zunft. "Man muss schon etwas Ahnung haben vom Wachsen und Gedeihen, sonst wird das nichts - auch nicht bei den Rosen", weiß der Liebhaber dieser Pflanzen. Etwa 150 Stöcke der edlen Gewächse hat er in seiner Obhut. Refugium dafür ist sein Anwesen im Ort Pfaffenhof, der zur Gemeinde Illschwang gehört und quasi im Herzen des Sulzbacher Berglandes liegt.

Seit etwa 50 Jahren

Erfahrung in Sachen Rosen sammelt Hans Sperber seit knapp 50 Jahren, spezialisierte sich sozusagen. Und was Besuchern in seinem Reich vor allem ins Auge sticht, sind die enormen Wuchshöhen bis über drei Meter. "Wenn im Handel die Rosen-Höhe zwischen 60 und 80 Zentimetern angegeben ist, werden sie durch meine Pflege meist doppelt so hoch." Der Schlüssel zu diesen Erfolgen, die gegenwärtig als äußerst beeindruckender Blüten- und Farbenrausch wahrnehmbar sind, liegt für den Experten in der ausgewogenen Düngung.

Getrocknete Gülle

Hier schwört er auf getrocknete Gülle als Haupt-Stickstofflieferant, eine dosierte Zugabe aus dem Handel komme noch hinzu. "Das können die etwa 600 Leute, die mich alljährlich besuchen, nicht glauben. Aber ich sage immer, dass die Pflanze sich nimmt, was sie braucht. Hier kommen mir meine Vorkenntnisse als Ökonom auch zugute", merkt Hans Sperber schmunzelnd an.

Dennoch gilt es Jahr für Jahr auch die Grundregeln für die Aufzucht und Pflege von Rosen zu beachten. So berichtet der Fachmann vom Anhäufeln der Stöcke im November, vom Dünge-Start im März und vom Ausputzen. "Und dann lasse ich sie blühen, später folgt ein Rückschnitt und im Oktober/November können sie so nochmals blühen." Als Leidenschaft gibt der Landwirtschaftsmeister das Beobachten an, wie aus einem kleinen Fechser eine meterhohe Rose wird. Eine Fülle an Farben, Düften und Blüten gebe es gleichsam als Geschenke für die Pflege mit dazu.

150 Rosen-Fechser

Und so hat der gebürtige Pfaffenhoferer, der vormals auch an der Berufsschule lehrte und sich bei der Revitalisierung von Rindern mit Erkrankung oder Handicap einen Namen machte, auch heuer schon wieder rund 150 Rosen-Fechser in kleinen Schalen nachgezogen. "Die sind natürlich nicht alle für mich, denn bei bestimmten Sorten tauschen sich Rosen-Freunde eben aus, wollen dann sehen, wie sich das eine oder andere Gewächs im eigenen Garten entwickelt. Das ist wie bei jedem anderen Hobby auch."

Düfte und Farben

Die Monate von Mai bis August zählen zu den Haupt-Blühzeiten der Rosen. Demnach wird der Sperber-Hof zurzeit regelrecht von einer riesigen Rosenhecke umschlossen. Dabei finden sich viele alte Sorten, die Sperbers besonderes Steckenpferd sind, und etliche in Rosenzüchter-Kreisen bekannte Namen wie Virginia, Cinderella, Silberrote Apollo, Queen Elizabeth, Hank Ness, Knorr von Rosenroth, Dupont oder Leonardo da Vinci. Die Düfte und Farben muss man erlebt haben. Und davon wird es sicher auch weiterhin am Anwesen des Naturfreundes reichlich geben, denn mit seinen erst 68 Jahren ist er weiter auf der Suche nach alten Sorten, die es im Handel nicht mehr gibt, aber zum Beispiel in einem verfallenen Schloss im Elsass. Unter Rosenfreunden genießt Hans Sperber einen exzellenten Ruf. Und gern erzählt er auch von einer Frau, die ihn besuchte und arg über ihr Lebensschicksal klagte. Hans Sperber schenkte ihr einen Rosen-Fechser, der der Dame ans Herz wuchs, ihr wieder Lebensfreude gab. Jetzt lässt sie Jahr für Jahr von sich hören, um mitzuteilen, wie viele Blüten ihr Rosenstock angesetzt habe.

Hier konnte Hans Sperber ganz im Sinne seiner Leidenschaft für eine positive Situation sorgen. So stellt er sich übrigens auch die Verhältnisse in der gesamten Natur vor. Ihm bedeutet der Erhalt der Flora und Fauna sehr viel, was sich unter anderem in einer Kooperation mit dem Bienenzuchtverein Sulzbach-Rosenberg ausdrückt. Die Imker Karin und Dietmar Haar betreuen einige Bienenvölker auf Sperbers Areal in Pfaffenhof. Und ganz aktuell danken sie dem Besitzer für die Anlage einer Blühfläche zum Wohl der Nektarsammler. Hans Sperber denkt stets im Einklang mit der Natur und freut sich, dass er auch mit etwa 2500 gepflanzten Weißtannen in punkto Klimawandel auf dem richtigen Weg ist.

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Sulzbach-Rosenberg
Hans Sperber alias "Der Rosenkavalier".
Karin und Dietmar Haar freuen sich mit Hans Sperber (Mitte) über die Anlage einer Blühfläche für Bienen.
Auch für Wildbienen ist der Tisch rund ums Sperber-Anwesen reichlich gedeckt.
Ein Rausch aus Blüten, Farben und Düften.
Im Rosen-Paradies.
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