26.10.2021 - 15:02 Uhr
StullnOberpfalz

Studentin aus Stulln designt Hochsitz 2.0 für Erholung im Wald

Zart und robust zugleich ist der Hochsitz, für den eine Studentin aus Stulln nicht Jäger sondern Erholungssuchende im Blick hat. Im Wald bei Brensdorf regt sein Design Spaziergänger zu Spekulationen an.

Als Projektarbeit für ihr Industrie-Design-Studium hat Marie-Sofie Delling unter dem Themenkomplex "Living Forest" (lebender Wald) diesen Hochsitz entworfen. Zielgruppe sind aber nicht Jäger, sondern Erholungssuchende.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Der Mensch und sein Bedürfnis nach Natur, ein Rückzugsort in von Corona gebeutelten Zeiten: Dieses Thema hat inzwischen auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin für sich entdeckt. Marie-Sofie Delling aus der kleinen Gemeinde Stulln bei Schwarzenfeld studiert dort Industriedesign. Im Sommersemester gehörte die 25-Jährige zu einer Gruppe von 13 Studierenden plus Professor, die sich etwas für einen "Living Forest", einen lebenden Wald, überlegen sollte. Statt eines Miniatur-Modells präsentierte die junge Frau gleich ein fertiges und nicht gerade kleines Objekt, das mit 4,5 Metern Höhe nicht von ungefähr an einen Hochsitz erinnert.

Eine Studentin mit Ideen, ein Onkel mit Traktor und ein Vater mit einem Bauunternehmen: Da konnte im Prinzip nichts mehr schiefgehen. "Eigentlich ist es ein kleines Familienprojekt", sagt die Schöpferin des Bauwerks mit dem Titel "Hochsitz 2.0", die für Oberpfalz-Medien telefonisch in Berlin erreichbar war. Ihre Projektarbeit steht noch auf einer Wiese, die den Großeltern gehört. Der ungewöhnliche Hochsitz mit der weißen Bespannung aus leicht transparentem Stoff wirkt wie ein Leuchtturm am Waldrand, wenn man von Brensdorf nach Schwarzenfeld unterwegs ist.

Ein Kubus zum Entspannen

"Meine Grundidee war, dass Jägersitze nur für bestimmte Gruppen zugänglich sind", erzählt die Design-Studentin vom Reiz, da hoch zu gehen, obwohl es verboten ist fürs "normale Volk". Auf der Suche nach einer Alternative hat sie zunächst erforscht, was es dazu bereits auf dem Markt gibt. "Ich wollte einen Hochsitz entwerfen, der mit der Wahrnehmung spielt, einer, der ein etwas anderes Erlebnis beschert", sagt Marie-Sofie Delling. Entstanden ist ein Kubus in zwei Teilen: unten mit senkrechten Holzlatten, oben "mit einer Art weißem Raum, der schemenartig die Natur erahnen lässt". Erreicht hat die Designerin das durch eine Bespannung des hölzernen Rahmens mit Stoff.

"Man kommt hoch und wird gedrängt, den Blick direkt in den Himmel zu richten", beschreibt die 25-Jährige ihre Intention. Ein Quadrat aus intensivem Blau, Wolken pur oder ein "superschöner Sternenhimmel" sind der Lohn für alle, die die Leiter zum Hochsitz 2.0 erklimmen. "Während des Aufbaus haben mich schon ganz viele Leute angesprochen", berichtet die Studentin von neugierigen Nachfragen, aber auch ersten Interpretationen. "Sieht aus wie Theater, wie ein Schattenspiel", bekam die Baumeisterin aus Stulln zu hören. "Was mich dabei freut ist, wie die Leute bei dem Anblick selbst kreativ werden", erzählt sie.

Sie selbst hat überrascht, dass es doch "eine ganz andere Hausnummer" war, tatsächlich zusammenzubauen, was vorher nur auf dem Plan verzeichnet war. In der Werkstatt des Vaters konnte sie die Einzelteile hobeln und teilweise auch schon verschrauben. "Das Verladen war dann doch ganz schön tricky", meint sie und ist dankbar, dass sie bei all der Arbeit auf die Hilfe der Familie zählen konnte. Die 80-seitige Dokumentation mit vielen Bildern über das Projekt allerdings fiel ganz in ihr Ressort. Und was hat ihr Professor dazu gesagt?. "Eine Bewertung gibt es bis jetzt noch nicht, aber er war sehr angetan", lautet die vorläufige Bilanz.

Interessenten gesucht

Wie lange der ungewöhnliche Hochsitz noch auf der Wiese von Dellings Großeltern die Stellung hält, steht noch nicht fest. "Bei den aktuellen Holzpreisen hat mein Vater schon überlegt, ob er das Holz in der Firma wiederverwenden könnte", berichtet die 25-Jährige. "Vielleicht meldet sich aber auch ein Interessent, der das Teil kaufen möchte", hofft sie, "meine Mutter hat daran gedacht, den Hochsitz bei Ebay reinzustellen."

Auch im Oberpfälzer Norden rücken Hochsitze in den Fokus von Kunstinteressierten

Maiersreuth bei Bad Neualbenreuth
Hintergrund:

"Living Forest" nicht nur für Jäger

  • Projekt: Thema im Studium Industriedesign an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin
  • Vorgabe: Ideen, die das Bedürfnis des Menschen nach Natur oder einem Rückzugsort befriedigen
  • Beispiele: neben Dellings "Hochsitz 2.0" sind im Rahmen des Projekts Modell für eine mobile Skater-Rampe, eine Bank oder eine Lampe zum Mitnehmen in die Natur entstanden. Andere Studenten wagten sich daran Kaugummi-Automaten zu Spendern für Blumensamen oder Spielen in der Natur umzufunktionieren.
  • Die Designerin: Marie-Sofie Delling kommt aus Stulln. Beim Abitur an der FOS in Weiden wählte sie den künstlerischen Zweig, studierte danach aber zunächst in Regensburg einige Semester Europäische Betriebswirtschaft, bevor sie an die HTW Berlin wechselte, wo sie mit Industriedesign das Richtige gefunden hat. Ob ihre berufliche Zukunft in der Möbelbranche liegt oder in der Forschung über nachhaltige Materialien, weiß sie heute noch nicht.

"Ich wollte einen Hochsitz entwerfen, der mit der Wahrnehmung spielt, einer, der ein etwas anderes Erlebnis beschert."

Marie-Sofie Delling

Marie-Sofie Delling

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