30.04.2020 - 16:32 Uhr
StullnOberpfalz

"Rotzlöffl" favorisieren Autokonzert

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Das Coronavirus macht erfinderisch: Die Oberpfälzer Band "Rotzlöffl" peilt für ihren Live-Auftritt ein Konzert nach dem Vorbild eines Autokinos an – vielleicht in Schwandorf. Die Parkplatz-Suche hat jedenfalls bereits begonnen.

Ein Autokonzert via Funkfrequenz schwebt Christoph Plank als Strategie für die Auftritte der "Rotzlöffl" vor: Die Band würde dann live spielen, die Zuhörer könnten im Auto auf Abstand in Stimmung kommen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Kein Volksfest, keine Kirwa: Ausgerecht die Jubiläumstour der "Rotzlöffel" zum 15-jährigen Bestehen der Band sollte ein Opfer der Corona-Pandemie werden. Die Termine beim Gäubodenfest, beim Karpfhamer Volksfest oder dem Cannstatter Wasen in Stuttgart - alle abgesagt oder zumindest fraglich. "15 Jahre du mit mir, ich mit dir", dafür sah es nach den Kontakt-Beschränkungen gar nicht gut aus. Doch die Band mit ihren Mitgliedern Christoph Plank (Stulln), David Sorgenfrei (Neunburg), Sandro Augustin (Etzenricht) und Matthias Zimmerer (Pirk) gibt nicht auf. Nicht über Lautsprecherboxen, sondern per Autoradio will sie ihre Fans in den nächsten Wochen erreichen.

Das Vorbild dafür liefert das Autokino: Statt einer Leinwand hätten die Konzertbesucher dann eine Bühne mit den Musikern vor sich, die dort live spielen. Zu hören sind ihre Stücke aber nicht über Lautsprecher-Boxen, sondern per Funk übers Autoradio. "Das Auto dient dann als Schutzzone, quasi als faradayscher Käfig, der eine Infektion verhindert", überlegt Christoph Plank. Er zieht damit Parallelen zu einem Effekt, der nach dem Forscher Michael Faraday benannt ist und sich auf die Schirmwirkung einer Blechhülle beispielsweise bei einem Blitzeinschlag bezieht. Nur dass die Karosserie nun das Virus auf Abstand halten soll. Ein Parkplatz-Einweiser würde für eine Ausrichtung und einen guten Blick auf die Bühne sorgen, "und das mit der Funkfrequenz würde sich auch einrichten lassen", so der Musiker, der als potenziellen Veranstaltungsort schon den Schwandorfer Volksfestplatz im Auge hat. Die Verhandlungen mit der Stadt laufen bereits. "Wir sind aber auch offen für andere Möglichkeiten", räumt Plank ein und hofft auf Vorschläge über die Homepage der Band.

Das Auto dient dann als Schutzzone, quasi als faradayscher Käfig, der eine Infektion verhindert.

Christoph Plank über ein Autokonzert

Christoph Plank über ein Autokonzert

Hungrig nach Musik

"Die Leute sind hungrig nach Musik, und so ein Volksfestplatz wäre auf jeden Fall zentral", überlegt der Stullner "Rotzlöffl", der mit seinen Bandkollegen in den sozialen Netzwerken schon einige "Entzugserscheinungen" und einen gewaltigen "Grant auf Corona" ausgemacht hat. "Es wäre unser Wunsch, mit Hilfe dieser Idee zu verhindern, dass das kulturelle Leben den Bach runter geht." Klar, dass dabei auch Eintrittsgelder für die Band abfallen. "Wie genau der Bezahlmodus aussehen soll, so weit sind wir noch nicht", räumt Plank ein. Möglicherweise gibt es eine Kasse an der Einfahrt, vielleicht läuft ein Vorverkauf auch über die regulären Portale.

Nichts für "Schwarzhörer"

"Schwarzhörer" allerdings sollen keine Chance haben. "Schlagzeug oder Quetschn wird man sicher auch ohne Funk hören, das Keyboard aber sicher nicht", so der Plan. Schließlich sollen ja Ansammlungen von Radlern oder Fußgängern vermieden werden. Die Funkfrequenz wäre auf wenige Kilometer beschränkt, die Lärmbelastung für die Anwohner würde sich in Grenzen halten.

"Wir haben das Rad hier natürlich nicht neu erfunden, aber vielleicht ein wenig revolutioniert", meint der Musiker, dem die Idee dazu bei einem bangen Blick auf den Kalender kam. Wenn die Rotzlöffl" hier eine Vorreiterrolle einnehmen könnten, dann wäre das ganz nach seinem Geschmack. Was die Proben betrifft, räumt Plank allerdings schon einen gewissen Rückstand ein. "Alle Proben laufen momentan übers Internet", berichtet er. "Wir versuchen, das ein oder andere durchzuspielen, aber was uns fehlt, das sind einfach die Bühnenbretter unter unseren Füßen."Seit das Quartett gemeinsam Musik macht, hat es noch nie so lange pausiert.

Lesen Sie hier: Die "Rotzlöffl" werden in der Coronakrise kreativ

Schwarzenfeld

Was den Zeitplan angeht, so hält Plank einen Start der Jubiläumstour per Autokonzert ab Juni für durchaus realistisch. Gehört bis dahin auch eine Corona-Song zum Repertoire? "Schon möglich", meint der Stullner Musiker, der sich nach der ersten Corona-Schockwelle auf den Bandnamen besinnt: "Rotzlöffl" ist schließlich auch ein bisweilen liebevoll verwendetes Schimpfwort für freche junge Menschen. " Und Lachen ist sowieso die beste Medizin."

Vor der Coronakrise haben die "Rotzlöffl" noch in Kitzbühel eingeheizt

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